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Politik Ausland
01/29/2020

Londoner Brexit-Optimismus: „Abkommen mit EU bis Jahresende möglich“

Großbritanniens Handelsbeauftragter im KURIER-Gespräch über die Verhandlungen mit der EU.

von Konrad Kramar

Königlicher Handelsbeauftragter für Europa ist sein Titel. Der Job aber, den Andrew Mitchell in diesen Tagen zu erledigen hat, ist weit weniger pompös und derzeit ziemlich heikel. Mitchell muss sich darum kümmern, dass die Geschäfte britischer Unternehmen mit EU-Staaten auch nach dem Brexit möglichst ruckfrei weiterlaufen. Das aber hängt vor allem von den nun beginnenden Verhandlungen ab. Mitchell sprach in Wien mit dem KURIER über . . .

. . . Verhandlungen mit der EU: Kein Zweifel, Handelsabkommen zu verhandeln, ist unglaublich kompliziert, es geht um unzählige Details. Aber es war immer klar, dass diese Verhandlungen mit der EU nicht einfach werden.

. . . Erfolgsaussichten: Es ist absolut möglich, bis Ende dieses Jahres ein Handelsabkommen zustandezubringen. Das wissen wir. Wie kompliziert das alles wird, hängt auch davon ab, wie kompliziert es die Verhandler machen wollen. Beide Seiten haben die Wahl.

. . . Londons Ausgangsposition: Wir haben seit dem Referendum 2016 daran gearbeitet, die besten Köpfe für diese Verhandlungen in ein Team zu bekommen. Man muss bedenken, wir beginnen diese Verhandlungen nicht nur mit der EU, sondern

mit Partnern in der ganzen Welt. Wir sind also auch in der Lage, diese Verhandlungen parallel zu führen. Die britische Wirtschaft und die der EU sind derzeit natürlich lückenlos aneinander angepasst. Das ist eine gute Ausgangsposition.

. . . das Ziel der Verhandlungen: Die britische Position ist klar, wir wollen ein tief greifendes, umfassendes Abkommen mit der EU,

das sicherstellt, dass der Handel auch weiterhin ruckfrei funktioniert.

. . . die Finanzmetropole London: Was Finanzdienstleistungen betrifft, ist und bleibt London die Nummer eins. Nirgendwo anders auf der Welt gibt es eine solche Konzentration von Fachwissen und Können. Und die Rechnung lautet: Das Kapital geht dorthin, wo die Geschäftskultur bereits vorhanden ist – und die besten Köpfe gehen dorthin, wo das Kapital ist. Global agierende Firmen wollen dorthin, wo andere schon Erfolg in demselben Sektor haben – also in diesem Fall nach London. Das heißt nicht, dass wir uns in London nicht der wachsenden europäischen Konkurrenz stellen müssen, aber wir sind gut aufgestellt.