Im Libanon stehen die Zeichen weiter auf Eskalation
Im Libanon, speziell im Süden des Zedernstaates, bleibt derzeit kein Stein auf dem anderen. Israel intensivierte in den vergangenen Tagen seine Angriffe – am Boden und aus der Luft. Ganze Landstriche werden verwüstet, Dörfer zerbombt und für immer unbewohnbar gemacht. Und der vom Iran unterstützten Schiiten-Miliz Hisbollah, die Israels Premier Benjamin Netanjahu bereits mehrmals als massiv geschwächt bezeichnete, gelingt es immer wieder, Nordisrael mit Drohnen und Raketen zu attackieren. Die jüngste Eskalation alarmiert Staatskanzleien weltweit.
Seitens Frankreichs betonte Außenminister Jean-Noël Barrot, dass man zwar Israels Recht auf Selbstverteidigung anerkenne, doch „nichts kann die Fortsetzung der israelischen Militäroperation im Libanon und eine immer tiefere Besetzung libanesischen Territoriums rechtfertigen“. Es handele sich um einen Bruch des Völkerrechts, so der Chefdiplomat, der für Montag eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates einberief. Der deutsche Außenminister Johann Wadephul forderte alle Seiten zu Zurückhaltung auf und meinte zudem, „wenn Teile des Libanon dauerhaft unbewohnbar werden, macht das Israels Nachbarschaft langfristig nicht sicherer“.
Israels Streitkräfte dringen weiter vor
Hintergrund: Am Wochenende waren Israels Streitkräfte (Israel Defense Forces – IDF), die bereits ein Fünftel des Libanon besetzt halten, weiter auf dem Territorium des Zedernstaates vorgedrungen. Sie hatten auch die mittelalterliche Burg Beaufort eingenommen. Von dieser 700 Meter über dem Meeresspiegel liegenden Festungsanlage sieht man tief bis Nordisrael, was die Hisbollah zu ihren Luftangriffen nutzte. Bereits zu Beginn der Besatzung des Gebiets 1982 hatte die israelische Armee unter enormen Verlusten diese Burg schon einmal erobert.
„Israel zielt darauf ab, strategische Punkte einzunehmen, indem es dieselben Positionen kontrolliert, die die IDF vor ihrem Rückzug im Jahr 2000 nutzte“, analysiert Mohanad Hage Ali von der US-Denkfabrik Carnegie Endowment in der britischen Zeitung The Guardian. Wobei man dieses Mal noch weiter gehen will: Israel rief zur Evakuierung sämtlicher libanesischer Gebiete südlich des Flusses Sahrani auf, der 40 Kilometer nördlich der israelischen Grenze liegt. Bereits jetzt sind mehr als eine Million Menschen aus diesen Regionen auf der Flucht. Manche Beobachter meinen, dass Israel diese „Pufferzone“ dauerhaft besetzen, ja sogar annektieren beziehungsweise besiedeln könnte.
Der libanesische Regierungschef Nawaf Salam geißelte Israels Angriffe als „Versuch, die Geschichte auszuradieren“. Er warf den Verantwortlichen im Nachbarland vor, „eine Politik der verbrannten Erde und kollektiven Bestrafung zu betreiben“, indem sie „Städte und Dörfer zerstören und ihre Bewohner ins Exil“ treiben würden. Joseph Aoun, Präsident des Zedernstaates, kritisierte das israelische Vorgehen als „bösartige und verwerfliche Aggression“.
Iran bricht Gespräche mit USA ab
Auch die USA sind alarmiert – torpedieren die Militäroperationen Israels doch die Bemühungen Washingtons, mit dem Iran trotz gegenseitiger Angriffe zu einem Deal über eine Verlängerung der Waffenruhe sowie über eine Lösung im Nuklearstreit zu kommen. Und tatsächlich brach Teheran am Montag den Kontakt zu den USA ab – wegen der „anhaltenden Verbrechen“ Israels im Libanon, wie es hieß. Zuvor noch hatte US-Außenminister Marco Rubio versucht an der Levante zu vermitteln: Die Hisbollah solle alle Angriffe auf Israel einstellen, im Gegenzug Israel auf Luftschläge gegen die Hisbollah-Hochburg im Süden Beiruts verzichten. Doch: Netanjahu hat neue Angriffswellen auf die libanesische Hauptstadt angeordnet.
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