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Politik Ausland
10/17/2020

Lehrer nahe Paris enthauptet: Neun Verdächtige in Gewahrsam

Geschichtslehrer zeigte Mohammed-Karikaturen. Mutmaßlicher Täter war 18-Jähriger tschetschenischer Herkunft. Macron geht von "Terroranschlag" aus.

Nach der Enthauptung eines Lehrers nahe Paris hat die Polizei nach Angaben aus Justizkreisen in der Nacht zu Samstag fünf weitere Verdächtige in Gewahrsam genommen. Bei dem mutmaßlichen Täter, der von der Polizei angeschossen wurde und später starb, soll es sich nach Informationen aus den selben Kreisen um einen in Moskau geborenen 18-Jährigen tschetschenischer Herkunft handeln. Insgesamt befinden sich nun neun Menschen in Gewahrsam.

Unter den fünf in Gewahrsam Genommenen sind Eltern von Schülern der Schule, an der das Opfer arbeitete. Außerdem wurden Menschen aus dem nicht familiären Umfeld des mutmaßlichen Angreifers festgenommen.

Der Geschichtslehrer war am Freitag nahe einer Schule in Conflans-Saint-Honorine enthauptet worden. Er hatte nach Polizeiangaben seinen Schülern in seinem Unterricht über Meinungsfreiheit Mohammed-Karikaturen gezeigt. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sprach von einem "eindeutig islamistischen Terroranschlag". Der Angreifer soll nach der Tat "Allahu Akbar" (Gott ist groß) gerufen haben. Er wurde von der Polizei angeschossen und starb nach Angaben aus Justizkreisen später.

Sie werden nicht durchkommen. Sie werden uns nicht spalten.

Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron

Die Polizei untersuchte zudem nach eigenen Angaben einen Tweet beim Kurzbotschaftendienst Twitter, der ein Foto vom Kopf des Lehrers gezeigt haben soll. Der Tweet ist mittlerweile gesperrt. Es sei nicht geklärt, ob die Nachricht unter dem Foto, in der Präsident Macron als "Führer der Ungläubigen" bedroht wird, vom Angreifer selbst verschickt wurde.

Lehrer zeigte Mohammed-Karikaturen

Bei dem Opfer handelt es sich nach Polizeiangaben um einen Geschichtslehrer, der seinen Schülern im Rahmen seines Unterrichts über Meinungsfreiheit umstrittene Mohammed-Karikaturen gezeigt hatte. Der Angreifer soll nach der Tat in dem Ort nordwestlich der französischen Hauptstadt "Allahu Akbar" (Gott ist groß) gerufen haben. Er wurde von der Polizei angeschossen und starb nach Angaben aus Justizkreisen später.

Die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft ermittelt den Angaben zufolge wegen "Mordes in Verbindung mit einem terroristischen Unternehmen" und wegen einer "kriminellen terroristischen Vereinigung".

Bei einer kurzen Rede vor der Schule, an der der Geschichtslehrer unterrichtet hatte, sagte Präsident Macron: "Sie werden nicht durchkommen. Sie werden uns nicht spalten." Der Lehrer sei ermordet worden, weil er seinen Schülern "Meinungsfreiheit und die Freiheit zu glauben und nicht zu glauben" beigebracht hatte. Macron versicherte, dass die Nation gegen "Aufklärungsfeindlichkeit" und die damit einhergehende Gewalt zusammenstehen werde, um alle Lehrer "zu schützen und zu verteidigen".

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) sicherte in der Nacht auf Samstag Frankreich volle Solidarität zu. Er verurteile den "barbarischen islamistischen Terrorangriff" aufs Schärfste, so Kurz auf Twitter. Sein aufrichtiges Beileid gelte den Angehörigen des Opfers. "Wir werden uns dadurch nicht einschüchtern lassen und unser europäisches Lebensmodell weiterhin verteidigen", betonte der Bundeskanzler.

Bereits im September hatte es wegen der erneuten Veröffentlichung der umstrittenen Mohammed-Karikaturen in der Satirezeitung "Charlie Hebdo" einen Messerangriff mit zwei Verletzten in Paris gegeben. Bei dem geständigen Täter handelt es sich um einen 25-jährigen Pakistaner, der aus "Wut" über die Darstellung des Propheten gehandelt haben will.

Die Satirezeitung äußerte nach der Tat am Freitag beim Onlinedienst Twitter ein "Gefühl des Schreckens und der Empörung". Die Intoleranz habe "gerade eine neue Schwelle überschritten". Im Jänner 2015 hatten Islamisten wegen der Karikaturen einen Anschlag auf die "Charlie Hebdo"-Redaktion in Paris verübt und dabei zwölf Menschen getötet.

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