Kuba erlebt die größten Proteste seit Jahrzehnten

Kuba erlebt die größten Proteste seit Jahrzehnten
Auf der kommunistischen Karibikinsel wächst der Widerstand gegen das Regime, auch wegen der schlechten Wirtschaftslage.

Offiziell ist das Ende der Castro-Ära auf Kuba völlig friedlich und erschütterungsfrei vor sich gegangen. Doch mit dem endgültigen Abgang von Raul Castro aus der politischen Führung des Landes im Frühjahr dieses Jahres ist auch die Unzufriedenheit in der Bevölkerung gewachsen. Zwar setzt der neue Präsident Miguel Díaz-Canel auf wirtschaftliche Reformen, doch das kann die wirtschaftliche und soziale Krise auf Kuba vorerst nicht lindern. Zu schwer ist das Land vom Corona-bedingten Zusammenbruch des Tourismus, den anhaltenden US-Sanktionen und der chronischen Ineffizienz sozialistischer Planwirtschaft getroffen.

"Nieder mit der Diktatur"

Tausende Menschen sind in mehreren Städten am Sonntag gegen die kommunistische Regierung auf die Straße gegangen. Es sind laut internationalen Beobachtern die größten Demonstrationen seit den 1990ern, als Kuba seine bisher schlimmste Wirtschaftskrise erlebte. "Nieder mit der Diktatur", riefen die Menschen und brachten ihren Unmut über die aktuelle Wirtschaftskrise und die damit einhergehende Strom- und Lebensmittelknappheit zum Ausdruck.

Tränengas

In der Hauptstadt Havanna versammelten sich hunderte Demonstranten vor dem Kapitol und skandierten: "Wir wollen Freiheit". Die Polizei setzte Tränengas gegen die Protestierenden ein, nach Angaben von Amnesty International wurden mindestens 100 Menschen festgenommen. AFP-Reporter beobachteten, wie die Einsatzkräfte mit Plastikrohren auf die Demonstranten einschlugen.

Kuba erlebt die größten Proteste seit Jahrzehnten

Auch in der Stadt San Antonio de los Baños, rund 30 Kilometer südwestlich von Havanna, versammelten sich mehrere tausend hauptsächlich junge Menschen zu Protesten. In den Online-Netzwerken tauchten Videos und Bilder von Protesten in weiteren Städten auf, obwohl der Zugang zum Internet am Sonntag größtenteils abgeschnitten war. Demonstrationen finden in Kuba kaum statt - die einzigen erlaubten politischen Versammlungen sind normalerweise Veranstaltungen der Kommunistischen Partei.

Drohung des Präsidenten

Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel forderte unterdessen seine Anhänger auf, sich den Demonstranten entgegenzustellen. "Wir rufen alle Revolutionäre des Landes, alle Kommunisten, dazu auf, auf die Straße zu gehen, wo diese Provokationen stattfinden", sagte er in einer TV-Ansprache und ermutigte seine Anhänger, den Demonstranten "entschlossen, fest und mutig entgegenzutreten."

USA warnen vor Gewalt

Die USA warnten die kubanische Regierung vor Gewalt gegen friedliche Demonstranten. Der Nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Joe Biden, Jake Sullivan, schrieb bei Twitter: "Die USA unterstützen die Meinungs- und Versammlungsfreiheit in ganz Kuba und verurteilen jegliche Gewalt oder Angriffe auf friedlichen Demonstranten, die ihre allgemeinen Rechte in Anspruch nehmen, aufs Schärfste".

"Wir sind zutiefst besorgt über die 'Aufrufe zum Kampf' in Kuba", erklärte auch die für Lateinamerika zuständige US-Diplomatin Julie Chung. "Wir rufen zur Ruhe auf und verurteilen jegliche Gewalt."

Corona-Pandemie eskaliert

Kuba durchlebt neben einer Wirtschaftskrise die bisher heftigste Welle der Corona-Pandemie und meldete am Sonntag einen neuen Höchststand an Infektionen und Todesfällen. Das Land mit 11,2 hat zuletzt einen sprunghaften Anstieg der Fälle erlebt. Am Sonntag verzeichnete Kuba 6.923 Neuinfektionen und 47 Todesfälle.

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