Krypto-Manager und ihre Familien im Visier krimineller Banden
Einige Überfälle konnte die Polizei noch verhindern.
Es ist eine schockierende Szene, die sich am Dienstagmorgen mitten in Paris zugetragen hat. Ein Anwohner filmte sie mit seinem Handy, das Video zirkuliert im Netz. Erkennbar sind darauf drei schwarz gekleidete, vermummte Männer, die eine Frau über den Boden des Gehwegs schleifen, um sie zu einem Van zu zerren.
Sie wehrt sich heftig, ruft laut um Hilfe, ein Mann hält sie fest. Es gelingt ihr, eine Pistole auf die Straße zu werfen, die sich später als Attrappe herausstellen sollte. Nachbarn eilen herbei, einer von ihnen attackiert die Angreifer mit einem Feuerlöscher. Schließlich springen diese unverrichteter Dinge in den Kleinlaster und brausen davon. Der Mann, der die Frau beschützt hatte, war ihr Lebenspartner und am Kopf verletzt. Wie der kleine Junge des Paares wurde er in der Folge medizinisch versorgt. Von den Tätern fehlt jede Spur, doch den Van fand die Polizei inzwischen.
Tochter von Pierre Noizat
Bei der 34-jährigen Frau, die im fünften Monat schwanger ist, handelte es sich kaum um ein Zufallsopfer. Sie ist die Tochter von Pierre Noizat, dem Chef von Paymium, einer Plattform für den Handel mit Kryptowährungen.
Noizat sagte am Freitagmorgen bei einem Auftritt im französischen Fernsehen, dass ihm das Risiko bewusst sei, dem er und seine Familie ausgesetzt seien, weil Menschen glaubten, bei ihm sei viel Geld zu holen. Polizeischutz gebe es für sie nicht. Noizat hatte nach seinem TV-Interview einen Termin bei Innenminister Bruno Retailleau, doch dieser habe „eine unmögliche Mission“ vor sich: „Das Problem wächst schneller, als er es beheben kann.“ Es stehe am Anfang, wenn man es nicht endlich scharf bekämpfe.
Angriffe häufen sich
Tatsächlich häuften sich in den letzten zwei Jahren die Angriffe auf Bitcoin-Unternehmer oder deren Familienmitglieder in Frankreich. Anfang Mai entführten Vermummte den Vater eines Kryptomillionärs ebenfalls vor Augenzeugen in Paris und forderten mehrere Millionen Euro Lösegeld. Bevor sie gezahlt wurden konnte die Polizei das Opfer, dem die Entführer einen Finger abgehackt hatten, befreien. Medienberichten zufolge waren laut einer polizeilichen Quelle „weitere Verstümmelungen zu befürchten“. Fünf junge Männer wurden festgenommen.
Für großes Aufsehen sorgte Ende Januar auch die Entführung von David Balland, dem Mitbegründer des erfolgreichen Kryptounternehmers Ledger, und seiner Lebensgefährtin. Ihm wurde ebenfalls ein Finger abgetrennt, um die Forderung von Lösegeld in Höhe von rund zehn Millionen Euro in Form von Bitcoins zu untermauern. In einer groß angelegten Polizeiaktion konnten die beiden Opfer befreit werden, sieben Tatverdächtige kamen in Haft.
Sein Unternehmens-Partner Éric Larchevêque klagte nun, der „Laxismus der Justiz“ sei mitschuld an der wachsenden Bedrohung für die ganze Branche: „Diese Kriminellen haben keine Grenzen mehr, weder Moral noch Angst, auch nicht vor lebenslanger Haft.“ Seitens der Polizei-Einheit für Cyber-Sicherheit heißt es, die Verbrecher glaubten an das Versprechen von „schnellem Geld“ gegenüber klassischen Überweisungen oder Geldübergaben, die stets ein Risiko für die Täter bergen.
Falsches Kalkül
Tatsächlich handle es sich aber um ein falsches Kalkül, versicherte Pierre Noizat: „Es ist rückverfolgbar und hinterlässt ewige Spuren im Internet, die sich nicht löschen lassen.“ Die Täter würden gefunden. Tatsächlich wurden die Entführer des Vaters des Influencers Killian Desnos alias TeufeurS ausfindig gemacht. Sie erhielten im August 2023 für dessen Freilassung 1,7 Millionen Euro, wurden aber entdeckt, als sie versuchten, auf einer Plattform mit einem Teil des Geldes zu bezahlen.
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