Trump entlässt umstrittene Heimatschutzministerin Kristi Noem
Donald Trump nennt es eine „Versetzung“. In Washington wird es als das gelesen, was es ist: die erste große Demontage in seinem Kabinett – ausgelöst durch eine Mischung aus Selbstinszenierung, Vetternwirtschafts-Verdacht und Dauerärger im Kongress.
Am Donnerstag, kurz nach dem Mittagessen, erklärte der US-Präsident über seine digitale Presse-Stelle „Truth Social”, er werde den republikanischen Senator Markwayne Mullin als neuen Heimatschutzminister nominieren. Kristi Noem, die amtierende DHS-Chefin, soll stattdessen Sondergesandte für die “Zusammenarbeit in der westlichen Hemisphäre” werden; sprich: für die Kontakte mit den Ländern im südlichen Hinterhof der USA.
Seit Monaten schwelendes Problem
In Trumps Wortwahl klingt das wie Beförderung. In Wahrheit ist es die Deeskalation eines seit Monaten schwelenden Problems, das ihm politisch zu teuer geworden ist. Der unmittelbare Kipppunkt: Noems Aussage unter Eid, Trump habe einen 220-Millionen-Dollar-Werbefeldzug zur Grenzpolitik „abgesegnet“, in dem Noem selbst prominent inszeniert wird – inklusive Szenen am Mount Rushmore. Trump widersprach in US-Medien am Donnerstag schneidend: „Ich wusste davon überhaupt nie etwas.” Für einen Präsidenten, der Loyalität höher bewertet als Fachlichkeit, ist ein solcher Widerspruch tödlich.
Korruptionsgeruch
Hinzu kommt der Korruptionsgeruch. Im Kongress wurde Noem diese Woche von beiden Parteien auf das Vergabeverfahren festgenagelt: Der Wettbewerb sei auf vier Firmen begrenzt worden, zwei große Aufträge gingen an Republikaner-nahe Anbieter – darunter eine Firma, die laut Bundesregister erst eine Woche vor dem Zuschlag gegründet worden war.
Der Demokrat Joe Neguse nannte das in der Anhörung geradeheraus „Betrug“ und kündigte „Rechenschaftspflicht” an. Trump sah: Aus „Grenz-Härte“ wird ein Vergabe-Skandal, der sich nicht mit mehr übertönen lässt.
Der zweite Stachel: Noems Nähe zu Corey Lewandowski, Trumps altem Kampagnen-Spezi – offiziell im DHS „Sonderbeamter” genannt. Mit ihm, beide verheiratet, soll Noem seit langer Zeit eine Affäre pflegen. Sie selbst streitet alles ab, spricht von “Boulevard-Zeitungsmüll”. Politisch relevanter als die Klatschdimension ist der Machtvorwurf: Nach Recherchen von ProPublica/Government Executive widersprachen interne DHS-Unterlagen Noems Aussage, Lewandowski habe „keine Rolle“ bei Vertragsfreigaben. Demnach habe er persönlich einen millionenschweren Vertrag abgesegnet und sei wiederholt als Mittelsmann aufgetreten.
Luxus-Jets
Und dann ist da noch das Symbolthema, das in Washington immer funktioniert: Verschwendung. Demokraten im Heimatschutz-Ausschuss warfen Noem schon länger vor, fast 200 Millionen Dollar für „mehrere Luxus-Jets” zu verplanen. Zuletzt befeuerte ein Bericht über eine Boeing-737-mit Luxusausstattung und eigenem Schlafgemach.
Kurz: Noem wurde nicht wegen eines einzelnen Fehltritts abgeräumt, auch nicht wegen ihrer unrühmlichen Rolle bei den tödlichen Einsätzen der ihr unterstehenden Einwanderungspolizei ICE in Minneapolis, sondern weil sich ein Muster verfestigte: zu viel Ego-Show, zu viele Angriffsflächen, zu wenig Disziplin. Für Trump, der innenpolitisch ohnehin unter Druck steht, war das DHS plötzlich nicht mehr Schwert, sondern Ballast. Mullin ist die Nachricht. Noems Abgang ist die Botschaft: Wer im Trump-System Ärger produziert, fliegt – notfalls im Luxusjet.
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