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Die katholische Soziallehre in Zeiten der Künstlichen Intelligenz

Leo XIV. widmet sich in seinem ersten Rundschreiben der Digitalisierung.
Pope Leo XIV signs "Magnifica humanitas" at the Vatican

Die titelgebenden (lateinischen) Anfangsworte päpstlicher Dokumente sind stets so gewählt, dass sie die Stoßrichtung des gesamten Schreibens erkennen lassen: „Magnifica humanitas“ („Großartige Menschheit“) ist die mit Spannung erwartete erste Enzyklika von Papst Leo XIV. überschrieben – und es geht ihr eben vor allem darum: das Humanum, das Menschliche in seinem vollen, „großartigen“ Sinne in Zeiten vielfältiger Bedrohungen und Herausforderungen durch die Digitalisierung zu bewahren.

Der in den ersten Berichten meistzitierte Satz war jener von der „Entwaffnung“ der Künstlichen Intelligenz (KI). Dies bedeute, so schreibt der Papst, „sie der Logik des bewaffneten Wettbewerbs zu entziehen, der heute nicht mehr nur militärischer, sondern auch wirtschaftlicher und kognitiver Natur ist“. Dabei positioniert sich Leo keineswegs als Kulturpessimist oder Feind von Technik und Fortschritt. Mehrfach betont er deren Segnungen, verweist aber freilich auch auf mögliche Fehlentwicklungen („zugleich hat jede Phase des Fortschritts auch die Ambivalenz von Werkzeugen offenbart, die in der Lage sind, Schaden anzurichten, wenn sie nicht auf das Gute ausgerichtet sind“). Es gehe um die Unterscheidung „zwischen einem Fortschritt, der den Menschen und den Völkern dient, oder einem Fortschritt, der sie einer Logik der Macht unterwirft“.

Von der industriellen zur digitalen Revolution

Man muss „Magnifica humanitas“ im großen Bogen der päpstlichen Sozialenzykliken lesen. Deren erste stammt von Leo XIII. (1878–1903), an den der jetzige Papst mit seiner Namenswahl bewusst angeknüpft hat: Vor genau 135 Jahren, am 15. Mai 1891, erschien „Rerum novarum“ (wörtl. „der neuen Dinge“ – gemeint der menschliche Drang nach Neuerungen): War damals die industrielle Revolution samt ihren Auswirkungen auf Mensch und Gesellschaft das Thema, so ist es für den jetzigen Papst die digitale Revolution mit den verbundenen Disruptionen. Leo XIV. nimmt auch ausdrücklich Bezug auf das Schreiben seines gleichnamigen Vorgängers, wenn er von den „res novae“ (den neuen Dingen) unserer Zeit schreibt: „Digitalisierung, Künstliche Intelligenz (KI) und Robotik“.

Zwei Bilder stellt der Pontifex einander gegenüber, beide dem Alten Testament entlehnt: den Turmbau zu Babel (Gen 11) – Symbol menschlicher Hybris, die letztendlich ins Unglück führt – und den Wiederaufbau Jerusalems (Neh 2 ff.), einer „Stadt, in der Gott und die Menschheit gemeinsam wohnen“. Ersteres beschreibt die ständige Versuchung des Menschen, Letzteres ist die Vision, für die Papst Leo plädiert.

Unumstößlich bleibt für den Autor bei allem – im Sinne des Titels der Enzyklika – freilich die Gewissheit, dass künstliche und menschliche Intelligenz nicht gleichzusetzen sind. Denn KI-Systeme „machen keine Erfahrungen, besitzen keinen Leib, empfinden weder Freude noch Schmerz, reifen nicht in Beziehungen, wissen nicht von ihrem Inneren her, was Liebe, Arbeit, Freundschaft und Verantwortung bedeutet“.

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