Trump gibt Nominierung bekannt: Kevin Warsh soll neuer Fed-Chef werden
Bereits ab Donnerstagabend hatten sich die Hinweise verdichtet. Offiziell standen zwar noch vier Namen auf der Kandidatenliste von US-Präsident Donald Trump für die Nachfolge von Fed-Chef Jerome Powell – doch ein Favorit zeichnete sich immer deutlicher ab.
An der Spitze der US-Notenbank könnte bald jemand stehen, der „schon vor ein paar Jahren“ bei der Fed gearbeitet habe, flüsterte Trump Reportern ein. Kurz zuvor hatte er Kevin Warsh im Weißen Haus empfangen. Als Trump nach dem Treffen – laut Insidern soll er sehr beeindruckt gewesen sein – dann ankündigte, den neuen Notenbankchef nicht erst kommende Woche, sondern bereits am Freitag nominieren zu wollen, galt die Sache bereits vor der offiziellen Verkündung als so gut wie entschieden: Kevin Warsh soll neuer Vorsitzender der Federal Reserve, der weltgrößten Zentralbank, werden.
Steile Karriere
Der 55-Jährige hat sich lange auf diesen Job vorbereitet. Geboren in Albany im US-Bundesstaat New York, erwarb er Studienabschlüsse an den Eliteuniversitäten Stanford und Harvard. 1995 begann er seine Karriere als Investmentbanker bei Morgan Stanley, bevor ihn George W. Bush als Wirtschaftsberater abwarb.
Der republikanische Präsident war es auch, der Warsh schon vor 20 Jahren zur Fed brachte: Von 2006 bis 2011 gehörte Warsh bereits dem Board der US-Notenbank an. Als die Welt 2008 in die Finanzkrise schlitterte, profilierte er sich – obwohl er mit 35 Jahren die jüngste Person war, die je in das Gremium berufen wurde – als wichtiger Vermittler zwischen Zentralbank und Wall Street. Als engagiert, ausgeglichen und als jemanden, der „auch in chaotischen Momenten stets gelassen bleibt“, beschreibt ihn der frühere Goldman-Sachs-CEO Lloyd Blankfein in der Financial Times.
In republikanischen Kreisen gilt Warsh als bestens vernetzt. Verheiratet ist er mit Jane Lauder, Erbin des Kosmetikkonzerns Estée Lauder. Ihr Vater Ronald Lauder ist ein Freund Trumps und Großspender der Grand Old Party; 1986 wurde er unter Reagan US-Botschafter in Österreich.
Bereits in seiner ersten Amtszeit hatte Trump Warsh als Vorsitzenden der Federal Reserve in Betracht gezogen, sich dann jedoch für Powell entschieden. Warsh soll ihm damals zu jung gewesen sein. Nach seinem Wahlsieg 2024 soll Trump ihn auch als Finanzminister erwogen haben, bevor die Wahl letztlich auf Scott Bessent fiel. Am Freitag postete Trump auf Truth Social, er habe keine Zweifel, dass Warsh als einer der größten Fed-Vorsitzenden in die Geschichte eingehen werde, „vielleicht sogar als der beste“.
Trump pocht auf niedrige Leitzinsen
Nach seiner Nicht-Wahl 2017 gab Warsh seine Ambitionen nicht auf – und blieb politisch am Ball: Er kritisierte Powell öffentlich (der Präsident habe das Recht, „von Powell und der Federal Reserve frustriert zu sein“, sagte er im Sommer zu Fox News), pflegte Kontakte in Trumps Umfeld und unterstützte dessen wirtschaftspolitische Vorhaben – etwa die Zollpolitik, obwohl Warsh einst als Verfechter des Freihandels galt. Oder Trumps Forderungen nach Zinssenkungen. In seiner früheren Fed-Zeit war Warsh noch für eine restriktive Geldpolitik eingetreten.
Warsh sei auf „Trump-Linie“, analysiert Chefvolkswirt Alexander Krüger von der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank am Freitag. Auch NordLB-Experte Tobias Basse geht davon aus, dass Warsh als Fed-Chef auf eine zügige Senkung der Leitzinsen drängen wird – sollte er durch den US-Senat bestätigt werden.
Im Senat droht Wiederstand
Denn Warshs neuer Job ist noch nicht in trockenen Tüchern. Zwar hat der US-Präsident das Vorschlagsrecht für einen neuen Notenbankchef. Die Personalie muss jedoch vom Senat abgesegnet werden – und hier regt sich Widerstand. So hat Thom Tillis, einflussreicher republikanischer Senator von North Carolina, bereits angekündigt, alle Fed-Nominierungen zu blockieren, bis die Ermittlungen gegen Noch-Chef Powell (seine Amtszeit endet im Mai) eingestellt sind.
Dieser ist wegen der Renovierungskosten des Fed-Gebäudes ins Visier der US-Justiz geraten. Er selbst bezeichnete die Ermittlungen als Vorwand, ihn zinspolitisch unter Druck zu setzen. So hat sich Powell stets gegen den massiven Druck Trumps gewehrt, den Dollar-Leitzins zu senken – woraufhin der Republikaner eine beispiellose Kampagne gegen die eigene Notenbank losgetreten hat.
Kommentare