Neuer Fed-Chef: Wer ist Trumps Favorit für die Spitze der US-Notenbank?
Seit Donnerstagabend verdichteten sich die Hinweise: Offiziell standen zwar noch vier Namen auf der Kandidatenliste von US-Präsident Donald Trump für die Nachfolge von Fed-Chef Jerome Powell. Doch wohin die Entscheidung gehen würde, ließ Trump immer deutlicher erkennen.
An der Spitze der US-Notenbank könne bald jemand stehen, der „schon vor ein paar Jahren“ bei der Fed gearbeitet habe, sagte Trump zu Reportern. Kurz davor hatte er Kevin Warsh im Weißen Haus empfangen. Der Ökonom habe den Präsidenten Insidern zufolge beeindruckt. Als Trump nach dem Treffen am Abend dann ankündigte, den neuen Notenbankchef nicht erst kommende Woche, sondern bereits heute nominieren zu wollen, galt die Sache als ausgemacht: Kevin Warsh soll neuer Vorsitzender der Federal Reserve werden. Doch wer ist der Mann?
Kevin Warsh war schon einmal im Rennen
Beinahe wäre er es schon einmal geworden: Bereits in seiner ersten Amtszeit hatte Trump Warsh als Chef der US-Notenbank Federal Reserve in Betracht gezogen, sich letztlich aber für Powell entschieden. Trump hat diese Wahl später öffentlich bereut.
Powell ist heute ein erklärtes Feindbild Trumps und Ziel regelmäßiger verbaler Attacken des Republikaners. "Kevin, ich hätte dich hier gut gebrauchen können. Warum warst du nicht energischer, als du diesen Job wolltest?“, sagte der Präsident 2020 bei einer Veranstaltung; Warsh saß im Publikum. „Ich wäre sehr zufrieden mit dir gewesen.“
Für Warsh wäre es eine Rückkehr an seine frühere Wirkungsstätte. Der 55-Jährige gehörte von 2006 bis 2011 dem Direktorium der US-Notenbank an, berufen von Präsident George W. Bush. Während der Finanzkrise 2008 galt er als US-Notenbank-Direktor als wichtigster Verbindungsmann des damaligen Fed-Vorsitzenden Ben Bernanke zur Wall Street und trat für eine restriktive Geldpolitik ein.
Inzwischen hat er seine Position verschoben: Jüngst bezeichnete er Trumps Forderung nach deutlichen Zinssenkungen als berechtigt. Zugleich kritisiert Warsh die Fed dafür, das inflationsdämpfende Potenzial eines durch Künstliche Intelligenz beschleunigten Produktivitätswachstums zu unterschätzen. Für Trumps Zollpolitik fand er lobende Wote. Außerdem arbeitet der bestens vernetzte Ökonom mit dem Milliardär Stanley Druckenmiller zusammen, der enge Kontakte zu Finanzminister Scott Bessent pflegt – jenem Mann, der den Auswahlprozess für den nächsten Fed-Chef leitete. Zuletzt war Warsh an der Eliteuniversität Stanford tätig.
Trump pocht auf niedrige Leitzinsen
Trump will eine US-Notenbank, die nach seiner Pfeife tanzt und seiner Forderung auf eine rasche Senkung der US-Leitzinsen nachkommt. Powell, den Trump als unfähig kritisiert, und die Fed zeigten sich bislang zurückhaltend – aus Sorge, die Inflation erneut anzuheizen. Am Mittwoch hat die Fed nach drei Zinssenkungen im Jahr 2025 eine Zinspause eingelegt und den Leitzins in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent belassen. Trump fordert einen um zwei bis drei Prozentpunkte niedrigeren Zinssatz.
"Ob Warsh tatsächlich den Wünschen von Donald Trump nach niedrigeren Zinsen folgt, bleibt abzuwarten“, meint Chefökonom Thomas Gitzel von der VP Bank gegenüber Reuters. Warsh verstehe aber, dass die Fed und deren guter Ruf essenziell für das Wohlergehen der USA seien. Zugleich verweist Gitzel darauf, dass Warsh ein weiteres Abschmelzen der Notenbankbilanz befürwortet: „In der Praxis ergibt sich daraus aber ein Zielkonflikt. Ein weiterer Abbau der Wertpapierbestände der Fed wäre mit einem Liquiditätsentzug verbunden, der an den Geldmärkten zu erheblichen Verspannungen führen könnte, was sich in höheren kurzfristigen Zinsen niederschlagen würde.“
Im Senat droht Wiederstand
Trump hat als US-Präsident das Vorschlagsrecht für einen neuen Notenbankchef. Allerdings muss die Personalie zuerst im Finanzausschuss des Senats geprüft und dann im Plenum abgesegnet werden - und hier regt sich Wiederstand. So hat etwa bereits Thom Tillis, einflussreicher republikanischer Senator North Carolinas und Mitglied des Bankenausschusses, bereits angekündigt, alle Fed-Nominierungen zu blockieren, bis die Ermittlungen gegen Powell vom Tisch sind.
Hintergrund sind strafrechtliche Untersuchungen des US-Justizministeriums gegen den (noch) amtierenden Fed-Chef. Powell soll im Zusammenhang mit der Sanierung von Gebäuden der Zentralbank in Washington vor dem Senat Falschaussagen gemacht haben. Er bestreitet die Vorwürfe; Kritiker sehen in dem Vorgehen der Trump-Administration den Versuch, politischen Druck auf die eigentlich unabhängige Notenbank auszuüben. Powells Amtszeit endet im Mai.
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