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Politik Ausland
08/08/2019

Kaschmir-Krise spitzt sich zu: Pakistan stellt Zugverbindung nach Indien ein

Pakistan hat seine einzige Zugverbindung nach Indien vorübergehend eingestellt. Aktivisten melden Festsetzung Hunderter Menschen.

Inmitten des zugespitzten Streits um die Himalaya-Region Kaschmir hat Indien den Nachbarn Pakistan aufgerufen, die Ausweisung des indischen Botschafters zu überdenken. Die normalen Kanäle zur diplomatischen Kommunikation sollten erhalten bleiben, teilte das Außenministerium in Neu-Delhi am Donnerstag mit. Pakistan hatte zuvor angekündigt, den indischen Botschafter aus Islamabad auszuweisen.

Zudem soll Pakistans neu ernannter Botschafter für Indien nicht nach Neu-Delhi entsandt werden. Auch der Handel mit dem Erzrivalen soll ausgesetzt werden. Hintergrund der Krise ist die umstrittene Entscheidung der indischen Regierung, der Region Jammu und Kaschmir den Sonderstatus zu entziehen. Damit will Neu Delhi die mehrheitlich von Muslimen bewohnte Region stärker in das mehrheitlich hinduistische Indien integrieren. Viele Kaschmirer sind dagegen. Der Schritt sorgte auch für eine neue Krise mit dem Nachbarn Pakistan.

Bisher hatte der indische Bundesstaat Jammu und Kaschmir, zu dem auch die Provinz Jammu gehört, das Recht, eigene Gesetze zu beschließen. Diese in der Verfassung festgeschriebene Bestimmung wurde nun aufgehoben. Nach Darstellung Indiens wurde durch den Sonderstatus die Entwicklung Kaschmirs behindert. Die Region, in der mehrheitlich Muslime leben, soll nun in das überwiegend hinduistische Land integriert werden. Pakistan, das muslimisch geprägt ist, wertet diesen Vorstoß als illegal. Auch China, das ebenfalls einen Teil von Kaschmir beansprucht, hat dagegen protestiert.

Pakistan hat Zugverbindung nach Indien vorübergehend eingestellt

Pakistan hat mittlerweile seine einzige Zugverbindung nach Indien vorübergehend eingestellt. Das teilte der Eisenbahnminister, Sheikh Rashid Ahmed, bei einer Pressekonferenz in Islamabad mit.

Der Samjhauta-Express, auch "Friedenszug" genannt, fährt üblicherweise zwei Mal in der Woche von der östlichen Stadt Lahore über den Wagah-Grenzübergang nach Neu Delhi. Die Einstellung sei ein Protest gegen die Änderung des Status der Region Kaschmir durch die indische Regierung, sagte Rashid.

Am Donnerstag sagte der pakistanische Außenminister Shah Mehmood Qureshi, der geplante Kartarpur-Grenzkorridor sei von den Maßnahmen nicht betroffen. Dieser soll indischen Anhängern des Sikh-Glaubens den Besuch eines ihrer heiligsten Schreine im pakistanischen Kartarpur Sahib erleichtern. Eine Eröffnung ist für Herbst geplant.

Aktivisten melden Festsetzung Hunderter Menschen

Um Proteste in Kaschmir zu unterdrücken, wurden nach Angaben der indischen Polizei mindestens 300 Politiker und Separatisten festgenommen. Viele von ihnen arbeiten auf eine Loslösung Kaschmirs von Indien hin. Seit Sonntag sind in der Region Mobilfunknetze, Fernsehen und Internet unterbrochen. Öffentliche Versammlungen wurden untersagt. In der größten Stadt Srinagar wurden Tausende Angehörige der paramilitärischen Polizei konzentriert. Dort sind die Schulen geschlossen, Straßen und Viertel wurden abgeriegelt. Aus Polizeikreisen verlautete, es habe bereits einige Protestkundgebungen gegeben.

Inzwischen würden mindestens 400 Menschen in Hotels, Gästehäusern, Regierungsgebäuden und Privathäusern festgehalten, schrieb das Nachrichtenportal India Today am Donnerstag unter Berufung auf Aktivisten. Die Polizei bestätigte der Deutschen Presse-Agentur, dass politische Führer unter Hausarrest genommen worden seien, zu der Anzahl gab es keine Angaben.

Konflikt bereits seit mehr als 70 Jahre

Der Konflikt um Kaschmir dauert bereits mehr als 70 Jahre. Seitdem Britisch-Indien im Jahr 1947 unabhängig und in Indien und Pakistan geteilt wurde, streiten die beiden Länder um die gesamte Herrschaft über die Region und führten Kriege. Beide Atommächte beherrschen jeweils einen Teil von Kaschmir, ein weiterer Teil gehört zu China.

Die bisherige Autonomieregelung sicherte der indischen Kaschmir-Region unter anderem eine eigene Verfassung und Flagge sowie weitgehende Kompetenzen zu - mit Ausnahme der Außen- und Verteidigungspolitik sowie der Telekommunikation.