EU-Chefdiplomatin: Iran-Krieg kann Putin in die Hände spielen

Steigt der Ölpreis, würde das weitere Einnahmen in die russische Staatskassen spülen, warnt EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas.
BELGIUM-EU-DIPLOMACY

Zusammenfassung

  • Der Anstieg der Energiepreise durch den Iran-Krieg könnte Russland bei der Kriegsfinanzierung helfen, weshalb ein Verbot maritimer Dienstleistungen für russisches Öl wichtig sei.
  • Verteidigungsfähigkeiten verlagern sich zunehmend in den Nahen Osten, was Auswirkungen auf die Unterstützung der Ukraine hat, da beide Regionen Luftverteidigung benötigen.
  • Iran exportiert den Krieg und setzt ähnliche Drohnen wie in der Ukraine ein, wodurch die Ukraine ihre Expertise im Schutz und in der Abwehr mit Golf-Staaten teilen könnte.

Der Anstieg der Energiepreise infolge des Iran-Kriegs droht nach Einschätzung der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in die Hände zu spielen.

"Wenn der Ölpreis steigt, nützt das Russland bei der Finanzierung seines Krieges", sagte Kallas in Brüssel mit Blick auf Russlands Invasion in die Ukraine. Wichtig sei deswegen, dass ein geplantes Verbot maritimer Dienstleistungen für Schiffe umgesetzt werde, die russisches Öl befördern. Dieser Schritt könne Russlands Öleinnahmen wirksam beschneiden.

Kallas äußert sich zudem auch wegen anderer Nebenwirkungen des Iran-Krieges besorgt. Es gebe deutliche Auswirkungen, weil Verteidigungsfähigkeiten, die in der Ukraine benötigt würden, sich nun in Richtung Naher Osten verlagerten, erklärte sie. Man sehe etwa, dass jeder Luftverteidigung brauche. 

"Die Ukraine braucht sie, und auch die Länder im Nahen Osten brauchen sie.“ Kallas äußerte sich am Rande einer Videokonferenz mit Außenministern aus EU-Staaten und Kollegen aus Golf-Staaten. Bei ihr sollte es vor allem um eine enge Koordinierung bei der Krisenbewältigung gehen.

Die gleichen Drohnen greifen Kiew an 

"Der Iran exportiert den Krieg und versucht, ihn auf so viele Länder wie möglich auszuweiten, um Chaos zu säen“, sagte Kallas. Sie verwies dabei darauf, dass auch die Ukraine den Golfstaaten Unterstützung leisten könnte. Bei den aktuellen Angriffen im Nahen Osten sehe man die gleichen Drohnen, die täglich Kiew attackierten, sagte sie. 

Die Ukraine könne deswegen theoretisch ihre vorhandene Expertise bei Schutz- und Abwehrmaßnahmen mit den Golf-Staaten teilen. Zu den Aussichten auf einen möglichen demokratischen Übergang im Iran durch den Krieg äußerte sich Kallas verhalten optimistisch. Es gebe sicherlich Risiken wegen möglicher Bürgerkriege innerhalb des Irans, sagte sie. Das Regime sei aber erheblich geschwächt worden. Dies eröffne auch Chancen für das iranische Volk, tatsächlich selbst über seine eigene Zukunft zu entscheiden.

Kommentare