© EPA/SEBASTIAN MARISCAL

Politik Ausland
05/08/2020

"Junk-Food" für arme Kinder: Aufregung über Gratisessen in Madrid

Spaniens Schulkantinen sind zu, bedürftige Kinder erhalten weiter Essen. Doch was auf dem Speisezettel steht, macht die Kleinen krank und dick.

Für Zigtausende spanische Kinder aus sozial schwachen Familien ist die tägliche warme Mahlzeit eine Selbstverständlichkeit, weil sie in den Schulkantinen Mittagessen bekommen. Doch seit Mitte März sind in Spanien wegen der Coronakrise die Schulen und Kindergärten geschlossen und sie werden bis zum Herbst auch nicht mehr öffnen.

Wie viele andere spanische Regionen versprach auch die Madrider Regionalregierung den sozial benachteiligten Familien Unterstützung und tägliche Gratisessen für die Kleinen. Alleine in Madrid sind 11.500 Kinder im Alter zwischen 6 und 13 Jahren auf diese Essensspenden angewiesen, um ein Mal pro Tag etwas Warmes essen zu können.

Die Eltern sind dankbar. Dennoch wollten viele ihren Augen nicht trauen, als sie den Speiseplan für die kommenden Wochen zugeschickt bekamen: Pizza, Hamburger, Sandwiches, Pommes, Tiefkühl-Kroketten. Dazu gab es wahlweise Limonade oder Cola - und das ausgerechnet in Spanien, das so stolz ist auf seine gesunde Küche.

Die Kinder waren begeistert, die Eltern dagegen entsetzt. Was ist passiert?

Bei der Ausschreibung für die Produktion und Verteilung der Menüs hatten die drei spanischen Fastfood-Ketten Telepizza, Viena Capellanes und der Sandwich-Hersteller Rodilla die günstigsten Angebote gemacht und den Zuschlag der Regionalregierung erhalten. "Die verteilten Fertigprodukte verfügen über viel Salz, Zucker und Fette und über so gut wie keine Mineralien oder Vitamine, die vor allem Kinder in diesem Alter dringend brauchen", warnte die spanische Ernährungsexpertin Laura Zurita schon von Anfang an.

Sechs Kilo mehr auf der Waage

Tatsächlich blieben die Folgen nicht aus. Erste Studien zeigen, dass einige der betroffenen Kinder durch die ungesunde Speisekarte und den Bewegungsmangel in der sechs Wochen langen totalen Ausgangssperre bereits bis zu sechs Kilo zugelegt haben.

Als nun auch noch bekannt wurde, dass ein spanischer Bananenproduzent von den Kanaren drei Mal wöchentlich 12.000 Bananen kostenlos für die Kinder zur Verfügung stellte, um das Menü gehaltvoller zu machen, diese aber nicht aus den Madrider Lagerhallen abgeholt und mit ins Essenspäckchen gelegt wurde, war der Aufschrei riesig.

Die linke Opposition in Madrid machte das Thema zum Politikum. Sogar das spanische Gesundheitsministerium bat die Madrider Regionalregierung, den Speiseplan für die Kinder zu ändern.

Am Donnerstag wurde der Druck nun so groß, dass Madrids Regionalpräsidentin Isabel Diaz Ayuso zurückruderte. Sie kündigte an, die Verträge mit den drei Fastfood-Herstellern nicht zu verlängern: Ab dem 18. Mai würden die betroffenen Kinder gesündere Menüs erhalten.

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