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Politik Ausland
08/09/2019

Jemen: Der saudische Prinz steht vor der Niederlage

Mit dem Abzug seiner Verbündeten dürfte MBS den Jemenkrieg verlieren. Auch in der Region sieht es schlecht für ihn aus.

von Armin Arbeiter

Für den saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman (MBS) war die Strategie im Jahr 2015 klar: absolute Luftüberlegenheit, militärische Unterstützung von neun Ländern, logistische Unterstützung von den USA und Frankreich – wie könnten die Houthi-Rebellen im Jemen dieser Streitmacht Widerstand leisten? Mit massiven Luftbombardements und Bodenoffensiven wollte MBS die aufrührerischen Milizen zerreiben.

Die internationale Empörung über die Luftschläge schien ihn wenig zu berühren, ebenso die mehr als 70.000 Kriegstoten. Doch die Houthis – die ebenfalls entsetzliche Kriegsverbrechen begingen – hielten Stand. Der Krieg dauert bereits viereinhalb Jahre.

US-Militärexperten analysieren, dass sich der Konflikt militärisch nicht lösen lässt. Seit Monaten herrscht eine Pattsituation. Und die Verbündeten Saudi-Arabiens werden müde: 5.000 Soldaten setzten die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) im Jemen-Krieg ein. Seit Monaten treten diese Truppen still und leise ihren Rückzug an. Die VAE haben ihre Ziele erreicht, konnten die Houthis von der strategisch wichtigen Meerenge Bab al-Mandab, wo täglich große Mengen an Öl und Gas transportiert werden, vertreiben. Die Rebellen können nicht mehr mit der Schließung der Meerenge drohen.

Der Abzug dürfte in Teheran für Freude sorgen. Denn der Iran gilt als Schutzmacht der Houthis und als Erzfeind der Saudis, deren Streitkräfte alleine zu schwach sind, die schiitischen Rebellen zu schlagen. Somit dürfte Riad weiterhin eine offene Flanke haben, denn das Einzugsgebiet der Houthis liegt an der südwestlichen Grenze Saudi-Arabiens. Immer wieder feuern sie Raketen auf saudische Städte, Angriffe über der Grenze haben bis jetzt mindestens 500 tote Zivilisten gefordert. Die größte Angst des Königreichs war es, eine zweite Hisbollah im Hinterhof zu haben – dieser Albtraum wird immer realer.

Gesichtsverlust

Der Rückzug der VAE bedeutet für Salman einen weiteren Gesichtsverlust nach dem Mord an dem Journalisten Jamal Kashoggi im Herbst vergangenen Jahres. Auch auf anderen außenpolitischen Baustellen läuft es für MBS derzeit nicht gut in seinem Kräftemessen mit dem Iran: Im Libanon gewinnt die vom Iran unterstützte Hisbollah an Stärke, ist Teil der neuen Regierung.

Mit Geldsummen in Milliardenhöhe hatte Riad sunnitische Rebellen in Syrien unterstützt – vergebens. Mithilfe russischer Bombardements und schiitischer Milizen gelang es dem syrischen Machthaber Bashar al-Assad, die Oberhand zu behalten. Dafür konnte der Iran seinen Einfluss ausbauen – wie auch schon zuvor im Irak.

Als MBS vor zwei Jahren eine Blockade des kleinen (aber superreichen) Emirats Katar befahl, rechnete er mit einem raschen Erfolg. Doch Katar überstand und übersteht das Embargo ohne nennenswerte Probleme.

Trotz seiner engen Bande zu US-Präsident Donald Trump sieht sich das reiche Saudi-Arabien derzeit von vielen Seiten umzingelt. Und das, obwohl MBS es ursprünglich zu einer Großmacht in der Region machen wollte.

Arabischer Frühling
Nach langen Spannungen  zwischen der sunnitischen Regierung und den schiitischen Houthis begehrten Letzterere 2004 auf. Fünf weitere Kriege sollten folgen, ehe Langzeitdiktator Ali Abdullah Saleh im Zuge des „Arabischen Frühlings“ 2012 abdankte.  

Houthi-Offensive
Es entstand ein Machtvakuum, das die Rebellen  für eine Großoffensive nutzten. Im September  2014 nahmen sie die Hauptstadt Sanaa ein, der Übergangspräsident Abed Rabbo Mansur Hadi flüchtete aus dem Land – er ist offiziell nach wie vor Staatschef.  Als die Houthis in Richtung Aden, der zweitgrößten Stadt des Jemen, vorrückten, griff 2015  die saudisch geführte Militärkoalition ein und begann mit massiven Luftschlägen, die international für Empörung sorgten.