Krawalle bei Beerdigung von jungem Palästinenser

Ein Demonstrant wirft einen Stein während einer Protestaktion, bei der Barrikaden brennen.
An der Grenze zwischen Gaza und Israel gab es ein "Feuerduell" mit Raketen und Artillerieeinsatz.

Palästinenser haben sich bei der Trauerfeier für den in Jerusalem getöteten 16-jährigen Jugendlichem am Freitag gewaltsame Auseinandersetzungen mit der Polizei geliefert. Die Leiche wurde in eine Palästinenserflagge gehüllt durch Ost-Jerusalem getragen und der Tote als Märtyrer geehrt. An mehreren Orten warfen Palästinenser Steine auf Polizisten. Diese reagierten mit Tränengas und Blendgranaten.

Die Polizei hat zusätzliche Einsatzkräfte in der Stadt stationiert. Außerdem wurde Männern unter 50 Jahre der Zugang zum Komplex der Al-Aksa-Moschee untersagt. Sie ist das wichtigste Heiligtum der Muslime in der Stadt und oft Ausgangspunkt für gewaltsame Proteste nach den Freitagsgebeten.

Die Familie des Jugendlichen und Palästinenser-Präsident Mahmoud Abbas sehen den Jugendlichen als Opfer eines Rachemordes. Er war nach der Beerdigung dreier jüdischer Schüler verschleppt worden, die im Westjordanland getötet worden waren. Israel macht die radikal-islamische Hamas für diese Tat verantwortlich. Sie hat sich bislang nicht dazu geäußert. Die Täter sind auf der Flucht.

Raketenbeschuss

Eine Gruppe von Muslimen betet auf der Straße, während Polizisten sie bewachen.
Palestinians pray on the first Friday of the holy month of Ramadan as Israeli policemen stand guard in the East Jerusalem neighbourhood of Wadi al-Joz July 4, 2014. Palestinians infuriated at the kidnap and killing of 16-year-old Mohammed Abu Khudair they blame on far-right Jews, clashed with Israeli police in Jerusalem on Friday, while cross-border shelling in the Gaza Strip abated under Egyptian mediation. Ahead of Abu Khudair's funeral, Israeli police deployed extra forces in Jerusalem and barred men under the age of 50 from al Aqsa mosque complex, the city's most sacred Muslim site, forcing hundreds of men to hold prayers outside the gates of the Old City. REUTERS/Baz Ratner (JERUSALEM - Tags: POLITICS CIVIL UNREST RELIGION TPX IMAGES OF THE DAY)
Der Tod der vier Jugendlichen hat Emotionen und Feindseligkeit auf beiden Seiten wieder hochkochen lassen. Es kam zu Ausschreitungen ultra-nationalistischer Israelis gegen Palästinenser. In Jerusalem protestierten Palästinenser mit Steinwürfen gegen Polizisten. Aus dem von der Hamas kontrollierten Gazastreifen wurde der Süden Israels wieder mit Raketen beschossen. Dessen Luftwaffe flog mehrere Angriffe auf Ziele in dem Küstengebiet. Am Freitag schlugen zwei Raketen in Israel ein. Eine weitere wurde nach Militärangaben von einem Abwehrsystem abgefangen.

Die israelische Armee teilte zudem mit, sie habe vier Soldaten festgenommen, die anti-arabische Äußerungen in sozialen Netzwerken verbreitet hätten. Ein Sprecher der Polizei sagte, ihre Einheiten zur Bekämpfung von Internetkriminalität gingen gegen jegliche Aufstachelung zum Rassenhass vor, gleich ob sie von jüdischen oder arabischen Bürgern ausgehe.

"Keine Eskalation"

Israel und militante Palästinenser im Gazastreifen haben ihre Feuergefechte am Freitag fortgesetzt. Israels Artillerie griff den Gazastreifen an, nachdem vier Raketen und zwei Werfergranaten im Süden eingeschlagen waren. Eine Eskalation der Lage oder gar eine größere Militäraktion liegen nach den Worten des israelischen Ministers Yuval Steinitz aber nicht im Interesse des Landes. Das würde möglicherweise die internationalen Verhandlungen mit dem Iran über die Begrenzung seines Atomprogramm gefährden, sagte Steinitz, der als Vertrauter von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu gilt. Israel wolle die Aufmerksamkeit nicht von den Verhandlungen ablenken, denn das iranische Atomprogramm sei für Israel eine existenzielle Bedrohung - mehr als der Terrorismus oder Aufstände.

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