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Politik Ausland

IS bekannte sich zu Attentat auf Sikh-Tempel in Afghanistan

Jihadisten sprechen von "Racheakt" wegen Beleidigung des Propheten Mohammed.

06/19/2022, 06:23 AM

Die Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) hat sich zum tödlichen Angriff auf einen Sikh-Tempel in der afghanischen Hauptstadt Kabul bekannt. Auf dem IS-Propagandakanal Amaq erklĂ€rte die Miliz, der am Samstag durchgefĂŒhrte Angriff sei ein Racheakt an Hindus und Sikhs fĂŒr Beleidigungen des Propheten Mohammed. Bei dem Angriff wurden zwei Menschen getötet.

Die Jihadisten beziehen sich damit vermutlich auf eine Äußerung von Nupur Sharma, Sprecherin der hindu-nationalistischen Partei BJP von Indiens Premierminister Narendra Modi, auf die seit Tagen wĂŒtende Proteste folgen. In einer Fernsehdebatte hatte Sharma sich ĂŒber die Beziehung zwischen dem Propheten Mohammed und seiner jĂŒngsten Frau geĂ€ußert.

Ihre Bemerkungen waren von vielen Muslimen in Indien und in dessen NachbarlĂ€ndern als Beleidigung aufgefasst worden. Fast 20 LĂ€nder zitierten nach den Äußerungen die diplomatischen Vertreter Indiens in ihre Außenministerien.

Auch Taliban getötet

Bei dem Angriff auf den Sikh-Tempel in Kabul waren am Samstag ein Besucher und ein anwesender Taliban-KĂ€mpfer getötet worden, sieben weitere Tempelbesucher wurden verletzt. Nach Angaben eines Sprechers des afghanischen Taliban-Innenministeriums hatten mit Handgranaten und Gewehren bewaffnete MĂ€nner zur Gebetsstunde am Samstagmorgen den Tempel gestĂŒrmt. Taliban-Mitglieder töteten demnach spĂ€ter zwei Angreifer.

Laut dem Sprecher des Innenministeriums, Abdul Nafi Takor, benutzten die Angreifer mindestens eine Handgranate. Bei ihrer Explosion geriet demnach auch ein Teil der Tempelanlage in Brand. Kurz darauf sei in der NĂ€he eine Autobombe detoniert, Menschen seien dadurch aber nicht zu Schaden gekommen, sagte Takor.

Sikhs?

Sikhs sind im vorwiegend muslimischen Afghanistan eine kleine religiöse Minderheit. Heute leben in dem Land nur noch rund 200 AnhĂ€nger dieser Religion. In den 1970er Jahren waren es noch rund eine halbe Million.

Die Religionsgemeinschaft wurde im Laufe der Jahre in Afghanistan wiederholt Opfer von Angriffen. Zuletzt waren im MĂ€rz 2020 bei einem bewaffneten Angriff auf einen anderen Sikh-Tempel der afghanischen Hauptstadt 25 Menschen getötet worden. Viele Sikhs verließen daraufhin das Land. Auch zu der damaligen Tat bekannte sich der IS.

Die radikale sunnitische Miliz steht hinter zahlreichen AnschlĂ€gen und Angriffen auf Sikhs, Hindus und andere religiöse Minderheiten, darunter auch muslimische Schiiten und Sufis.

"Feiger Angriff"

Indiens Außenminister Subrahmanyam Jaishankar hatte den neuerlichen "feigen Angriff" auf einen Sikh-Tempel verurteilt. Vor kurzem hatte eine indische Delegation Kabul besucht, um ĂŒber humanitĂ€re Hilfen fĂŒr Afghanistan zu sprechen.

Seit der MachtĂŒbernahme der islamistischen Taliban im vergangenen August ist die Zahl der BombenanschlĂ€ge im ganzen Land zwar zurĂŒckgegangen. WĂ€hrend des Fastenmonats Ramadan wurde das Land allerdings erneut von einer Serie von AnschlĂ€gen erschĂŒttert, bei denen dutzende Menschen getötet wurden. Zu einigen von ihnen bekannte sich der IS.

Die Miliz ist mit den Taliban verfeindet, obwohl beide Gruppierungen Sunniten sind. Vertreter der Taliban versichern immer wieder, den IS besiegt zu haben. Politischen Experten zufolge stellt die Jihadistenmiliz jedoch nach wie vor ein großes Sicherheitsproblem in dem Land dar.

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