Welche Schäden der Krieg im Iran bisher verursacht hat

Kurz vor dem Ende der Waffenruhe war offen, ob die Friedensgespräche in Islamabad in die zweite Runde gehen. Beide Seiten richteten sich gegenseitig Drohungen aus.
A woman stands next to debris lying in front of a residential building damaged by a strike on March 4, in Tehran

Es war die nächste Ungereimtheit im ohnehin verworrenen Ringen um einen Frieden im Nahen Osten: Wann genau endet die Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran? Bislang wurde eigentlich die Nacht auf Mittwoch als Stichtag gehandelt. Schließlich hatte der US-Präsident den Beginn der Feuerpause nach Mitternacht am 8. April (einem Mittwoch) selbst verkündet.

Kurz vor Fristablauf korrigierte Donald Trump diese Darstellung jedoch gegenüber Bloomberg überraschend: Die Vereinbarung gelte doch bis Mittwochabend Washingtoner Zeit, in Europa also bis tief in die Nacht auf Donnerstag.

Viele Fragen sind offen

Damit verschafft Trump, der Teheran am Dienstag noch wilde Drohungen ausrichtete ("Ich gehe davon aus, dass wir bombardieren werden, da dies die bessere Ausgangsposition ist") sich und seinen Unterhändlern etwas mehr Spielraum. 

Diese sollen sich Berichten zufolge am Dienstag auf den Weg nach Islamabad machen. Ob es dort tatsächlich zu der am Wochenende angekündigten zweiten Friedensrunde kommt, ist allerdings noch offen. Teheran hatte bis zuletzt öffentlich ausgeschlossen, für Verhandlungen in die pakistanische Hauptstadt zu reisen. Laut iranischem Staatsfernsehen hänge eine Teilnahme von der „Änderung des Verhaltens und der Position der Amerikaner“ ab.

Stattdessen zeigte man sich kampfbereit: Das Militär werde sich nicht überraschen lassen, berichtete die Nachrichtenagentur Tasnim. Im Fall neuer Gefechte werde man vom ersten Moment an eine „Hölle“ für Amerikaner und Israelis schaffen.

Zerstörung ist groß

Fest steht jedoch: Für den Iran wären neuerliche Angriffe verheerend. Nach wochenlangen israelischen und US-Bombardements – mehr als 20.000 Munitionskörper sollen vor Beginn der Waffenruhe in allen 31 Provinzen eingesetzt worden sein – ist die Zerstörung im Land bereits immens. Iranische Staatsmedien beziffern die Schäden nach 40 Kriegstagen auf rund 270 Milliarden US-Dollar. Nicht eingerechnet sind dabei wirtschaftliche Verluste durch die US-Blockade der Straße von Hormus.

Im Fokus der Angriffe standen vor allem militärische Einrichtungen im Iran: Stützpunkte, Luftabwehr- und Radarstellungen. Auch Atomanlagen, Forschungseinrichtungen und Waffenfabriken wurden bombardiert. Laut US-Angaben wurde zudem ein Großteil der iranischen Marine zerstört. Dennoch verfügt der Iran nach Einschätzungen von US-Geheimdiensten weiterhin über Tausende ballistische Raketen, die aus unterirdischen Anlagen mobilisiert werden könnten – das Eskalationsrisiko wäre also enorm.

Schwer getroffen wurden zudem zentrale iranische Industriezweige – insbesondere die Petrochemie und die Stahlindustrie, deren Kapazitäten Berichten zufolge zu rund 70 Prozent beeinträchtigt sind. Hinzu kommen massive Schäden an der Energieinfrastruktur. 

Gezielt ins Visier genommen wurde die Hauptstadt Teheran, das Machtzentrum der Mullahs, und andere dicht besiedelte Gebiete. Mehr als 250 iranische Führungspersönlichkeiten wurden laut dem Washingtoner Think Tank CSIS bei Angriffen bis Anfang April getötet. Gleichzeitig wurden auch viele Wohngebiete in Schutt und Asche gelegt. Laut der Menschenrechtsorganisation HRANA sind mindestens 3.636 Menschen ums Leben gekommen, darunter 1.701 Zivilisten und 254 Kinder.

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