Iran dürfte Demonstranten mit Knochenbrüchen und Peitschen foltern

Iran dürfte Demonstranten mit Knochenbrüchen und Peitschen foltern
Ein Rechercheverbund aus NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung hat mit Dutzend Betroffenen im Iran sowie einem nach Deutschland geflüchteten Gefängniswärter gesprochen.

Im Iran werden einem Medienbericht zufolge seit Beginn der Proteste im Herbst 2022 Demonstranten systematisch psychisch und körperlich in Haft gefoltert. Das berichtet der Rechercheverbund aus NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung am Mittwoch und stützt sich dabei auf übereinstimmende Aussagen von mehr als einem Dutzend Betroffenen im Iran sowie Berichte eines nach Deutschland geflüchteten Gefängniswärters.

Die Betroffenen berichten, iranische Sicherheitskräfte hätten sie schon bei Verhören und der Verhaftung mit Knüppeln oder Fäusten geschlagen und sogar teilweise ihre Knochen gebrochen. In Haft habe man sie über Tage und Wochen körperlich und psychisch gefoltert. So hätten sie 24 Stunden mit verbundenen Augen knien müssen. Andere Iraner berichten, sie hätten gesehen, wie Menschen mit Wasserschläuchen ausgepeitscht und mit Elektroschockern gefoltert wurden.

Iran dürfte Demonstranten mit Knochenbrüchen und Peitschen foltern

In den vergangenen Wochen wurden die Proteste im Iran weniger. Im Dezember demonstrierte die iranische Diapsora in Istanbul.

In insgesamt drei Fällen sollen die Betroffenen an Möbelstücken festgebunden und mit Gummiknüppeln oder Elektroschockern sexuell missbraucht worden sein. Die teils massiven Verletzungen seien tagelang nicht behandelt worden. Mehrere Betroffene seien mit der Todesstrafe bedroht worden.

Der ehemalige Gefängniswärter bestätige laut dem Rechercheverbund die gängige Folterpraxis. Über zehn Jahre hätten er und seine Kollegen in verschiedenen Haftanstalten im Iran Gefangene gequält und keine Gnade zeigen sollen.

Auswärtiges Amt bestätigt Vorwürfe

Obwohl Informationen aus dem Iran in der momentanen Situation schwer zu verifizieren sind, habe der Rechercheverbund zahlreiche Angaben durch öffentlich verfügbare Informationen abgleichen und durch externe Dokumente wie medizinische Berichte und Aussagen Dritter zusätzlich belegen können.

Ein dem Rechercheverbund vorliegender vertraulicher Lagebericht des deutschen Auswärtigen Amts (AA) bestätigt "zahlreiche Berichte über durch Folter und psychischen Druck erzwungene Geständnisse". Zudem seien "seelische und körperliche Folter sowie unmenschliche Behandlung bei Verhören und in Haft" bei politischen Häftlingen üblich. Das AA prüfe neben den bestehenden Sanktionen weitere Maßnahmen gegen das iranische Führung.

Seit dem Tod der 22-jährigen Kurdin Mahsa Amini im September und der folgenden Proteste im Iran wurden bereits mehrere Todesurteile vollstreckt und rund 14.000 Menschen festgenommen.

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