Politik | Ausland 14.05.2018

Indonesien: Blutige Anschläge auf Kirchen und Polizeihauptquartier

© Bild: APA/AFP/PEMERINTAH KOTA SURABAYA/ANDY PINARIA

Vier Tote bei Attentat auf Polizeiquartier. Tags zuvor mindetens 13 Tote bei Selbstmordanschlägen auf christliche Kirchen.

Bei einem neuen Selbstmordanschlag in der indonesischen Großstadt Surabaya sind am Montag mindestens vier Menschen getötet worden. Nach den Angriffen auf drei christliche Kirchen am Sonntag war dieses Mal die Polizeizentrale von Indonesiens zweitgrößter Stadt das Ziel. Bei den Toten soll es sich nach Angaben der Polizei um die Attentäter handeln - eine Familie, hieß es weiter.

Zudem wurden mindestens zehn Menschen verletzt, darunter mehrere Polizisten. Nach ersten Erkenntnissen fuhren die vier Täter mit zwei Motorrädern auf die Polizeizentrale zu. Die Bilder einer Überwachungskamera zeigen, wie eines der Motorräder an einer Sicherheitssperre aufgehalten wird. Kurz darauf gibt es eine Explosion. Vermutet wird, dass es sich bei den Tätern um Islamisten handelt.

Auf einem der Motorräder saß nach Angaben der Polizei auch ein achtjähriges Mädchen. Das Kind wurde mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus gebracht.

 

Indonesien ist mit seinen mehr als 260 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste muslimische Land der Welt. In den vergangenen Jahren hatte es dort mehrfach schon Anschläge von Islamisten gegeben. Verschiedene Gruppen haben Verbindungen zur Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Mehr als 85 Prozent der Bevölkerung sind muslimischen Glaubens. Die christliche Minderheit macht etwa zehn Prozent aus.

Bomben explodierten vor Gottesdienst

Bei den Anschlägen auf drei Kirchen waren mindestens 13 Menschen getötet und mehr als 40 verletzt worden. Die Anschlagsserie geht nach Erkenntnissen der Polizei auf das Konto einer einzigen Familie. Dabei soll es sich um ein islamistisches Elternpaar mit vier Kindern halten. Drei der Kinder waren demnach minderjährig - erst neun, zwölf und 16 Jahre alt.

Nach den neuen Anschlägen forderte Indonesiens Präsident Joko Widodo am Montag das Parlament auf, bis Ende nächsten Monats den Weg für eine Verschärfung der Anti-Terror-Gesetze freizumachen. Damit würde der Polizei die Möglichkeit gegeben, Anschläge besser zu verhindern, sagte der Staatschef. Widodo drohte damit, ansonsten eine Notstandsverordnung zu erlassen.

Die Polizei bestätigte am Montag auch den Tod eines weiteren Terrorverdächtigen. Der Mann sei am Sonntagabend in der Stadt Sidoarjo in seiner Wohnung erschossen worden, nachdem es dort eine Explosion gegeben habe. Er habe den Zünder einer Bombe in der Hand gehalten. Bei der Explosion wurden demnach seine Frau und eines seiner Kinder getötet.

 

( Agenturen ) Erstellt am 14.05.2018