Drei mutmaßliche Kreml-Saboteure in Deutschland gefasst
Laut einem Bericht des deutschen Spiegel haben deutsche Ermittler womöglich russische Sabotagepläne durchkreuzt. Die deutsche Bundesanwaltschaft ließ in den vergangenen Tagen drei Männer festnehmen, zwei davon bereits am Wochenende in Konstanz und Köln, einen dritten am Dienstagabend in der Schweiz. Den Beschuldigten wird Agententätigkeit zu Sabotagezwecken vorgeworfen.
Logistik als Ziel
Die Festgenommenen – laut Bundesanwaltschaft ukrainische Staatsangehörige – sollen sich bereit erklärt haben, schwere Brandstiftung und Sprengstoffanschläge zu begehen. Die mutmaßlich im Auftrag russischer Stellen geplanten Taten zielten offenbar auf logistische Einrichtungen ab. Zwei der Männer sitzen in Untersuchungshaft, dem dritten wurde der Haftbefehl eröffnet.
Nach Erkenntnissen der Ermittler verschickten die Beschuldigten laut Spiegel GPS-Tracker in Paketen, die an Adressen in der Ukraine adressiert waren. Die Aktion diente offenbar dazu, Transportwege auszukundschaften. Ein Beschuldigter soll die Ortungsgeräte in der Schweiz beschafft und nach Deutschland gesendet haben, wo sie dann weitergeleitet wurden.
"Chaos in Europa sähen"
Die Ermittlungen befinden sich laut Sicherheitskreisen noch in einem frühen Stadium. Die Behörden werten den Fall dennoch als Indiz für eine zunehmende Destabilisierungskampagne Russlands in Europa. Ein europäischer Geheimdienstchef sprach von Moskaus Ziel, „Chaos in Europa zu säen“. Auch der Chef des britischen Auslandsgeheimdienstes MI6 hatte im Dezember von einer „rücksichtslosen Sabotagekampagne“ gesprochen.
Bereits im Juli 2023 war es auf dem Vorfeld des Flughafens Leipzig zu einem Brand in einem Transportcontainer gekommen. Ausgelöst wurde das Feuer durch ein Paket mit verstecktem Brandsatz, das an einen Empfänger in London adressiert war. Nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden hätte sich das Paket bereits an Bord eines DHL-Frachtflugzeugs befinden sollen. Nur eine Verspätung verhinderte eine mögliche Katastrophe.
Ähnlicher Vorfall in England
Ein ähnlicher Vorfall ereignete sich drei Tage später auf einem DHL-Gelände in England. Beide Pakete, offenbar in Litauen aufgegeben, enthielten elektrische Geräte, Flüssigkeiten und Kabel. Trotz vorheriger Kontrollen waren sie als unbedenklich eingestuft worden. Die Bundesanwaltschaft ermittelt auch in diesen Fällen wegen vorsätzlicher Gefährdung von Logistikunternehmen.
Bereits im Frühjahr 2024 war ein weiterer mutmaßlicher Sabotageversuch vereitelt worden. In Bayreuth wurde der Deutschrusse Dieter S. festgenommen. Laut Ermittlern soll er mit zwei Komplizen mögliche Anschlagsziele ausgekundschaftet haben – darunter den US-Militärstützpunkt Grafenwöhr, ein Rüstungsbetrieb bei Bayreuth und ein Bahnhof in Parsberg.
Die Gruppe soll auch über Methoden zur Sabotage von Bahnstrecken gesprochen haben, darunter den Einsatz eines sogenannten Hemmschuhs zur Zugentgleisung sowie den Einsatz von Spreng- und Brandsätzen. Die Bundesanwaltschaft hat in diesem Fall Anklage vor dem Oberlandesgericht München erhoben. Der Prozess soll am kommenden Dienstag beginnen.
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