Hongkong: Auslieferungsgesetz soll "auslaufen oder sterben"

Hongkong: Auslieferungsgesetz soll "auslaufen oder sterben"
Regierungschefin Lam bleibt bei ihrer Ankündigung. Die Ausschreitungen von Montag werden dennoch ein Nachspiel für die Demonstranten haben.

Am Tag nach der zeitweisen Besetzung des Hongkonger Parlaments hat Regierungschefin Carrie Lam das Verhalten einiger Demonstranten scharf kritisiert. "Ich bin sehr empört und verzweifelt und verurteile es aufs Schärfste", sagte Lam in einer Pressekonferenz am frühen Dienstagmorgen.

Der extreme Einsatz von Gewalt und der Vandalismus durch Demonstranten hätte viele Menschen traurig gemacht und schockiert. Die Regierung werde "das gesetzeswidrige Verhalten bis zum Ende verfolgen", kündigte Lam Konsequenzen an.

Am Montag, dem 22. Jahrestag der Rückgabe Hongkongs an China, hatten Hunderte Menschen das Parlament der Stadt, den Legislativrat, für Stunden besetzt gehalten. Einige Demonstranten besprühten Wände im Gebäude mit Protestparolen und zerstörten Teile der Einrichtung. Die Polizei rückte in der Nacht vor und räumte das Areal. Am Dienstag begangen die Aufräumarbeiten im Regierungsviertel.

Die Proteste waren eskaliert, als zeitgleich Hunderttausende Menschen friedlich auf die Straße gingen, um erneut gegen die Hongkonger Regierung und gegen das umstrittene Gesetz für Auslieferungen an China zu demonstrieren.

Zwei Millionen Menschen gegen das Auslieferungsgesetz

In den vergangenen Wochen erlebte die Stadt wegen eines umstrittenen Gesetzes die größten Proteste seit drei Jahrzehnten. Bis zu zwei Millionen Menschen gingen auf die Straße, um gegen die Politik von Regierungschefin Lam zu protestieren.

Das Auslieferungsgesetz würde es Hongkongs Behörden erlauben, von China beschuldigte Personen an die Volksrepublik auszuliefern. Kritiker warnen, Chinas Justiz sei nicht unabhängig und diene der politischen Verfolgung. Auch drohten Folter und Misshandlungen.

Hongkong: Auslieferungsgesetz soll "auslaufen oder sterben"

Randale in Hongkong

Lam hatte das Auslieferungsgesetz nach dem Aufschrei in der Bevölkerung zwar auf Eis gelegt. Die Demonstranten wollen aber weiter protestieren, bis das Gesetz offiziell zurückgenommen wird und inhaftierte Mitglieder der Protestbewegung freikommen.

Lam: Gesetz werde nicht kommen

Lam wies am Dienstag Anschuldigungen zurück, nicht auf die Forderungen der Demonstranten eingegangen zu sein. Wie schon zuvor wiederholte sie, dass der geplante Gesetzesentwurf bis 2020 ablaufen werde. "Das Gesetz wird auslaufen oder es wird sterben", sagte Lam, die auch Verständnis für den Großteil der Demonstranten zeigte.

Bei den Ausschreitungen am Parlament hatte eine Gruppe von Demonstranten, die Helme, Masken und Schutzbrillen trugen, zunächst Teile eines Zauns und eine Glasfront am Legislativrat zerstört. Auch nutzten sie aufgespannte Regenschirme, um sich vor dem Pfefferspray der Polizei zu schützen. Regenschirme gelten als Symbol der Hongkonger Demokratiebewegung. Die Polizei gab an, dass 13 Einsatzkräfte am Montag verletzt wurden.

Am 1. Juli 1997 hatte Großbritannien seine Kronkolonie Hongkong an China zurückgegeben. Eigentlich stehen den Hongkongern laut Rückgabevertrag bis 2047 mehr Freiheiten zu als den Chinesen in der Volksrepublik. Doch immer mehr Hongkonger fühlen, dass Peking schon jetzt ihre Rechte beschneidet.

China verurteilt Demonstrationen in Hongkong

China hat die regierungskritischen Demonstrationen und Ausschreitungen in Hongkong scharf kritisiert. Die Hongkong-Behörde verurteile das gewaltsame Verhalten mancher Kundgebungsteilnehmer in aller Schärfe, berichteten staatliche Medien am Dienstag. Die Behörde unterstütze die Hongkonger Regierung dabei, die Kriminellen zur Verantwortung zu ziehen.

Die Gewalttaten mancher Individuen seien eine unverhohlene Herausforderung für das besondere Verhältnis von Hongkong zu China. Die ehemalige britische Kronkolonie gehört zwar formal zu China, hat aber eine Reihe von Sonderrechten und Freiheiten. So hat es eine unabhängige Justiz und eine eigene Regionalverwaltung.

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