Politik | Ausland
19.07.2018

Helsinki-Gipfel: Demokraten fordern Anhörung der Übersetzerin

Worüber haben sich Trump und Putin im Vier-Augen-Gespräch unterhalten? Übersetzerin könnte Auskunft geben.

Sie sind unscheinbar, aber bei Gipfeltreffen immer dabei und ob ihres Jobprofils bestens informiert: Übersetzer. Nun steht eine im Rampenlicht der Weltpolitik: Marina Gross, die für Donald Trump beim Gipfeltreffen mit Russlands Präsident Wladimir Putin in Helsinki übersetzt hat. Sie könnte detailliert Auskunft über das - vertrauliche - Gespräch der beiden Staatsmänner geben.

Demokratische US-Abgeordnete fordern nach der heftigen Kritik am Auftritt des US-Präsidenten in Finnland eine Anhörung der Übersetzerin, Gross soll vor dem Kongress zu dem Vier-Augen-Gespräch aussagen. Die Übersetzerin und ihre Aufzeichnungen könnten wichtige Informationen über den Inhalt des Gesprächs liefern, argumentierten verschiedene US-Demokraten am Mittwoch.

Demokraten wollen "erfahren, was passiert ist"

Der Außenpolitiker Robert Menendez kündigte im Sender MSNBC "massive Bemühungen" dazu an, "zu erfahren, was passiert ist". Die Senatorin Jeanne Shaheen erklärte, eine Anhörung der Übersetzerin könne dabei helfen, dass die Abgeordneten und die US-Öffentlichkeit "erfahren, was genau im Namen der USA besprochen und entschieden wurde".

Vier-Augen-Gespräch - mit acht Ohren

Trump und Putin hatten sich bei ihrem Gipfel in Helsinki zwei Stunden lang hinter verschlossenen Türen unterhalten, anwesend waren dabei nur noch die Übersetzer der beiden Staatschefs. Das Weiße Haus dürfte die Forderung nach einer Anhörung der Übersetzerin mit dem Verweis darauf zurückweisen, dass kein Präsident und seine Übersetzer verpflichtet seien, private Gespräche offenzulegen. Regierungssprecherin Sarah Sanders erklärte am Mittwoch, sie habe "keine Kenntnis" von einer möglichen Aufnahme des Gesprächs zwischen Trump und Putin und verwies weitere Fragen dazu an das Außenministerium. Außenamtssprecherin Heather Nauert sagte, bisher gebe es keinen formellen Antrag, die Übersetzerin anzuhören.

Trump wiegelt ab: Alles "Fake News"

Trump versucht unterdessen weiterhin, die massive Kritik an seinen Äußerungen bei dem Gipfel abzuwiegeln. "Ich denke, ich habe das bei der Pressekonferenz großartig gemacht", sagte er in einem am Mittwochabend (Ortszeit) ausgestrahlten Interview des US-Senders CBS. Kritischen Medien warf er vor, ihn diskreditieren zu wollen. "Es sind Fake News", sagte er. "Man macht etwas Gutes und sie versuchen, es so schlecht wie möglich zu machen."

Er würde Putin persönlich für eine russische Einmischung bei der Präsidentschaftswahl 2016 verantwortlich machen, sagte Trump am Mittwoch auf eine entsprechende Frage in einem Interview des TV-Senders CBS. Bei seinen Gesprächen mit Putin habe er sehr deutlich gemacht, dass es solche Einmischungen nicht geben dürfe. Zugleich deutete er aber Zweifel an, ob solche Anmerkungen Einfluss auf Russland haben könnte.