© REUTERS/FLORION GOGA

Politik Ausland
05/09/2020

Haben griechische Grenzsoldaten Flüchtling erschossen? Neue Beweise

Drei Monate nach der Krise an der griechischen Grenze belasten neue Recherchen Athen.

von Konrad Kramar

Internationale Rechercheteams haben nach Informationen des „Spiegel“ den Vorwurf erhärtet, dass griechische Grenzschützer am 4. März an der Grenze zur Türkei einen Migranten erschossen haben. Damals hatten türkische Behörden berichtet, griechische Grenzschützer hätten einen Mann getötet und weitere verletzt.

Athen dementiert

Griechenland dementierte dies am Freitagabend. „Es ist nichts Neues, dass die Türkei Desinformationskampagnen durchführt“, teilte der griechische Regierungssprecher Stelios Petsas in einer schriftlichen Erklärung mit. Es gebe, zwei Monate nach der Krise am Evros-Fluß, keine neuen Informationen. Petsas erinnerte an seine damalige Erklärung: „Es gibt keinen solchen Vorfall mit Schüssen von griechischen Beamten“.

Offene Grenzen


Die Türkei hatte damals die Grenzen zur EU für offen erklärt. Zahlreiche Migranten versucht daraufhin, nach Griechenland zu kommen. Der griechische Grenzschutz stellte sich dem entgegen.

Scharf geschossen


Nun berichtet der „Spiegel“, anders als von Athen dargestellt sei es sehr wahrscheinlich, dass von griechischen Sicherheitskräften scharf geschossen worden sei. Gemeinsame Ermittlungen mit den Rechercheteams Forensic Architecture, Lighthouse Reports und Bellingcat legten nahe, dass der Pakistaner Muhammad Gulzar beim Versuch, den Grenzzaun zu überwinden, von der Kugel eines griechischen Soldaten getroffen wurde.

Augenzeugen  befragt

Die Rechercheure hätten Augenzeugen befragt, offizielle Dokumente wie den Autopsiebericht sowie Fotos ausgewertet. Sie könnten nachweisen, dass Gulzar am 4. März an der Grenze griechischen Soldaten mit Gewehren gegenüberstand. Gulzar sei durch eine Kugel getötet worden, die zu den Schnellfeuergewehren der griechischen Soldaten vor Ort passe. Nach Athener Angaben hatten die Griechen damals Blendgranaten und Tränengas eingesetzt, um die Menschen zurückzudrängen.

"Fake News"

Türkische Berichte über einen toten Migranten und mehrere Verletzte durch Schüsse griechischer Grenzschützer hatten schon im März eine Kontroverse zwischen Athen und Ankara ausgelöst. Athen dementierte bereits damals entschieden. „Wo sie vorher von Verletzten sprachen, reden sie nun von Toten. Die fake news haben kein Ende, es gibt keinen solchen Vorfall mit Schüssen von griechischen Beamten“, sagte der griechische Regierungssprecher Stelios Petsas. Auch Augenzeugen berichteten von Schüssen im griechisch-türkischen Grenzgebiet, es gibt Bilder von Verletzten aus dem Krankenhaus im türkischen Edirne.

Einschuss an der Brust


In einer Mitteilung des Gouverneursamts der türkischen Grenzprovinz Edirne hieß es damals, dass durch Schüsse griechischer Grenzbeamter ein Migrant getötet und fünf weitere verletzt worden seien. Es handele sich bei den Opfern um Männer, zu ihrer Identität gebe es noch keine weiteren Informationen. Der Getötete weise einen Einschuss an der Brust auf.
 

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