Großbritannien: Letzte Lords mit Erbtitel müssen Parlament verlassen
Zusammenfassung
- Das britische Oberhaus hat ein Gesetz verabschiedet, das die letzten erblichen Lords aus dem Parlament ausschließt.
- Die Regelung beendet eine jahrhundertealte Tradition und setzt eine Entscheidung von 1999 endgültig um.
- Künftig werden Lords nur noch auf Lebenszeit ernannt, Erbtitel spielen keine Rolle mehr im House of Lords.
Eine jahrhundertealte Tradition in Großbritannien geht zu Ende: Das Oberhaus in London hat ein Gesetz verabschiedet, das die letzten noch verbliebenen Lords mit Erbtitel aus der zweiten Kammer des britischen Parlaments verbannt. In den kommenden Wochen bis zu der als King's Speech bezeichneten Eröffnung des Parlaments werden alle "Hereditary Peers" aus dem House of Lords ausscheiden, wie die britische Nachrichtenagentur PA berichtete.
Die grundsätzliche Entscheidung zur Abkehr von erblichen Sitzen im Parlament hatte Ex-Premierminister Tony Blair schon 1999 getroffen. Hunderte Lords verloren damals ihr Recht, an der Gesetzgebung mitzuwirken. Doch dank einer Ausnahmeregelung konnten knapp 100 Adlige ihre Plätze auf den mit rotem Leder bespannten Bänken im House of Lords behalten. Damit ist nun ebenfalls Schluss.
Das älteste Mitglied im Haus of Lords ist 100 Jahre alt
Die verbliebenen Mitglieder des Oberhauses sind ebenfalls geadelt, können ihren Titel jedoch nicht an ihre Nachkommen weitergeben. Die "Peerages" werden auf Vorschlag des Premierministers vom König vergeben. Teils sind es ehemalige Unterhausabgeordnete. Üblich ist auch, dass scheidende Premierminister ihre Weggefährten und Mitarbeiter mit der lebenslangen Mitgliedschaft belohnen. Zu "Life Peers" sollen etwa 25 der Lords werden, die bisher aufgrund ihres Geburtsrechts einen Platz innehatten.
Das Oberhaus hat derzeit mehr als 800 Mitglieder, die im Durchschnitt 70 Jahre alt sind. Der älteste Lord, Anthony Martin Grosvenor Christopher, ist 100 Jahre alt.
Oberhaus-Präsident Michael Forsyth würdigte den Beitrag der scheidenden Erbadeligen im Parlament. "Unabhängig davon, welche Ansichten man zu dieser verfassungsrechtlichen Veränderung hat, ist es traurig, sich von Freunden zu verabschieden, die in vielen Fällen erheblich zu Debatten, zur parlamentarischen Kontrolle und zu unserem institutionellen Gedächtnis beigetragen haben", sagte er.
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