Ein Grenzstein (Symbolbild)

© Getty Images/iStockphoto/Otto Malo/IStockphoto.com

Politik Ausland
05/06/2021

Grenzstein versetzt: Warum ein Bauer Belgien größer machte

Auch in Frankreich nimmt man diese Straftat mit Humor: "Wir sollten in der Lage sein, einen neuen Grenzkonflikt zu verhindern".

von Susanne Bobek

Absichtliche Grenzsteinversetzungen haben schon des Öfteren zu Familienkriegen geführt, die sich über die Generationen weitervererben. Nicht umsonst wandern oft ganze Ortschaften unter Führung des Pfarrers alle Grenzsteine ab, damit jede kleinste Veränderung sofort beeinsprucht werden kann.

In Belgien schaffte es ein Bauer in die internationale Berichterstattung. Der gute Mann versetzte einen Grenzstein aus dem Jahr 1819, der die französisch-belgische Grenze in der Ortschaft Erquelinnes markiert. Der Stein war für ihn störend, weil er mit seinem Traktor nicht mehr gut passieren konnte.

Mit seiner illegalen Aktion verschaffte er Belgien einen Landgewinn von 2,29 Metern auf französischem Hoheitsgebiet. Der namentlich nicht genannte Bauer hatte sich laut BBC angeblich nichts dabei gedacht.

Einem Hobbyhistoriker sei diese Grenzverletzung bei einem Spaziergang aufgefallen. Der Bürgermeister von Erquelinnes, David Lavaux, sagte dem französischen Fernsehsender TFI: „Er hat Belgien größer gemacht und Frankreich kleiner. Das ist keine gute Idee.“ Und er scherzte: „Ich war glücklich, meine Stadt war größer.“ Doch seiner Kollegin auf der französischen Seite habe die Aktion halt eher weniger gut gefallen.

Stimmt nicht ganz, denn auch in Bousignies-sur-Roc nahm man die Sache gelassen: „Wir sollten in der Lage sein, einen neuen Grenzkonflikt zu verhindern,“ sagte Bürgermeisterin Aurélie Welonek der Tageszeitung La Voix du Nord.

Der Landwirt muss den Grenzstein jetzt zurückversetzen, sonst droht ihm eine Strafe. Aber „wenn er guten Willen zeigt, werden wir die Sache gütlich aus der Welt schaffen“, sagt der Bürgermeister, der sich über die weltweite Werbung für sein Städtchen freut.

Die BBC hat sich auch erkundigt, was wäre, wenn sich der Landwirt seinen Traktorweg bereits als Wegerecht ersessen hätte: Dann müsste sich das belgische Außenministerium einschalten und eine französisch-belgische Grenzkommission wiederbeleben, die seit den Dreißigerjahren nicht mehr zusammengetreten ist.

Bis zu zwei Jahre Haft

Im österreichischen Strafgesetzbuch kann eine Grenzsteinversetzung (nicht nur auf Landesgrenzen) mit bis zu zwei Jahren Haft geahndet werden.

Der belgische Bauer hätte einen legalen Weg einschlagen müssen, um sich eine bequemere Zufahrt zu verschaffen: Der Ansprechpartner wäre das Vermessungsamt gewesen. Im Satellitenzeitalter gibt es aber moderne Wege, Grenzen zu kontrollieren. Doch der Grenzstein als Markierung ist nicht nur ein uralter Brauch, sondern ein immer noch anerkanntes Mittel.

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