Frauen klagen Recht auf Kampf ein
Üblicherweise engagiert sich die ACLU gegen Polizeigewalt oder Übergriffe auf die Privatsphäre durch die Behörden. Diesmal aber geht Amerikas führende Bürgerrechtsbewegung mit einem ganz anders gearteten Anliegen vor Gericht: Das Recht von Soldatinnen, an Kampfeinsätzen an vorderster Front teilzunehmen.
Mit wenigen Ausnahmen sind Truppeneinheiten, die in Gefechten eingesetzt werden, also etwa Infanteriebataillone, für Frauen gesperrt. Das verletzt nach Ansicht der ACLU die Grundrechte. In der Anklage, die vor einem Bundesgericht im Bundesstaat North Carolina eingebracht wurde, heißt es, Frauen würden auf diese Weise um eine „zentrale Komponente ihrer Staatsbürgerschaft gebracht: Gleichberechtigt der militärischen Verteidigung unserer Nation zu dienen“.
Persönlich geklagt wird übrigens Verteidigungsminister Leon Panetta. Der ließ durch einen Sprecher ausrichten, dass er sich für die Ausweitung der Funktionen für Frauen in der US-Armee eingesetzt habe und das auch weiterhin tun werde. Viele Offiziere aber befürchten, dass gerade in kleinen Kampfeinheiten der Zusammenhalt der Truppe durch weibliche Mitglieder gestört würde. Bei den Marines etwa meint man, die Männer würden durch weibliche Mitkämpfer abgelenkt.
Sanitäter an der Front
Frauen dürfen schon bisher in Kampftruppen ihren Dienst leisten, allerdings nur in Funktionen wie Sanitäter oder Aufklärungsoffizier. An kleinen Kampfeinheiten, wie sie vor allem in den jüngsten Kriegen im Irak und Afghanistan gegen Aufständische und Milizen eingesetzt wurden, dürfen sie allerdings gar nicht teilnehmen.
Zwar gibt es in der Armee längst Methoden, um dieses Verbot zu umgehen und Soldatinnen trotz allem in Kampfeinsätze zu schicken, doch das läuft alles unter der Hand. Damit aber fällt einer der wichtigsten Effekte solcher Fronteinsätze weg: Der rasche
Aufstieg in der Militärhierarchie.
Denn wie in den meisten Armeen macht sich auch bei den US-Streitkräften Kampferfahrung bezahlt. Diese gilt als wichtigster Faktor für Beförderungen. Daher, so das Argument der Bürgerrechtler, hätten Frauen weit größere Mühen, in der US-Armee die Karriereleiter hinaufzusteigen.
In der Praxis allerdings haben vor allem die Kriege im Irak und in Afghanistan das Verbot weitgehend überflüssig gemacht. Schlicht deshalb, weil bei diesen Einsätzen grundsätzlich nicht klar ist, wo Front und Kampfzone eigentlich sind und wie man daher verhindern kann, dass jemand kämpfen muss. Vom Sterben jedenfalls hat das Verbot die US-Soldatinnen nicht abgehalten. 150 von ihnen sind im Irak und in Afghanistan von feindlichen Kämpfern getötet worden.
Kommentare