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Politik Ausland
09/11/2021

Frauen-Demo für Taliban in Kabul: "Wir sind zufrieden"

Dutzende "Talibaninnen" zogen schwarz gekleidet und tief verschleiert mit Bannern durch die Hauptstadt Afghanistans.

Demonstration einmal anders in der afghanischen Hauptstadt Kabul. Am Samstag brachten Dutzende Frauen bei einer Demonstration ihre Unterstützung für die Taliban-Regierung zum Ausdruck. Sie zogen am Samstag über das Gelände einer Universität und versammelten sich dann in einem Hörsaal, wie in Videos zu sehen ist. Auf Bannern, die sie mit sich trugen, stand: "Wir sind mit der islamischen Einstellung und dem Verhalten der Mujaheddin zufrieden." Die Frauen waren praktisch von Kopf bis Fuß schwarz verschleiert.

Der Marsch wurde von Sicherheitskräften der Taliban begleitet. Journalisten waren offiziell eingeladen, über die Demonstration zu berichten. Nach mehreren Protesten diese Woche in Kabul und anderen Städten - gegen Pakistan und indirekt auch gegen die Herrschaft der Taliban - hatte das Innenministerium Demonstrationen verboten und erklärt, Proteste müssten künftig im Voraus angemeldet werden. Journalisten, die von den Protesten berichteten, wurden teils für mehrere Stunden festgenommen und dabei schwer misshandelt.

Viele der Frauen der Demonstration in der Universität waren auf eine Weise verschleiert, wie das in Afghanistan in den vergangenen Jahren nie zu sehen war: Sie trugen bodenlange schwarze Gewänder und auch schwarze, kapuzenähnliche Kopfbedeckungen. Auch ihre Gesichter waren komplett schwarz verhüllt.

Eine derartige Verschleierung sei nicht Teil der Kultur Afghanistans, kommentierte die ehemalige Bürgermeisterin der Stadt Maidan Shahr, Zarifa Ghafari, die Bilder auf Twitter. Man solle den Frauen des Landes nicht die Kultur des Islamischen Staates (IS) aufdrängen.

Frauenrechte unterdrückt

Der Westen pocht auf die Einhaltung der grundlegenden Menschenrechte in Afghanistan - und macht insbesondere die Gewährung von Frauenrechten zur Voraussetzung für eine Fortsetzung wirtschaftlicher Hilfen für Afghanistan. Während ihrer Schreckensherrschaft von 1996 bis 2001 hatten die Taliban Frauen massiv unterdrückt.

Die neue Taliban-Führung hat eine weniger strikte Auslegung des islamischen Rechts zugesagt. Laut einem Dekret sollen Frauen "im Einklang mit den Prinzipien des Islam" arbeiten dürfen. Was dies genau bedeutet, bleibt jedoch unklar. Es wurden bereits Klagen von Frauen in Afghanistan laut, dass ihnen für ihre Arbeit einfach kein Lohn mehr ausgezahlt werde.

Anspruch auf eine Hochschulbildung sollen Frauen ebenfalls haben. Allerdings soll die universitäre Lehre nach Geschlechtern getrennt erfolgen. Zudem müssen Frauen an der Uni eine Abaya, ein islamisches Überkleid, tragen und ihr Gesicht mit einem Nikab verschleiern. Auch das Treiben von Sport ist Frauen weitgehend verboten.

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