epa03643895 French President Francois Hollande gives an interview to France2's journalist David Pujadas (unseen), in Paris, France, 28 March 2013. In a survey released ahead of the 45-minute interview, support for French leader Francois Hollande has dropped to a new low, with 51 per cent of respondents in a poll published on 28 March saying he is a 'bad president'. EPA/FRED DUFOUR / POOL MAXPPP OUT

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Fernsehauftritt
03/29/2013

Hollande: "Ich liebe alle Franzosen"

Frankreich hatte viel erwartet, Hollandes Fernsehauftritt blieb aber stark unter den Erwartungen zurück.

Mehr als eine Stunde lang hat sich der französische Präsident Francois Hollande in einem Fernsehauftritt darum bemüht, sein angeschlagenes Image aufzupolieren. Die französischen Medien hat er mit seiner Leistung am Donnerstagbend aber nicht überzeugt. Als "oft fade und beinahe banal" bezeichnete die linksliberale Tageszeitung Liberation am Freitag das lange Interview des Präsidenten, während die kommunistische Humanite der Ansicht ist, dass Hollande "taub gegenüber der getarnten Rage ist, die das Land durchzieht".

Das konservative Blatt Le Figaro brachte Hollandes TV-Auftritt so auf den Punkt: "Der Staatspräsident hat nicht ein Wort lauter als das andere gesprochen, und er hat im Wesentlichen erklärt, dass eine Politik, die nicht funktioniert, vielleicht eines Tages funktionieren kann."

Festhalten an Reichensteuer und Homo-Ehe

Abgesehen von der Ankündigung, dass die sogenannte Reichensteuer von 75 Prozent auf Jahreseinkommen von mehr als einer Million Euro von den physischen Personen auf die Unternehmen abgewälzt werden soll, beschränkte sich der sozialistische Politiker in der Tat darauf, bereits bekannte Punkte seines Wahlkampfprogramms erneut aufzurollen. In Bezug auf die steigende Beschäftigungslosigkeit im Lande und die wirtschaftliche Lage sagte Hollande: "Als ich zum Wahlkampf angetreten bin, kannte ich die Lage. Was wir nicht vorhergesehen haben, ist, dass die Krise so lange anhalten wird", betonte der Präsident in dem Interview auf France 2 mit dem französischen Starjournalisten David Poujadas.

Vor den Fernsehstudios vonFrance 2hatten sich während des Interviews zahlreiche Gegner der Homo-Ehe zu einem Protest versammelt. Hollande verurteilte die "Radikalität, die Gewalt in den Straßen". "Ich liebe alle Franzosen", sagte der Präsident und fügte hinzu: "Ich habe eine dicke Haut." In einer jüngsten CSA-Umfrage erklärten sich nur 22 Prozent der Befragten mit ihrem Präsidenten zufrieden.

Jugendarbeitslosigkeit

Hollande unterstrich am Donnerstag erneut seine Absicht, vor Jahresende eine Umkehr bei der Entwicklung der Arbeitslosigkeit zu erreichen, obwohl laut sämtlichen Prognosen mit einem Nullwachstum zu rechnen ist. "Das ist weder ein Wunsch noch eine Prognose, sondern ein Engagement", sagte der Staatschef.

Der französische Präsident gab sich zuversichtlich, dass die bereits ergriffenen Maßnahmen Früchte zeigen werden. Er nannte unter anderem die Schaffung von 150.000 Arbeitsplätzen für Jugendliche und 20 Milliarden Euro Investitionen zur Ankurbelung der Wettbewerbsfähigkeit der französischen Wirtschaft. "Ich bin nicht seit zehn Jahren für das Land verantwortlich, sondern seit zehn Monaten. Aber ich entziehe mich nicht der Verantwortung." Den Unternehmern versprach Hollande eine administrative Vereinfachung, wodurch die zu erledigenden Formalitäten "durch drei dividiert werden" sollen.

"Ich brauche alle Franzosen, die Lohnempfänger, die Unternehmer, all jene, die zur wirtschaftlichen Tätigkeit beitragen", appellierte der Präsident an die Bürger. Er prangerte weiters eine zu strenge Sparpolitik in Europa an. "In der Sparpolitik bleiben bedeutet, Europa zur Explosion zu verurteilen", betonte Hollande und fügte hinzu, dass dies "den Anstieg der populistischen Bewegungen" fördere. "Die Sparpolitik heute fortzusetzen bedeutet, dass man die erhoffte Defizitreduktion nicht erreichen und unbeliebte Regierungen haben wird, die die Populisten zum gegebenen Zeitpunkt in einem Happen verschlucken", warnte Hollande.

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