Paris und Marseille bleiben links
Paris bleibt sozialistisch regiert. Emmanuel Grégoire, der jahrelang die rechte Hand der scheidenden Bürgermeisterin Anne Hidalgo war, ist am Sonntagabend zu ihrem Nachfolger gewählt worden. Alle Bemühungen der früheren Justiz- und Kulturministerin und langjährigen Oppositionsführerin Rachida Dati haben nichts genutzt. Umstritten ist die Konservative wegen ihrer Verwicklung in mehrere Korruptionsaffären, aber auch aufgrund ihrer kaltschnäuzigen Art.
Dabei hatte sie gute Chancen: Nach der ersten Runde vor einer Woche zogen sich eine rechtsextreme Kandidatin und ein Bewerber des liberalen Regierungslagers, die sich qualifiziert hatten, zu ihren Gunsten zurück. Für Grégoire verkomplizierte sich die Lage, weil zugleich die Kandidatin der Linksaußen-Partei LFI (La France Insoumise) im Rennen blieb. Am Wahlabend wirkte der 48-Jährige erleichtert. „Paris ist seiner Geschichte treu geblieben“, rief er, nicht nur in Anspielung darauf, dass sich die Stadt seit 2001 in der Hand der Linken befindet.
Botschaft an den RN
Das Ergebnis, so Grégoire, sei auch eine Botschaft an das Führungspersonal des rechtsextremen Rassemblement National (RN), Parteichef Jordan Bardella und Fraktionschefin Marine Le Pen. Die Rechten und Rechtsextremen wollten Frankreichs Hauptstadt nehmen, was am wertvollsten sei: „die einfache Freude zusammenzuleben“. Sein erstes Interview gab er, der Hidalgos Kurs fortsetzen will, auf dem Rad durch die Stadt fahrend.
Insgesamt konnten die Sozialisten, ebenso die konservativen Republikaner, mehrere Erfolge für sich verzeichnen. Auch wenn sie auf nationaler Ebene eingebrochen sind, lokal bleiben die beiden traditionellen großen Volksparteien gut verankert – ganz anders als die Partei von Präsident Emmanuel Macron, Renaissance. Die Republikaner siegten etwa in Toulouse, der einstigen Sozialisten-Hochberg Brest und Clermont-Ferrand. Die Sozialisten wiederum setzten sich erneut in Nantes, Lille und Rouen durch – sowie in Marseille.
Harter Kampf um Marseille
Die zweitgrößte Stadt Frankreichs galt als besonders umkämpft. Der rechtsextreme Kandidat Franck Allisio war die große Hoffnung der Partei, das Rathaus einer bedeutsamen Metropole zu erobern. Im Wahlkampf hatte er vorgeschlagen, am Strand Abschnitte für Familien und Senioren vorzusehen und Halbstarke – überwiegend aus den sozialen Brennpunkten und mit Einwanderungshintergrund – faktisch auszuschließen. Das sei ein „Anti-Gesindel-Plan“, hatte Benoît Payan kritisiert, der klar wiedergewählt wurde. Wie Grégoire in Paris hatte auch auch der Sozialist Payan abgelehnt, sich mit LFI zu verbünden. Tatsächlich waren Allianzen nur in wenigen Fällen erfolgreich. Der spektakulärste Sieg der Linksaußen-Partei, die sich auf nationaler Ebene mit den anderen Parteien des linken Spektrums zerstritten hat, war im nordfranzösischen Roubaix.
Während der RN in rund ein Dutzend Städten, darunter Carcassonne, Carpentras und Menton, gewann, scheiterten die Kandidaten in Nîmes, wo sich ein Kommunist durchsetzte, sowie Toulon, wo sie nach der ersten Runde deutlich führten. Größter Erfolg für die Partei ist der Triumph des ehemaligen Republikaner-Chefs Éric Ciotti in Nizza. Er hatte sich 2024 dem RN mit seiner eigenen Mini-Partei und eben dem Ziel, die Stadt am Mittelmeer zu erobern, angeschlossen. RN-Chef Bardella sprach von einem „historischen Vorstoß“ seiner Partei, die sich oftmals dort, wo sie nicht siegte, als größte Oppositionskraft einrichtete. Allerdings blieb sie in vielen mittelgroßen Städten im einstelligen Bereich.
Grüne enttäuschend
Die Grünen, die bei den letzten Kommunalwahlen vor sechs Jahren überraschend in mehreren Metropolen gewannen, konnten nur manche von ihnen, darunter Lyon, halten, verloren aber Straßburg und Besançon. Die vielfach angekündigte Verlustserie blieb aber ebenso aus wie der Rechtsruck, den viele Umfragen im Vorfeld vorausgesagt hatten.
Auch der ehemalige Premierminister Édouard Philippe, der erneut in Le Havre antrat, fürchtete aufgrund für ihn negativer Prognosen um seine Wiederwahl – von ihr hatte er es abhängig gemacht, ob er für seine liberale Partei Horizons bei den Präsidentschaftswahlen im Frühjahr 2027 antreten werde. Er siegte deutlich, das Ergebnis dürfte ihm Aufwind verleihen. Ein Jahr vor der nächsten großen Wahl wird dem lokalen Urnengang vielfach nationale Bedeutung beigemessen.
Kommentare