Die fette Leber der Gänse gilt als Delikatesse und gehört in Frankreich zum traditionellen Weihnachtsessen dazu

© APA/AFP/GEORGES GOBET

Politik Ausland
12/23/2021

Frankreich streitet über Foie gras – die Gänsestopfleber

Ein neues Wahlkampfthema: Die einen sagen, eine unverzichbare Delikatesse zu Weihnachten, die anderen erinnern an das Tierleid.

Von Simone Weiler aus Paris

Wer wie eine echte Französin oder ein echter Franzose lebt, dafür gibt es klare Kriterien. Das findet zumindest Valérie Pécresse, Präsidentschaftskandidatin der Republikaner. „Ja, Französisch zu sein, das heißt, einen Weihnachtsbaum zu haben, Foie gras zu essen, die Miss France zu wählen und die Tour de France zu haben“, behauptete sie kürzlich.

Indirekt kritisierte die wahlkämpfende Konservative damit grüne Bürgermeister, die in der Vergangenheit sowohl den Radsport- als auch den Schönheitswettbewerb kritisiert hatten oder, wie in Bordeaux, sich weigerten, in der Adventszeit einen „toten Baum“ auf den Rathausplatz zu stellen.

Oder die wie die Bürgermeister von Lyon, Grenoble und Straßburg künftig darauf verzichten, bei Empfängen Foie gras (übersetzt „fette Leber“) zu servieren, die aus der verfetteten Leber von gestopften Gänsen oder Enten hergestellte Spezialität. Deren Produzenten machen rund 80 Prozent ihres Jahresumsatzes im Dezember.

Ein Kulturgut

Denn dass sie so wie Austern, Räucherlachs und Champagner zu den Weihnachtsfeiertagen gehört, sagen drei Viertel der Franzosen. In einer anderen Umfrage gaben allerdings mehr als 70 Prozent der Franzosen an, dass das Stopfen der Tiere leidvoll für diese sei und 60 Prozent sprechen sich sogar für ein Verbot aus.

In Bioläden steigt der Umsatz von vegetarischen Ersatzprodukten, beispielsweise mit dem Namen „Faux gras“, also „falsches Fett“.

Die meisten europäischen Staaten verbieten die Herstellung von Foie gras. In Frankreich hingegen gilt diese seit 2006 als „geschütztes kulturelles und gastronomisches Kulturgut“ und als Luxusprodukt für Feiertage.

Der „Foie-gras-Bann“

Der grüne Bürgermeister von Lyon, Grégory Doucet verkündete den „Foie-gras-Bann“ bereits 2020. Die grün regierten Städte wie Straßburg und Grenoble folgten. Doch erst jetzt wird daraus ein öffentlicher Streit, da die Tierschutzorganisation Peta diese Entscheidung ausdrücklich begrüßte. Doucet ist eben gegen die „Banalisierung des Stopfens von Tieren“.

Dennoch sprach Marie-Pierre Pé, Direktorin der Berufsvereinigung des Foie gras, von einer „Beleidigung unseres Berufsstandes“. Bislang habe man keine andere Technik gefunden, die es erlaube, „Foie gras mit ausreichenden und regelmäßigen Fettanreicherungen herzustellen“.

127 Abgeordnete lobten in einem offenen Brief mit dem Titel „Foie gras: Verderben Sie nicht das Fest!“ die Spezialität als „Juwel der französischen Gastronomie.“ Auch aus der Gastronomie kam ein „Unterstützungs-Manifest für die französische Foie-gras-Branche“: Wer diese kritisiere, solle sich einfach die guten Produktionsbedingungen genauer ansehen.

Der grüne Präsidentschaftskandidat Yannick Jadot sucht den Mittelweg. Ja, er esse Foie gras, gab er zu. „Aber nur aus handwerklich arbeitenden Betrieben.“

Simone Weiler, Paris

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