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Politik Ausland

Fix: EU kauft 1,8 Milliarden weitere Biontech-Dosen

900 Millionen Dosen sollen bestellt werden, weitere 900 Millionen Dosen sind Option.

05/08/2021, 12:20 PM

Der EU-Vertrag zum Kauf von bis zu 1,8 Milliarden weiteren Dosen Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer ist unter Dach und Fach.

Dies teilte EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen am Samstag auf Twitter mit. Die Menge soll bis 2023 geliefert werden.

900 Millionen Dosen sollen fest bestellt werden, weitere 900 Millionen Dosen dienen als Option. Damit sollen Impfungen von Erwachsenen aufgefrischt und die 70 bis 80 Millionen Kinder in der EU gegen das Coronavirus immunisiert werden. Der Vertrag hat nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur ein Volumen von bis zu 35 Milliarden Euro und bedeutet weitere Investitionen in Deutschland und Belgien.

Der Ministerrat in Wien hatte am Dienstag beschlossen, 800 Millionen Euro fĂŒr den Ankauf von 42 Millionen Impfdosen bereitzustellen. Davon entfielen 35 Millionen auf Pfizer/Biontech, drei Millionen auf Moderna und vier Millionen auf Johnson & Johnson.Angaben zu den Kosten der einzelnen Dosen wurden nicht gemacht. Den Kauf von 1,8 Mrd Impfstoffen durch die EU bezeichnet Bundeskanzler Sebastian Kurz als "wichtigen Meilenstein".

Zwar sagt die EU-Kommission in der Regel offiziell nichts ĂŒber die Kosten der gekauften Impfstoffe. Nach dpa-Informationen liegt der vereinbarte Preis je Dosis aber in der GrĂ¶ĂŸenordnung, die Bulgariens MinisterprĂ€sident Boiko Borissow zuletzt genannt hatte: etwa 19,50 Euro je Dosis. Der in Medienberichten genannte Preis von 23,50 Euro liege indes zu hoch, hieß es in BrĂŒssel. Die Summe je Dosis sei „unter 20 Euro“.

EU verteidigt höheren Preis

Die EU-Kommission verteidigte, dass der Preis höher ausfallen werde als bei den vorherigen VertrĂ€gen mit Biontech/Pfizer. Es gebe strengere Liefervereinbarungen, andere Haftungsregeln und Vereinbarungen zur Anpassung des Impfstoffes an neue Virus-Varianten, hieß es aus der Behörde. Außerdem zahle die EU kĂŒnftig kein Geld mehr zur Produktionsförderung.

Von der Leyen hatte am 14. April angekĂŒndigt, dass mit dem deutschen Unternehmen Biontech und dessen US-Partner Pfizer ĂŒber die Lieferung der Riesenmenge verhandelt wird.

Die GesprĂ€che zogen sich dann lĂ€nger hin als gedacht. Dem Vernehmen nach hatte Frankreich EinwĂ€nde. Letztlich unterstĂŒtzten dann aber alle 27 EU-Staaten den Deal, wie die EU-Kommission bereits am Freitag mitteilte. Daraufhin stimmten im schriftlichen Verfahren auch alle EU-Kommissare zu. Nun lĂ€uft noch offiziell eine Einspruchsfrist von fĂŒnf Werktagen, bis die Unterschrift unter den Vertrag gesetzt werden kann.

Die EU-Kommission erwartet, dass fĂŒr Auffrischungen und die Impfung von Kindern 2022 und 2023 zusammen rund 700 Millionen Dosen nötig werden. Tritt eine Mutation des Coronavirus auf, gegen die die bisherigen Impfungen nicht helfen, brĂ€uchte man 640 Millionen Dosen, um 70 Prozent der EU-Bevölkerung völlig neu zu immunisieren.

FĂŒr die laufende Impfkampagne hat die EU bereits zwei RahmenvertrĂ€ge mit Biontech/Pfizer ĂŒber 600 Millionen Impfdosen, die seit Ende 2020 nach und nach ausgeliefert werden. Allein von Anfang April bis Ende Juni erwartet die EU 250 Millionen Impfdosen der Hersteller.

Deren mRNA-Impfstoff war der erste, der in Europa zugelassen wurde. Er gilt als sehr wirksam und sehr sicher. Ein Vorteil der neuartigen mRNA-Technologie ist, dass Impfstoffe relativ schnell an Virenmutationen angepasst werden können. Als Nachteil gilt, dass das PrÀparat bei sehr tiefen Temperaturen gelagert werden muss und vergleichsweise teuer ist. Hersteller wie Astrazeneca und Johnson & Johnson nutzen eine andere Wirkweise mit Hilfe sogenannter Adenoviren.

Die Kommissionschefin hatte bereits angekĂŒndigt, dass Teil der Vereinbarung eine vollstĂ€ndige Herstellung in der EU sein werde - nicht nur des Impfstoffs, sondern auch aller wesentlicher Bestandteile. Bisher sind die Lieferketten fĂŒr die Rohstoffe weltweit vernetzt. Teils bangten Hersteller um Nachschub wichtiger Bestandteile wie Lipide, die fĂŒr mRNA-Impfstoffe notwendig sind.

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