Fauxpas, Fettnäpfchen, Inszenierung: APEC kurios

Xi Jinping und Wladimir Putin bei einem Treffen in Peking.
Ob Kaugummi, unerlaubte Annäherungen, seltsame Stimmung: Was sich am Rande des APEC-Gipfels zutrug.

Der bombastisch inszenierte Gipfel der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft APEC in Peking fand am Dienstag ein würdiges Ende - mit einer Einigung zwischen den USA und China auf neue Klimaziele. Doch mindestens ebenso viel Interesse zogen die kleinen Begebenheiten am Rande des hochrangigen Treffens der 21 Staats- und Regierungschefs auf sich - diese waren nicht immer friktionsfrei. Ob es Blicke waren, die mehr als tausend Worte sagen, schlechtes Benehmen oder handfeste Fauxpas: Am Gipfel trugen sich abseits der Politik einige Kuriositäten zu.

Zu einer Empfangszeremonie leistete sich ausgerechnet US-Präsident Barack Obama ein Fettnäpfchen im Knigge-treuen China: Als er - in chinesischer Seide gekleidet - aus seiner Limousine stieg und zum Roten Teppich schritt, kaute er Kaugummi. Freilich wurde der Auftritt im chinesischen TV live übertragen - die Reaktionen fielen nicht allzu freundlich aus. Einige spotteten auf den sozialen Netzwerken, Obama sehe aus wie ein Rapper. USA Today zitierte Professor YinHong von der Tsinghua University: "Wir veranstalteten ein luxuriöses Treffen mit Gesang und Tanz, aber sehen Sie sich Obama an, wie er aus der Limousine steigt - wie ein Faulenzer." (siehe Video)

Es war nicht das erste Mal, dass Obama mit Kaugummi-Kauen eine mittlere Staatskrise auslöste: Bei den Gedenkfeiern zum D-Day in Frankreich vergangenen Sommer sorgte er damit für Empörung - ihm wurde Respektlosigkeit vorgeworfen. Das Weiße Haus hat sich inzwischen eine Verteidigungsstrategie zurechtgelegt: Obama kaue Nikotinkaugummis - er habe Schwierigkeiten, ohne Zigaretten auszukommen.

Für Befremden sorgte Obama auf dem APEC-Gipfel auch mit seiner Weigerung, das ihm angebotene Luxusauto für die Auftritte zu verwenden. Die Hongqi-Limousinen wurden allen Teilnehmern zur Verfügung gestellt, Obama zog jedoch jene vom US-Außenministerium vor. China will die Autos möglichst gut vermarkten - die Bilder der Staatschefs gehen schließlich um die Welt. Obama wollte aber offensichtlich keine Werbung dafür machen.

Ein Lapsus, der ebenfalls um die Welt ging, war sicherlich die Geste des russischen Präsidenten Wladimir Putin, der der fröstelnden First Lady Chinas entgegenkommen wollte. Während die Teilnehmer in der eiskalten Nacht auf das große Feuerwerk des Gipfels warteten, legte Putin Peng Liyuan eine Decke um die Schultern. In China sorgt ein solches Zunahekommen an eine fremde Person für große Irritationen. Die erschrockene First Lady bedankte sich artig und gab die Decke schnell einem Assistenten weiter. Die Reaktionen waren gespalten - einige Beobachter lobten den "russischen Gentleman" - andere waren empört: "Putin flirtet mit der First Lady!"

Das bombastische Feuerwerk geriet dann zur Nebensache. Wir holen es aber nach - schließlich steckte China eine Menge Arbeit in die Inszenierung des Gipfels - Staatschef Xi Jinping überließ nichts dem Zufall, sich als hervorragender Gastgeber auf der Weltbühne zu präsentieren.

Das Nationalstadion Peking, auch bekannt als „Vogelnest“, ist nachts mit APEC beleuchtet.
epa04484208 The Bird's Nest Stadium is seen at a distance displaying the Asia-Pacific Economic Cooperation (APEC) sign in lights as a man takes a photo from a bridge in Beijing, China, 10 November 2014. The APEC 2014 Summit and related meetings are being held in Beijing from 05 to 11 November, gathering leaders of 21 member economies. EPA/ROLEX DELA PENA

Es gab auch politische Zusammenkünfte, die zumindest für die Fotografen ein friedliches Bild liefern sollten - doch das gelang nicht immer. Die Treffen zwischen Japans Premier Shinzo Abe und China Präsident Xi sollten ein Meilenstein werden - die offensichtliche Stimmung zwischen den beiden verfeindeten Politikern hinterließ aber einen schalen Geschmack bei den Beobachtern.

Ein Treffen, auf das alle gewartet haben, war freilich jenes zwischen Obama und Putin. Auch hier fröstelte es ein wenig, scheint es. Zu groß sind die Differenzen im Ukraine-Konflikt und das Vertrauensmanko:

Doch es gab auch versöhnlichere Gesten - zumindest bei der Sitzverteilung.

Getuschelt wurde auch über die Modeerscheinungen des APEC-Gipfels. Alle Teilnehmer mussten Einheitskleidung anlegen, um für das Familienfoto zu posieren. Nicht alle schienen glücklich darüber.

Xi Jinping, Peng Liyuan, Barack Obama und andere Staats- und Regierungschefs bei einem Treffen.
epa04484806 A handout photo provided by Xinhua made available on 11 November 2014 shows Chinese President Xi Jinping (3-L) and his wife Peng Liyuan (4-L), US President Barack Obama, (2-R), Russian President Vladimir Putin (2-L) Indonesian President Joko Widodo (R) and Sultan of Brunei Hassanal Bolkiah (L) and other participants and their spouses head for a welcome banquet of the Asia-Pacific Economic Cooperation (APEC) Economic Leaders' Meeting at the Water Cube or National Aquatic Center in Beijing, China, 10 November, 2014. EPA/APEC Xinhua HANDOUT EDITORIAL USE ONLY

Zwischen den Verhandlungen wurden diverse Zeremonien abgehalten. Dabei bekam die Weltöffentlichkeit die Gelegenheit die mächtigsten Menschen des Planeten etwa beim meditativen Pflanzen von Bäumen zu beobachten. Putin und Obama beim Gärtnern - das ist schon einen Blick wert:

Die große APEC-Show ging schließlich am Dienstag zu Ende. China präsentierte sich als mächtiger Faktor zwischen den Blöcken - und beiden ebenso zugewandt. Für Peking ein Prestigeerfolg, Obama holt Klimaziele nach Hause, Putin Gasdeals.

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