Mahnwache der österreichischen Grünen gegen die Bestrafung des saudi-arabischen Blogger - sie wurde heute vorerst ausgesetzt.

© APA/HERBERT NEUBAUER

Saudi Arabien
02/06/2015

Fall Badawi: "Bitte berichtet weiter"

Der regimekritische Blogger hofft weiterhin auf seine Freilassung. Seine Frau appelliert an die Medien.

Dem regimekritischen saudi-arabischen Blogger Raif Badawi, der in einem Gefängnis in Jeddah auf seine Freilassung hofft, geht es weiterhin schlecht. Seine Frau, Ensaf Haidar, appellierte am Freitag in einem exklusiven Telefon-Interview mit APA und Wiener Zeitung an die westlichen Medien, weiter über ihren Mann zu berichten, bis er freigelassen und nach Kanada ausreisen darf.

"Die Umstände sind sehr schwierig. Er ist traurig und es geht ihm schlecht. Auch ich bin traurig. Vor zwei Tagen haben wir das letzte Mal telefoniert, und ich weiß nicht, was es zu bedeuten hat, dass sein Fall wieder zur Strafkammer in Saudi-Arabien übermittelt wurde", so Haidar, die mit den drei gemeinsamen Kindern in Quebec lebt.

"Doch es ist perfekt, dass die Medien über den Fall berichten und ich hoffe, dass sie dies weiterhin tun. Nämlich solange, bis er freigelassen wird und zu uns nach Kanada kommen darf", ergänzt sie. Das jüngste Gespräch habe vier Minuten gedauert und er habe auch kurz mit den Kindern gesprochen. Sehr oft kann Ensaf Haidar ohnehin nicht mit ihrem Mann sprechen. Nur wenige Male im Monat sind ihnen einige Momente am Telefon gegönnt.

"Wir wollen nur, dass er wieder bei uns ist"

"Meine Kinder und ich haben Raif schon drei Jahre nicht gesehen und wollen einfach nur, dass er wieder bei uns ist", fordert Haidar. Sein Gesundheitszustand gebe ihr Anlass zur Sorge. "Er hat im Gefängnis nicht jeden Tag ärztliche Betreuung und ich mache mir Sorgen".

Haidar hofft, dass es mit dem internationalen Druck auf Saudi-Arabien gelingen wird, die Freilassung ihres Mannes zu erwirken. Denn weitere 50 Stockhiebe, so warnt sie, "wären eine Katastrophe für ihn".

10 Jahre Haft, 1.000 Stockschläge

Badawi war im Mai 2014 zu zehn Jahren Haft, 1.000 Stockschlägen und einer Geldstrafe verurteilt worden, weil er in einem Internetforum den Islam beleidigt haben soll. 50 davon hat er Anfang Jänner erhalten, die weiteren Tranchen wurden "aus gesundheitlichen Gründen" bisher aber immer wieder verschoben.

Der 31-jährige Aktivist hatte auf seiner Internetseite "Liberal Saudi Network" immer wieder die Religionspolizei für ihre harte Durchsetzung der in dem wahhabitischen Königreich vorherrschenden strengen Auslegung des Islam kritisiert. Dabei nahm er sich kein Blatt vor den Mund. "Sobald ein Denker seine Ideen offenlegt, wird er mit Hunderten Fatwas konfrontiert, nur weil er es gewagt hat, ein geheiligtes Thema aufzugreifen", hieß es in einem der Blogeinträge.

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