Ehemaliger BND-Präsident Gerhard Schindler

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Politik Ausland

Ex-BND-Chef rechnet mit Ausweitung russischer Spionage in Deutschland

Schindler skeptisch zu Ausweisung von Spionen

04/16/2022, 07:17 AM

Der fr√ľhere Pr√§sident des deutschen Bundesnachrichtendienstes (BND), Gerhard Schindler, geht davon aus, dass Russland angesichts seines Angriffskriegs in der Ukraine die Spionage in Deutschland verst√§rkt. "In Deutschland gibt es, wie in anderen europ√§ischen Staaten auch, seit dem Kalten Krieg anhaltende russische Spionageaktivit√§ten", sagte Schindler den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND, Samstagsausgaben).

Schon länger sei eine Zunahme der russischen Nachrichtendienst-Aktivitäten zu beobachten. "Wenn kriegerische Auseinandersetzungen mit wirtschaftlichen Sanktionen verbunden sind, liegt es auf der Hand, dass auch die nachrichtendienstlichen Aktivitäten zunehmen", erklärte Schindler. "Wir stehen sicherlich noch nicht am Ende dieser Entwicklung."

Russische Spione

Seri√∂se Aussagen √ľber die Zahl russischer Spione in Deutschland lie√üen sich nicht treffen. Au√üer den Russen selbst wisse das niemand genau. "Die Spione, die dem Bundesamt und den Landes√§mtern f√ľr Verfassungsschutz bekannt sind, bilden nur die Spitze des Eisbergs." Die Regierung in Berlin hatte k√ľrzlich 40 russische Diplomaten aus Deutschland ausgewiesen, denen sie Spionage-T√§tigkeit vorwirft. √Ąhnlich waren auch andere EU-Staaten verfahren, auch √Ėsterreich hatte Diplomaten ausgewiesen.

Schindler sieht das Vorgehen jedoch skeptisch: "Jeder erkannte Spion ist ein Pluspunkt f√ľr die deutschen Sicherheitsbeh√∂rden." Man k√∂nne diesen Spion beobachten, sein Bewegungsprofil nachvollziehen und √ľberwachen, mit wem er kommuniziert. "Wenn man den jetzt nach Hause schickt und daf√ľr neue kommen, steht man wieder ganz am Anfang: Man wei√ü dann nicht, ob ein neuer Kultur-Attach√© auch ein Spion oder ein gew√∂hnlicher Diplomat ist", erkl√§rte Schindler.

F√ľr die Spionageabwehr sei es deshalb kein Vorteil, erkannte Nachrichtendienstler auszuweisen. Nichtsdestotrotz k√∂nne es politisch manchmal erforderlich sein, solche Zeichen zu setzen.

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