Politik | Ausland
30.09.2018

Erste Rebellen beginnen angeblich Rückzug im Norden Syriens

Um Idlib soll bis zum 15. Oktober eine 15 bis 20 Kilometer breite entmilitarisierte Zone entstehen. Rebellen dementieren Abzug.

Im Norden Syriens hat nach Angaben von Aktivisten eine erste Rebellengruppe mit dem Abzug begonnen. Die Rebellengruppe verlasse die geplante entmilitarisierte Zone um die Provinz Idlib, die von der Türkei und Russland am 17. September beschlossen worden war, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Sonntag mit.

Um Idlib soll bis zum 15. Oktober eine 15 bis 20 Kilometer breite entmilitarisierte Zone entstehen.

"Einheiten der Faylaq al-Sham al-Islami ziehen seit Sonntagmorgen mit ihren schweren Waffen, darunter Panzer und Geschütze, aus den südlichen Gebieten der Provinz Aleppo und den westlichen Vororten von Aleppo-Stadt ab", erklärte die Beobachtungsstelle. Die in Großbritannien ansässige Nichtregierungsorganisation bezieht ihre Angaben von Aktivisten vor Ort. Ihre Angaben sind von unabhängiger Seite kaum zu überprüfen.

"Kein Abzug schwerer Waffen"

Die Rebellen widersprachen den Angaben über einen angeblichen Rückzug jedenfalls. "Es gibt keinen Abzug schwerer Waffen aus irgendeinem Gebiet oder von irgendeiner Front. Dieser Bericht wird verneint, vollständig verneint", sagte ein Sprecher der protürkischen Rebellenallianz Nationale Befreiungsfront (NLF), Naji Mustafa, am Sonntag.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte die Einrichtung der entmilitarisierten Zone in der Provinz Idlib mit Russlands Staatschef Wladimir Putin vereinbart. Demnach sollen alle Jihadisten aus der Zone abziehen und alle Rebellen dort ihre schweren Waffen abgeben. Anschließend sollen die türkische Armee und die russische Militärpolizei die Zone überwachen.

Mit der Vereinbarung wurde eine syrisch-russische Militäroffensive auf Idlib vorerst abgewendet, die zu einer humanitären Katastrophe und einer neuen Fluchtwelle in die Türkei zu führen drohte. Es ist aber offen, ob sich alle Gruppen in der Provinz an die Vereinbarung halten werden.

Die Faylaq al-Sham (Großsyrien-Legion) ist ein Bündnis mehrerer Rebellengruppen, von denen einige mit der syrischen Muslimbrüderschaft verbunden sind.