Iran: Öffentliche Hinrichtung eines Protestteilnehmers?
Zusammenfassung
- Der 26-jährige Erfan Soltani soll nach Teilnahme an Protesten gegen das iranische Regime ohne faires Verfahren öffentlich hingerichtet werden.
- Soltanis Familie und Menschenrechtsorganisationen kritisieren fehlenden Zugang zu Anwälten und Informationen sowie ein extrem schnelles Gerichtsverfahren.
- Der Iran hat eine der weltweit höchsten Hinrichtungsraten und beschleunigt Todesurteile gegen Demonstranten seit den Protesten 2022.
Es soll die erste Hinrichtung im Zusammenhang mit den landesweiten Massenprotesten gegen die Regierung im Iran sein. Laut mehreren Menschenrechtsorganisationen handelt es sich dabei um Erfan Soltani, der am 8. Jänner 2026 in Karadsch, etwa 40 Kilometer von der Hauptstadt Teheran entfernt, festgenommen wurde.
Wie ein Angehöriger gegenüber der BBC bestätigte, soll Soltani heute, den 14. Jänner 2026, ohne Gerichtsverfahren öffentlich hingerichtet werden. Der 26-Jährige wird beschuldigt, "Krieg gegen Gott" geführt zu haben, ein Verbrechen, das im Iran mit dem Tod bestraft wird. "In einem extrem schnellen Verfahren hat das Gericht innerhalb von nur zwei Tagen ein Todesurteil ausgesprochen", wird der Verwandte von der BBC zitiert. Erfan Soltani soll als Privatunternehmer tätig gewesen sein und nach Angaben seiner Familie kein politischer Aktivist, sondern ein Regimegegner gewesen sein.
Kein faires Verfahren?
Soltani soll sich unbestätigten Berichten zufolge derzeit im Qazl-Hisar-Gefängnis in Karadsch befinden. Die Behörden sollen seine Familie dazu aufgefordert haben, ihn am Dienstag, den 13. Jänner 2026, zu besuchen, was darauf hindeuten könnte, dass es sich um das letzte Treffen vor seiner Hinrichtung handelt, wie euronews berichtet. Bei Soltanis Fall soll es sich um kein faires Verfahren handeln, da ihm sowohl der Zugang zu einem Anwalt als auch andere gesetzliche Rechte verweigert wurden.
Soltanis Schwester, die Rechtsanwältin ist, soll beantragt haben, ihren Bruder zu vertreten und seinen Fall zu untersuchen. Laut einer der Familie nahestehenden Quelle, die mit der in Norwegen ansässigen Menschenrechtsorganisation Hengaw in Kontakt stand, sollen die Behörden der Schwester jeglichen Zugang zu den Akten verweigert haben. Außerdem habe sie keine Einzelheiten der Anklage gegen Soltani und über das Gerichtsverfahren erhalten.
Weltweit höchste Hinrichtungsrate
Die iranische Justiz und staatliche Medien haben sich bislang nicht zu Soltanis Fall geäußert – die Behörden kündigten jedoch an, die Strafverfahren gegen festgenommene Demonstranten im Eilverfahren durchzuführen.
Der Iran hat weltweit eine der höchsten Hinrichtungsraten; im Jahr 2025 sollen mehr als 2.000 Menschen hingerichtet worden sein, wie die BBC berichtet. In der Regel dauern Todesstrafverfahren im Iran Jahre, bis sie die Gerichte durchlaufen. Im Zuge der Proteste von 2022 haben die Behörden diesen Prozess beschleunigt; bereits drei Monate nach ihrer Verhaftung kann eine Person hingerichtet werden.
Weder BBC noch CBS News, die mit den Verwandten von Soltani in Kontakt stehen, konnten bestätigen, ob Soltani bereits hingerichtet worden ist. Der US-Präsident Donald Trump drohte dem Iran mit "harten Maßnahmen" als Reaktion auf Berichte über die Hinrichtungen von Protestierenden.
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