Russische Einheiten sind offline: So mischt Elon Musk im Ukraine-Krieg mit

Elon Musks Starlink verleiht dem Milliardär die Macht eines staatlichen Akteurs. Das nutzt er, um im Weltgeschehen mitzumischen.
Ukrainischer Soldat bedient Starlink-Terminal

Von Timo Buchhaus

Elon Musks Einfluss auf den Krieg in der Ukraine ist groß. Schon zwei Tage nach Beginn des russischen Angriffskrieges stellt er der Ukraine Starlink, sein weltweit einzigartiges Satellitennetzwerk, zur Verfügung. Die niedrige Flughöhe - 550 Kilometer über der Erde - und die große Zahl der Satelliten machen Starlink-Internet schnell und resistent gegen Cyberangriffe. Fähigkeiten, die für die drohnengestützte Verteidigung der Ukraine unverzichtbar sind.

Zwei Soldaten zeigen auf ein Feld

Ukrainische Soldaten bauen nahe der Front ein Starlink-Terminal auf

Doch auch die russische Armee nutzt das Satellitennetz. Entgegen westlicher Sanktionen importiert Russland über ein Netzwerk von Zwischenhändlern aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, Hong Kong, aber auch den Niederlanden Starlink-Terminals. Diese Pizzaschachtel-großen Satellitenschüsseln sind für den Vor-Ort-Empfang des Satelliten-Netzes notwendig. 

Russland nutzt die Technik nicht nur zur Kommunikation an der Front, sondern auch zum Terror gegen die ukrainische Zivilbevölkerung. Mit Starlink ausgestattete Langstreckendrohnen sind präzise und schwer zu bekämpfen. Regelmäßig schlagen sie in Wohngebäuden ein, töten Menschen. Ende Jänner erfolgte ein Präzisionsschlag auf einen fahrenden Regionalzug mit 300 Passagieren.

Musks Macht im All

Über 9000 Starlink-Satelliten kreisen heute um den Erdorbit. Damit kontrolliert der Privatunternehmer Musk 65% aller Satelliten im All. Die Endkapazität ist aber noch lange nicht erreicht. SpaceX will sein Netzwerk in den nächsten Jahren auf über 40.000 Satelliten erhöhen. 

Elon Musk hat einen Präzedenzfall geschaffen. Seine Macht im All verschafft ihm einen Einfluss, mit dem er Kriege maßgeblich beeinflussen kann. Die Ukraine muss sich in ihrem Abwehrkampf daher auf Entscheidungen eines exzentrischen Milliardärs verlassen. Auch wenn er auf X immer wieder Stimmung gegen die Ukraine und ihre Regierung macht, sicherte er dem angegriffenen Land eine Fortsetzung der Zusammenarbeit zu.

Starship von SpaceX

Start eines Starship von SpaceX

Schon in der Vergangenheit bat die Ukraine Musks Raumfahrtunternehmen darum, Russland den Zugang zum Satellitennetzwerk zu erschweren. Auch der polnische Vize-Ministerpräsident Radoslaw Sikorski äußerte sich nun dazu. In einem öffentlich ausgetragenen Wortgeplänkel auf X bezichtigte er Musk von "Kriegsverbrechen zu profitieren” und forderte ihn auf, die russischen Terminals vom Netz zu trennen. Musk erwiderte, dass Starlink für die ukrainischen Streitkräfte “das Rückgrat der Kommunikation” sei.

Während er der Ukraine Starlink zu Beginn des Krieges noch kostenlos zur Verfügung stellte, lässt sich Musk mittlerweile für die Nutzung des Netzes bezahlen. Die ukrainischen Streitkräfte nutzen zehntausende Geräte. Die Kosten dafür liegen in den hunderten Millionen pro Jahr.

Russian service members demonstrate a Starlink terminal to schoolchildren in Makiivka

Russische Soldaten präsentieren ein Starlink-Terminal

Schwerer Schlag für russische Armee

Auf Musks Machtdemonstration auf X folgte nun eine Handlung. In den vergangenen Tagen schränkte Musk Russlands Zugang zu Starlink stark ein. Nur noch registrierte Geräte auf ukrainischem Territorium sollen auf das Netz zugreifen können. Die Ukraine arbeitet an einer entsprechenden “Whitelist”. Am Donnerstag meldete Serhiy Beskrestnov, der kürzlich ernannte Berater des ukrainischen Verteidigungsministers, erste Erfolge. Er sprach davon, dass die Abschaltung von Starlink “nicht nur ein Problem, sondern eine Katastrophe” für die russischen Streitkräfte sei.

Der Blick in die Telegramkanäle russischer Militärblogger scheint das zu bestätigen. Demnach meldeten russische Soldaten, dass nicht nur Drohnen ausfielen, sondern die Kommunikation ganzer Einheiten schwer angeschlagen sei. Da auf russischer Seite momentan keine Alternativen vorhanden sind, dürfte die Starlink-Operation einen schweren Schlag gegen den Kreml bedeuten.

Obwohl die Verteidigung der Ukraine durch Musks momentanen Kurs gestärkt wird, traf Musk auch immer wieder Entscheidungen zum Nachteil der Ukraine. So begrenzt Musk den Starlink-Zugang rund um die Krim und in den von Russland besetzten Gebieten.

Auch die ukrainische Gegenoffensive 2022 wurde durch Ausfälle des Starlink-Netzes behindert. Ein Reuters-Bericht legt nahe, dass SpaceX diese gezielt herbeigeführt habe. Musk bestritt diese Anschuldigungen öffentlich. Berichte, wonach US-Verhandler den Starlink-Zugang der Ukraine als Druckmittel nutzten, um eine Einigung im US-Ukrainischen Mineraliendeal zu erzielen, dementierte Musk ebenfalls.

Donald Trump zeigt mit dem Finger auf Elon Musk.

Wettrüsten im All

Die marktbeherrschende Position seines Raumfahrtunternehmens verleiht dem reichsten Mann der Welt eine Hebelwirkung, die sonst nur staatlichen Akteuren vorbehalten ist. Er navigiert SpaceX durch ein spannungsgeladenes Verhältnis. Einerseits die eigenen, oft wenig berechenbaren politischen Standpunkte und Kehrtwendungen, des ehemaligen Trump-Verbündeten. Andererseits die kommerziellen Interessen seiner Unternehmen. 

Währenddessen hat sich SpaceX, auch im US-Militär eine zentrale Position gesichert. Im Wettrüsten im All stützt sich das Pentagon auf eine Kooperation mit Musk. Auch das Bundesheer wird ab 2027 mithilfe von SpaceX Satelliten ins All schicken.

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