Umsturz, Tötungen, Nazi-Staat: Prozess gegen rechtextreme "Sächsische Separatisten"

Haftvorführung nach Razzia gegen mutmaßliche Rechtsextreme
Die „Sächsischen Separatisten“ planten einen Umsturz: Am Freitag begann der Prozess gegen acht Mitglieder - darunter zwei österreichische Schimanek-Brüder.

"Der Tag X" würde kommen - davon war die fast zwanzig junge Männer fassende rechtsextreme Gruppe der "Sächsischen Separatisten" überzeugt. Dann würde verhasste liberale Demokratie, die bisherige Ordnung in Deutschland zusammenbrechen. Und dann wollten sie losschlagen, nachdem sie seit Wochen und Monaten an Kampsport- und Schießübungen teilgenommen hatten. Große Teile des Bundeslandes Sachsen wollten sie mit Waffengewalt unter ihre Kontrolle bringen, einen eigenen, eine Art Nazi-Staat errichten. Diesen Vorwurf brachte die deutsche Bundesanwaltschaft ein.

Am Oberlandesgericht Dresden begann am Freitagvormittag der Prozess gegen acht Mitglieder der militanten Neonazi-Gruppe. Die Männer sollen sich wegen Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung, Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens und weiterer Anklagepunkte verantworten. Das Gericht hat nach Prozessbeginn zunächst 67 weitere Verhandlungstermine angesetzt.

Weitere, apokalyptische Pläne der Gruppe: „Arische Stoßtruppen“ sollten nach dem Umsturz die Kontrolle auf den Straßen übernehmen. Vertreter der alten liberalen Ordnung sollten eliminiert, politische Gegner, Juden und Migranten getötet werden, um einen ethnisch homogenen Staat der „weißen Rasse“ zu schaffen. Dabei war angedacht, möglicherweise bis zu 250.000 Menschen zu töten, will die Anklage in Erfahrung gebracht haben.

Die Familie Schimanek

Unter den acht Angeklagten finden sich zwei Söhne einer in Österreich wohl bekannten rechtsextremen Familie: Jörg und sein jüngerer Bruder Jörn Schimanek. Eingebettet war alles offenbar in eine Art Familiengruppe: Der Vater der beiden Brüder, Hans Jörg Schimanek jun.  wurde1995 als Mitglied der neonazistischen „Volkstreuen außerparlamentarischen Opposition“ (VAPO) zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.

Vier Jahre lang saß Vater Schimanek wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung in Haft, danach übersiedelte er ins deutsche Bundesland Sachsen.

Die Familienbande blieben aufrecht: Im Forsthaus der Familie in Niederösterreich wurden bei einer Durchsuchung gegen die "Sächsischen Separatisten" ein Lager mit 30 Kilogramm Munition entdeckt. Jörg Schimanek, im Zivilleben ein Obstbauer, soll als Anführer die paramilitärischen Trainings und die Kommunikation unter den Mitgliedern organisiert haben.

Im Gruppenchat auf Telegram soll Jörg Schimanek die Mitglieder seiner "Sächsischen Separatisten" mit „Heil Hitler“ begrüßt haben. Nach dem Terrorüberfall der radikalislamischen Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 schrieb er: „Alle Juden ins Gas!“

Wiederholt hatten die Männer laut Bundesanwaltschaft paramilitärische Trainings mit Kampfausrüstung absolviert. „Dabei wurden vor allem der Häuserkampf, der Kampf mit (Schuss-)Waffen, Nacht- und Gewaltmärsche sowie Patrouillengänge eingeübt“, hieß es in einer früheren Mitteilung der Behörde. Zudem habe sich die Gruppe militärische Ausrüstungsgegenstände besorgt.

Im November 2024 schlugen die Einsatzkräfte an mehreren Orten in Sachsen, in Polen und in Österreich zu. Den Hinweis zu der bereits 2020 gegründeten Gruppe hatten die deutschen Behörden über das FBI erhalten.

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