Friedensrat, Exekutivrat: Wer in Trumps neuen Gaza-Gremien sitzt
Der knappe Text las sich wie die Bekanntgabe einer neuen Projektleitung in einer mittelgroßen Firma, könnte aber das Leben von Millionen Menschen auf Jahre hinaus beeinflussen. Am Wochenende veröffentlichte das Büro von US-Präsident Donald Trump ein Schreiben, in dem dieser gleich drei neue Gremien sowie deren vorläufige Besetzung vorstellte. Diese sollen künftig, hierarchisch angeordnet, den Friedensprozess im Nahen Osten und den Wiederaufbau des Gazastreifens vorantreiben – und womöglich sogar mehr als das.
Im Zentrum steht der bereits vor Monaten von Donald Trump angekündigte Friedensrat. Dieser soll „die strategische Aufsicht übernehmen, internationale Ressourcen mobilisieren und die Rechenschaftspflicht während des Übergangs Gazas von Konflikt zu Frieden und Entwicklung sicherstellen“.
Der Friedensrat und seine Mitglieder
Zum Vorsitzenden des Friedensrates krönte sich Trump selbst. Daneben nennt das Weiße Haus sieben Gründungsmitglieder, allesamt Männer: US-Außenminister Marco Rubio, der Sondergesandte Steve Witkoff, Trumps Schwiegersohn Jared Kushner sowie der ehemalige britische Premierminister Tony Blair sind alte Bekannte. Dazu kommen der Weltbank-Präsident Ajay Banga, der US-Multimilliardär Marc Rowan und ein gewisser Robert Gabriel – seit Jahren einer von Trumps Redenschreibern und seit Mai 2025 Rubios Vertreter in dessen Funktion als nationaler Sicherheitsberater.
Ursprünglich hatte Trump den Friedensrat als internationales Gremium angekündigt. Unter den acht Gründungsmitgliedern finden sich nun sieben Amerikaner, einzig Blair ist Brite. Schon am Montag sickerten jedoch die gewaltigen Ambitionen durch, die Trump mit seinem Friedensrat hegt: Er soll künftig zu einer neuen internationalen Organisation heranwachsen und über den Gaza-Krieg hinaus weitere Konflikte lösen.
Trump habe deshalb 60 Regierungschefs eingeladen, darunter Wladimir Putin, wie der Kreml bestätigte. Der britische Premier Keir Starmer und Deutschlands Kanzler Friedrich Merz erwägen offenbar einen Beitritt, um das Feld nicht nur Autokraten zu überlassen. Frankreichs Emmanuel Macron sagte Berichten zufolge ab, worauf der US-Präsident pikiert reagierte: "Ich werde einfach einen Zoll von 200 Prozent auf Wein und Champagner erheben - dann wird er schon mitmachen." Zugesagt hat bisher einzig Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán.
Der Gaza-Exekutivrat und seine Mitglieder
Wie auch immer der Friedensrat sich letztlich zusammensetzt, er soll sich mittelfristig ohnehin mit mehreren Konflikten in der Welt befassen. Aus diesem Grund ist ihm künftig ein sogenannter Gaza-Exekutivrat untergeordnet, der sich einzig mit der Situation im Gazastreifen befassen und dort „Frieden, Stabilität und Wohlstand“ gewährleisten soll.
Der elfköpfige Gaza-Exekutivrat ist tatsächlich international besetzt: Neben Witkoff, Kushner, Rowan und Blair, die also in beiden Gremien sitzen, nennt das Weiße Haus Hakan Fidan (türkischer Außenminister), Hassan Rashad (Chef des ägyptischen Geheimdienstes GIS) und Reem al-Hashimy (Ministerin für internationale Kooperation der Vereinigten Arabischen Emirate) sowie den hochrangigen katarische Diplomat Ali al-Thawadi und Sigrid Kaag, die niederländische UN-Sonderkoordinatorin für den Nahost-Friedensprozess. Überraschend sind die Bestellung des israelisch-zypriotischen Immobilien-Milliardärs Yakir Gabay und des ehemaligen bulgarischen Verteidigungs- und Außenministers Nickolay Mladenov.
Dieser Mladenov könnte jedoch zum wichtigsten Mann in der neuen US-Architektur werden: Als Vorsitzender des Gaza-Exekutivrats soll er die tägliche politische Arbeit vor Ort überwachen und Hauptansprechpartner für die Mitglieder des Friedensrates sein. Er hatte nach seiner politischen Karriere als Diplomat für die UN und die USA im Nahen Osten gearbeitet und soll sich einen ausgezeichneten Ruf bei israelischen und arabischen Verantwortlichen erarbeitet haben. Zuletzt war der Bulgare für einen Thinktank in Washington tätig.
Mladenov dient auch als Ansprechpartner für das dritte neue Gremium, das sogenannte Nationale Komitee für die Verwaltung des Gazastreifens (NCAG). Es besteht aus Mitgliedern der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA), die in Trumps Schreiben als „Technokraten“ bezeichnet werden und soll im Grunde als Übergangsregierung im Gazastreifen fungieren und dort, so heißt es, „das Alltagsleben stabilisieren“.
Israel kritisiert Trumps Pläne scharf, der lädt Netanjahu ein
Damit all das möglich wird, ist allerdings die Zustimmung jenes entscheidenden Akteurs nötig, der das Gebiet militärisch kontrolliert: Israel. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kritisierte die US-Pläne allerdings scharf: Diese seien „Nicht mit Israel koordiniert“ gewesen und würden dessen Politik „widersprechen“. Sein Koalitionspartner und Minister für Innere Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, meinte gar: „Der Gazastreifen braucht kein Verwaltungsgremium – er muss von Hamas-Terroristen gesäubert werden.“
Trump reagierte offenbar, indem er Netanjahu am Montag einen Gratis-Sitz im Friedensrat anbot. Von allen anderen Staatschefs verlangt der US-Präsident dagegen eine Gebühr von einer Milliarde Dollar für eine dreijährige Mitgliedschaft. Auch das ist ein Grund, warum bisher nur Orbán zugesagt hat.
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