Anlauf für Rente mit 70 sorgt in Deutschland für Wirbel
Sie waren viele, sie sind viele, und sie gehen jetzt reihenweise in Rente – die Babyboomer bringen die staatlichen Pensionssysteme in eine gehörige Schieflage. In vielen Staaten Europas wird daher heftig darum gerungen, wie man am besten gegensteuern kann. Und meist wird dabei auf eine Anhebung des Antrittsalters geschielt. So auch jetzt bei der von der deutschen schwarz-roten Regierung eingesetzten Renten-Kommission. Diese erwägt laut "Bildzeitung", den frühestmöglich Übertritt in den Ruhestand auf 70 Jahre hochzuschrauben – und sorgt damit auch für Kritik.
Dem Bericht zu Folge soll das 13-köpfige Expertengremium bei seiner nächsten Sitzung am kommenden Montag diesen Vorschlag debattieren. Angeblich soll vor allem mit zwei Maßnahmen die Anhebung auf 70 erreicht werden. Zum einen durch Abschläge bei einem früheren Renteneintritt, und im Gegenzug dazu soll der finanzielle Anreiz für ein längeres Verbleiben im Job „sehr großzügig“ ausfallen. Darüber hinaus solle die private und betriebliche Altersvorsorge stärker durch Aktien unterstützt werden.
30 Prozent aller Sozialausgaben
Aktuell zahlen Arbeitgeber, Arbeitnehmer und der Bund insgesamt weit mehr als 408 Milliarden Euro an die Kassen der gesetzlichen Rentenversicherer. Das sind bereits rund 30 Prozent aller Sozialausgaben. Tendenz steigend. Deshalb wurde in der Bundesrepublik schon vor einiger Zeit die Rente mit 67 Jahren beschlossen, schrittweise wird dieses Antrittsalter bis 2031 erreicht.
Und dabei solle es laut Sozialdemokraten auch bleiben. Denn eine Anhebung der Schwelle bedeute nichts anderes als eine Rentenkürzung, sagte SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf, der dem linken Parteiflügel zuzurechnen ist. Kritiker der angedachten Verschärfung führen zudem ins Treffen, dass eine pauschale Erhöhung des Renteneintrittsalters die unterschiedlichen Belastungen in den einzelnen Berufssparten nicht berücksichtige.
SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf ist gegen ein höheres Renteneintrittsalter
Ganz anderes sehen das Teile des SPD-Koalitionspartners. Johannes Winkel von der „Jungen Union“ etwa fordert seit Monaten mutigere Reformschritte, die bisherigen Pläne von Schwarz-Rot würden zu Lasten der jungen Generation gehen. Und dann weiter Richtung Sozialdemokratien: „Gerade die SPD macht Politik“, als gäbe es den demografischen Wandel nicht, „das ist fern jeder Realität.“
Johannes Winkel von der „Jungen Union“ drängt auf mutige Reformschritte im Renten- und Pensionssystem
Bei den Grünen ist man für dieses Argument allerdings zugänglicher. „Die Lebenserwartung wird absehbar weiter steigen. Ist es dann nicht denkbar, einen Teil der gewonnenen Lebenszeit im Erwerbsleben zu verbringen? Darüber sollten wir nachdenken“, meint Grünen-Chef Felix Banaszak.
Sollte das Rentenantrittsalter mit 70 Jahren mehrheitsfähig werden, würde Deutschland dem dänischen Modell folgen: Dort wurde im Mai des Vorjahres dieses Vorhaben schrittweise auf den Weg gebracht – bis 2040 heißt es dann für alle Beschäftigten: Arbeiten bis zu Vollendung des siebenten Lebensjahrzehnts.
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