Zwei Tornado-Kampfjets vom Luftwaffenstützpunt Jagel, Deutschland.

© Deleted - 1065591

Deutschland
12/02/2015

Nur jeder zweite Tornado ist überhaupt einsatzbereit

Deutschland will ab Jänner Aufklärungs-Tornados nach Syrien schicken, doch es gibt Probleme.

Die Bundeswehr will Tornado-Flugzeuge in den Luftkrieg gegen die Terrororganisation Islamischer Staat schicken, aber nicht einmal jeder zweite Jet ist einsatzbereit, berichtet die dpa.

Nach einem Bericht des Verteidigungsministeriums zum Zustand der Hauptwaffensysteme sind bei der Luftwaffe von 93 angeschafften Tornados 66 in Betrieb und davon wiederum nur 29 einsatzbereit. Das sind noch weniger als bei der entsprechenden Untersuchung vor einem Jahr, damals waren noch 38 Jets für einen Einsatz verfügbar.

Problem Ersatzteilversorgung

Der Bericht steht an diesem Mittwoch auf der Tagesordnung des Bundestags-Verteidigungsausschusses - ausgerechnet kurz vor der ersten Debatte über den Einsatz von bis zu sechs Aufklärungs-Tornados im Kampf gegen den IS. Die mangelnde Einsatzbereitschaft wird in dem 81-seitigen Papier, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, unter anderem auf die „mangelnde Verfügbarkeit verschiedener Ersatzteile“ zurückgeführt.

Im vergangenen Jahr hatte der Mängelbericht zu einer großen Debatte über den Zustand der Bundeswehr-Ausrüstung geführt. „Die Lage der fliegenden Systeme bleibt unbefriedigend“, urteilt Generalinspekteur Volker Wieker in dem aktuellen Bericht. 117 Maßnahmen seien ergriffen worden, und 5,6 Milliarden Euro sind für einen Zeitraum von zehn Jahren dafür veranschlagt. „Rasche Erfolge konnten nicht erwartet werden“, schreibt Wieker. Die Maßnahmen würden erst mittelfristig Wirkung entfalten.

Über das Papier zur Einsatzbereitschaft hatte zuerst die Bild am Sonntag berichtet.

Einsatz erst ab Jänner

Die Aufklärungs-Tornados der deutschen Bundeswehr stehen voraussichtlich erst im Jänner für den Syrien-Einsatz zur Verfügung. Hintergrund sei, dass sich die zugehörige Auswertungseinheit mit ihrer Ausrüstung wegen eines Großmanövers noch in Spanien befinde, sagte der Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums, Jens Flosdorff, am Dienstag in Berlin.

Deswegen könne die Aufklärungsmission "erst mit einiger Verzögerung stattfinden". Gleichwohl sollten nach einem entsprechenden Beschluss des Bundestages bereits in der kommenden Woche zwei der sogenannten Recce-Tornados auf den türkischen NATO-Stützpunkt Incirlik verlegt werden, sagte Flosdorff weiter. Gleiches gelte für den ebenfalls für den Syrien-Einsatz vorgesehenen Bundeswehr-Airbus zur Luftbetankung. Dieser wäre dann auch "das Element, was als erstes in den Einsatz gehen könnte". Insgesamt ist laut Flosdorff die Entsendung von sechs Tornado-Kampfflugzeugen nach Incirlik vorgesehen, von denen sich vier jeweils paarweise abwechseln sollen. Die verbleibenden zwei Maschinen seien als Reserve zum Beispiel für notwendige Reparaturen vorgesehen.

Das Flugzeug

Der Tornado ist ein Gemeinschaftprojekt von Großbritannien, Deutschland und Italien. Die beteiligten Konzerne British Aircraft Coperation, Messerschmitt-Bölkow-Blohm und Fiat gründeten die Herstellerfirma Panavia mit Sitz in München. Der Erstflug fand am 14. August 1974 in Manching statt, 1976 erhielt das bis dahin als MRCA bezeichnete Flugzeug den Namen Tornado. Die Kosten pro Flugzeug wurden damals mit 29,2 Millionen DM angegeben. Der erste Tornado wurde 1980 an die britische Luftwaffe ausgeliefert.

Die Aufklärungs-Tornados "Recce" (der Beiname leitet sich vom englischen Reconnaissance, zu deutsch "Aufklärung" ab) der deutschen Luftwaffe sind in Jagel stationiert und gehören zum 51. Taktischen Luftwaffengeschwader.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.