Politik | Ausland
03.09.2018

Chemnitz: Zehntausende zu Solidaritätskonzert erwartet

Nacht auf Montag ruhig verlaufen, Lage für den Nachmittag laut Polizei "unüberschaubar".

Nach den Demonstrationen vom Wochenende ist die Nacht zu Montag in Chemnitz nach Angaben der Polizei ruhig geblieben. Es sei zu keinen Straftaten gekommen, die mit den Demonstrationen und Ereignissen der vergangenen Woche in Verbindung stehen, sagte eine Sprecherin der Polizei am. Wie sich die Lage am Montagnachmittag entwickeln wird, sei noch völlig unüberschaubar.

Am Nachmittag erwartet Chemnitz gleich die nächste Großveranstaltung: Unter dem Motto „#wir sind mehr“ steigt ein Gratis-Konzert gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt. Man könne nicht genau vorhersagen, wie viele Menschen zu dem Konzert nach Chemnitz kommen werden, sagte die Sprecherin. Angesichts der vielen Anmeldungen in sozialen Netzwerken könne man aber von einigen Zehntausend Besuchern ausgehen.

Bei dem Konzert um 17 Uhr spielen Bands wie Kraftklub, Die Toten Hosen Feine Sahne Fischfilet oder Rapper wie K.I.Z, Marteria oder Trettmann. Wegen der großen Resonanz haben die Organisatoren den Veranstaltungsort verlegt. Das Konzert soll auf einem großen Parkplatz zwischen Hauptbahnhof, Marx-Denkmal und Rathaus stattfinden.

Am Samstag war es in Chemnitz erneut zu mehreren Kundgebungen gekommen. Auslöser war der mutmaßliche Mord an einem 35 Jahre alten Deutschen durch zwei Asylwerber. Der Polizei zufolge standen 8000 Teilnehmern an rechtsgerichteten Protesten 3000 Gegendemonstranten gegenüber. Dabei kam es auch zu Auseinandersetzungen. Laut Polizei wurden 18 Menschen verletzt, darunter drei Beamte. Etwa 1800 Beamte waren im Einsatz. Unterstützung bekamen die sächsischen Polizisten von Beamten aus anderen Bundesländern und der Bundespolizei - nachdem sie bei vorherigen Einsätzen unterbesetzt waren.

Demonstrationen in Chemnitz

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Beobachtung der AfD durch Verfassungsschutz?

Bei der Demonstration der rechten Szene marschierten Politiker der AfD und Anhänger des islamfeindlichen Pegida-Bündnisses sowie der rechtspopulistischen Bürgerbewegung Pro Chemnitz gemeinsam durch die Stadt. Kontrovers wird in den anderen, im Bundestag vertretenen Parteien über eine Beobachtung der AfD - oder Teilen davon - durch den Verfassungsschutz diskutiert. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sieht aktuell keine Grundlage für eine flächendeckende Beobachtung der AfD durch den Verfassungsschutz, wie er der Funke Mediengruppe sagte.

Sachsens Vize-Ministerpräsident und Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) sagte der Welt, mit ihrem sogenannten Trauermarsch am Samstag in Chemnitz bezwecke die AfD „Ideologie und Propaganda“. Die Bilder und Töne, die in den Medien zu sehen und zu hören gewesen seien, zeigten dies. „Die, die den „Trauermarsch“ angemeldet hatten, haben keine ehrlichen Motive - im Gegensatz zu manchem Chemnitzer, der aus ehrlicher Betroffenheit, aus Wut oder aus Sorgen mitgelaufen ist.“