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Ceuta-Krise: Nicht jeder will zurückkehren

73.500 Migranten sollen die spanische Exklave bereits freiwillig verlassen haben. Unklar ist jedoch, was mit unbegleiteten Minderjährigen passiert.
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Auf den ersten Blick schien am Sonntag wieder etwas Normalität in die spanische Exklave Ceuta zurückzukehren. Am Grenzübergang Tarajal zu Marokko wurden keine Übertritte gemeldet. Eine kleine Gruppe versuchte zwar schwimmend das Gebiet Spaniens zu erreichen, wurde jedoch von der Armee aufgehalten. Geschäfte, Kaffeehäuser und Restaurants der autonomen Stadt öffneten wieder, das städtische Umweltamt begann, die Straßen aufzuräumen.

Und doch sind die Spuren der wohl schwersten Migrationskrise der jüngeren spanischen Geschichte noch da: Boote suchten nach Ertrunkenen im Meer. Bis zum Nachmittag wurden offiziell 72 Todesopfer von der Regierung bestätigt. Die Behörden in Ceuta sprachen sogar von 88 Toten in der Leichenhalle. Der Massenansturm auf Ceuta vom Donnerstag ist damit laut Medienberichten der tödlichste Vorfall an einer spanischen Grenze überhaupt.

Nicht alle sind zurückgekehrt

Polizisten und die Armee – Madrid hat 3.000 Soldaten entsendet – patrouillierten am Sonntag weiterhin in den Straßen. Sie sollen nach Angaben des Innenministeriums „so lange wie nötig“ dort bleiben. 

Zwar sind Zehntausende Menschen, die vor allem am Donnerstag innerhalb weniger Stunden nach Spanien gelangen wollten, mittlerweile nach Marokko zurückgekehrt: Nachdem am Freitag von mindestens 48.000 Rückkehrern die Rede war, schätzte die Polizei ihre Zahl am Sonntag sogar auf 73.500 – darin enthalten sind auch Ankömmlinge der Tage zuvor und Menschen, die mehrfach ein- und ausgereist waren.

Doch nicht alle haben ihr Ziel aufgegeben, in Spanien zu bleiben. Laut der Rechtsaußen-Partei Vox würden sich weiterhin „Tausende und Abertausende“ Migranten in Ceuta aufhalten. Auch Regionalpräsident Juan Jesús Vivas von der konservativen Volkspartei (PP) bezifferte die Zahl der noch in Ceuta gebliebenen Migranten „auf Tausende“.

Keine klaren Zahlen

Unabhängig überprüfen lässt sich das nicht. Klar ist allerdings, dass Aufnahmezentren in Ceuta bereits vor Donnerstag eine starke Überbelegung gemeldet hatten. Spaniens öffentlich-rechtlicher Rundfunk RTVE sprach am Sonntag von einigen hundert Migranten, die sich noch in der Stadt aufhalten würden. Wie Journalisten von vor Ort berichten, versteckten sich Menschen verschiedener Nationalitäten in der Stadt und in den umliegenden Hügeln vor den Beamten. Laut Polizeiquellen gegenüber der Nachrichtenagentur EFE lässt sich die genaue Zahl der Personen, die die Stadt nicht verlassen wollen, nur schwer beziffern. 

Die Regierung in Madrid machte keine genauere Angabe zur gesamten Zahl der Rückkehrer. „Wir werden sie bekannt geben, sobald sie uns vorliegt“, sagte ein Sprecher am Sonntag zu Journalisten. Man werde aber daran arbeiten, die Verfahren der noch in Ceuta Verbliebenen zu beschleunigen, um Rückführungen „so schnell wie möglich“ durchzuführen. Premier Pedro Sánchez hatte zuvor angekündigt, sich auf mit Marokko unterzeichnete Migrationsabkommen zu stützen, um illegal Eingereiste zurückzuschicken.

Migrants cross into the Spanish enclave of Ceuta

Tausende Menschen schwammen über die Grenze von El Tarajal nach Spanien. Mindestens 72 Menschen überlebten die gefährliche Reise nicht.

Unbegleitete Minderjährige

Besonders heikel ist dabei die Situation unbegleiteter Minderjähriger. Auch hier gibt es keine offiziellen Zahlen. Schätzungen gingen von bis zu 7.000 unter 18-Jährigen aus, die nach Ceuta gelangten – wie viele davon noch in der Stadt sind, ist unklar. 

Für sie gelten besondere Schutzbestimmungen, etwa, dass sie in eigenen Einrichtungen untergebracht werden müssen. Das Problem: Ceuta verfügt offiziell über nur 27 solcher Plätze. Bis Mittwoch - also noch bevor die allermeisten Menschen ankamen - waren dort aber bereits 750 untergebracht. Nun dürfte der Bedarf noch einmal deutlich gestiegen sein.

In solchen Fällen müssten unbegleitete Minderjährige eigentlich auf andere autonome Regionen Spaniens verteilt werden. In einigen davon liegt die Zuständigkeit jedoch nach jüngsten Wahlen bei Ministern der rechtspopulistischen Vox-Partei, die vor zwei Jahren wegen genau dieses Themas ihre lokalen Regierungsbündnisse mit der Volkspartei aufgekündigt hatte.

Auch diesmal ist Konflikt vorprogrammiert: Vox-Parteichef Santiago Abascal, der am Sonntagmittag nach Ceuta gereist ist, fordert angesichts der jüngsten Ereignisse nicht nur „drastische“ Maßnahmen und verlangte die „permanente Militarisierung der Grenze“ sowie die „dauerhafte Schließung des Grenzübergangs, bis Marokko uns Garantien gibt, dass dies nicht wieder vorkommt“. Er schoss auch verbal gegen Ministerpräsident Sánchez, der „mit seinen Vorschlägen zur Massenregularisierung (...) diese Art von Ereignissen provoziert“ habe.

Auch die Volkspartei von Oppositionsführer Alberto Núñez Feijóo gibt der linken Zentralregierung die alleinige Schuld an dem Ansturm und spricht von einer „Invasion“. 

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