Politik | Ausland
02.08.2018

Aufregung in AfD um Bezeichnung von Hitler-Attentäter als "Verräter"

Niedersächsischer Landeschef der AfD-Jugendorganisation sprach von "beschämendem Versuch eines Feiglings".

Der niedersächsische Landeschef der AfD-Jugendorganisation Junge Alternative (JA), Lars Steinke, hat mit Äußerungen zur nationalsozialistischen Vergangenheit Deutschlands auch innerhalb der eigenen Partei heftige Kritik ausgelöst. Steinke hatte zuvor den Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg in einem Facebook-Beitrag als "Verräter" bezeichnet.

Er bestätigte der Tageszeitung Die Welt (Donnerstag), er habe den Text selbst verfasst und auch selbst auf seiner privaten, nicht öffentlich einsehbaren Facebookseite gepostet. Auch auf dpa-Anfrage gestand Steinke den Beitrag ein und sagte, dieser sei nur von mit ihm befreundeten Facebook-Nutzern zu lesen. Der AfD-Landesvorstand kritisierte den Beitrag "mit Befremden".

Gauland für Ausschluss Steinkes

Der deutsche AfD-Chef Alexander Gauland sprach sich für einen Parteiausschluss Steinkes aus. Dessen Facebook-Äußerung ist für Gauland "bodenloser Schwachsinn", wie ein Sprecher ihn bei Twitter zitierte. " Stauffenberg ist ein Held der deutschen Geschichte."

In dem Facebook-Beitrag heißt es demnach, das gescheiterte Attentat auf Hitler sei "der beschämende Versuch eines Feiglings" gewesen, "die eigene Haut vor dem kommenden Sieger zu retten". Am 20. Juli 1944 hatte Stauffenberg eine Bombe in unmittelbarer Nähe Hitlers platziert, doch überlebte der Diktator die Explosion nur leicht verletzt. Stauffenberg und seine vier engsten Mitverschwörer wurden noch in der folgenden Nacht hingerichtet.

Partei distanziert sich

"Der Landesvorstand stellt hierzu klar, dass diese Meinung in all ihrer Absurdität weder die Meinung des Landesvorstandes der AfD-Niedersachsen widerspiegelt, noch die der AfD insgesamt", teilte die Partei mit. Auch der JA-Bundesvorstand distanzierte sich von Steinke. "Der Text Lars Steinkes widerspricht eklatant den Wertvorstellungen der Jungen Alternative für Deutschland", erklärte JA-Bundeschef Damian Lohr am Donnerstag in einer Mitteilung. Der JA-Vorstand werde mit dem AfD-Vorstand über mögliche Konsequenzen beraten.

AfD-Parteichef Jörg Meuthen hat die Aussagen Steinkes über den Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg als "komplett inakzeptabel" kritisiert. Die Äußerungen von Steinke belegten "ein absurdes Geschichtsverständnis und haben in der AfD absolut nichts zu suchen", erklärte Meuthen am Donnerstag. Der Bundesvorstand werde sich zu Beginn der kommenden Woche mit der Angelegenheit befassen.