Jüdisch-orthodoxe Beschneidung sorgt für Krach zwischen USA und Belgien

Der US-Botschafter in Belgien, ein enger Freund Trumps, wütet öffentlich über die Anklage gegen jüdisch-orthodoxe Beschneider.
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Er ist ein Freund und Förderer Donald Trumps und pflegt einen Tonfall ähnlich deutlich wie der US-Präsident. "Stoppen Sie sofort diese lächerliche und antisemitische Verfolgung", schrieb Bill White vor wenigen Tagen auf dem Sozialen Netzwerk X - gemeint war damit eine Anklage gegen orthodoxe Beschneider in Antwerpen.

Die Attacke hat einiges politisches Gewicht. Schließlich ist der New Yorker US-Botschafter in Belgien und sein öffentlicher Ärger, der natürlich von diplomatischem Tauziehen im Hintergrund begleitet ist, richtet sich direkt gegen die belgische Justiz und Regierung. Auch an Belgiens Gesundheitsminister Vandenbroucke hat sich der US-Diplomat bereits gewendet.

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US-Botschafter Bill White

 

Orthodoxes Ritual der Beschneidung

Der ist schließlich zuständig für das in Belgien geltende Verbot der Brit Mila, des jüdischen Rituals der Beschneidung von Neugeborenen - zumindest in der Form, wie es orthodoxe Juden praktizieren. Dabei wird einem männlichen Baby acht Tage nach der Geburt die Vorhaut des Penis abgetrennt. Durchgeführt wird die Prozedur von einem Mohel, also einem eigens dafür ausgebildeten Beschneider. Wenn dieser allerdings kein Arzt ist, ist ihm dieser Eingriff eigentlich untersagt, da es sich um eine Körperverletzung handelt, die ohne Zustimmung des Betroffenen erfolgt. Außerdem umfasst das Ritual, wie es viele orthodoxe Juden pflegen, auch Vorschriften, die laut Gesetz als unhygienisch und gesundheitsgefährdend gelten.

Belgiens Behörden führten sogar Razzien durch

Die flämischen Behörden, zuständig für die kleine jüdische Gemeinde in Antwerpen, legen das Gesetz sehr streng aus und haben daher gegen sechs Beschneider Anklage erhoben. Es gab polizeiliche Razzien in deren Wohnhäusern. Die und auch die verantwortlichen Rabbiner bestreiten allerdings, das Ritual in der umstrittenen Version ausgeführt zu haben. Ungeachtet dessen sollen die Beschneider noch vor dem Sommer vor Gericht gestellt werden.

"Falsch, beleidigend und inakzeptabel" 

Das will der US-Botschafter mit allen diplomatischen Mitteln verhindern. Die politische Empörung zieht inzwischen weite Kreise. Bill White wurde ins belgische Außenministerium zitiert. Belgiens Außenminister Maxime Prevot hatte ihn bereits vorher schriftlich wissen lassen, dass sein Vorgehen - "persönliche Attacken gegen einen Minister und das Eingreifen in Angelegenheiten der Justiz" - gegen alle Normen der Diplomatie verstoße. "Jede Behauptung, dass Belgien antisemitisch ist, ist falsch, beleidigend und inakzeptabel", hieß es. 

Israels Regierung hat sich ebenfalls bereits zu Wort gemeldet und stellt sich demonstrativ hinter den US-Botschafter. White bezeichnet sich selbst als strenggläubiger Katholik mit jüdischen Wurzeln.

Auch in Österreich juristisch umstritten, aber "straffrei"

Das jüdische Ritual der Beschneidung sorgt immer wieder in einigen Ländern Europas für Debatten. Auch in Deutschland und Österreich gab es Juristen, die strengere Vorschriften für die Zeremonie forderten. Österreichs Justizbehörden erklärten den religiös motivierten Eingriff schließlich als nicht ausdrücklich gesetzlich geregelt, "nach herrschender Lehre aber straffrei". Das es sich dabei um eine Körperverletzung handle, sei allerdings nicht grundsätzlich auszuschließen, hieß es.

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