USA: Angriff mit Flammernwerfer auf jüdische Demo

Die Polizei untersucht einen Angriff in Boulder, bei dem mehrere Menschen verletzt wurden.
Bei einem Angriff auf eine Kundgebung jüdischer Aktivisten im US-Staat Colorado wurden mehrere Menschen verletzt.

Zusammenfassung

  • Gewalttat gegen Juden in Boulder, Colorado, mit mehreren Verletzten; FBI und lokale Polizei ermitteln.
  • Angriff während Kundgebung zur Erinnerung an Hamas-Geiseln; Molotow-Cocktail eingesetzt.
  • Außenminister Rubio verurteilt die Tat als 'gezielten Terroranschlag'; Präsident Trump informiert.

Knapp zwei Wochen nach dem tödlichen Angriff vor dem Jüdischen Museum in Washington ist es in den USA zu einer neuen Gewalttat gegen Juden gekommen. Bei einem Angriff auf eine Kundgebung jüdischer Aktivisten in Boulder im US-Staat Colorado wurden laut Behörden mehrere Menschen verletzt. Die Opfer, vier Frauen und vier Männer, sind nach Polizeiangaben zwischen 52 und 88 Jahre alt.

Der Angriff ereignete sich am Sonntagnachmittag während des jüdischen Feiertags Shavuot, der 50 Tage nach dem Pessachfest begangen wird und als Vorgänger des christlichen Pfingsten gilt. Der 45 Jahre alte Tatverdächtige wurde später vor Ort festgenommen. 

"Schluss mit den Zionisten"

Zeugen zufolge hat der Täter bei dem Vorfall in der Fußgängerzone in Boulder einen behelfsmäßigen Flammenwerfer benutzt, einen Brandsatz auf Demonstranten geworfen und während der Attacke "Free Palestine" gerufen. 

In einer Aufnahme von dem Angriff ist ein Mann ohne Hemd zu sehen, der durchsichtige Flaschen in den Händen hält, während das vor ihm befindliche Gras in Flammen steht. In dem Video ist zu hören, wie er Slogans wie "Schluss mit den Zionisten", "Palästina ist frei" und "Sie sind Mörder" in Richtung mehrerer Menschen skandiert, die einen am Boden liegenden Menschen versorgen. Auf weiteren Aufnahmen sind schwarze Rauchschwaden über einem Park zu sehen.

Die Bundespolizei FBI stufte den Angriff als "gezielten Terroranschlag" ein. "Wir sind uns eines gezielten Terroranschlags in Boulder, Colorado, bewusst", erklärte FBI-Chef Kash Patel bei X. Die Bundespolizei führe eine umfassende Untersuchung aus.

Geheimdienstkoordinatorin: Angriff galt jüdischer Gemeinde

US-Geheimdienstkoordinatorin Tulsi Gabbard sprach auf X von einem "gezielten Terrorangriff auf ein wöchentliches Treffen von Mitgliedern der jüdischen Gemeinde". Diese hatten sich demnach versammelt, um auf das Schicksal der israelischen Geiseln aufmerksam zu machen, die nach dem Terrorangriff der islamistischen Hamas auf Israel im Oktober 2023 in den Gazastreifen entführt wurden und dort noch immer festgehalten werden

Israelische Medien berichteten, Ziel des Angriffs sei ein Solidaritätsmarsch für die 58 Geiseln gewesen. "Wir sind zutiefst erschüttert über den tragischen Angriff in Colorado und sprechen allen Betroffenen unser tiefstes Mitgefühl aus", teilte das israelische Forum der Geiselfamilien mit. "Unsere Gedanken sind bei den Verletzten, ihren Angehörigen und der gesamten Gemeinschaft, die von diesem sinnlosen Akt der Gewalt erschüttert wurde."

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu verurteilte den Angriff als antisemitisch. "Die Opfer wurden einfach angegriffen, weil sie Juden waren", erklärte er. Er vertraue darauf, dass die US-Behörden "den kaltblütigen Täter mit der vollen Härte des Gesetzes verfolgen" werden. Die antisemitischen Angriffe weltweit seien "eine direkte Folge von Blutlügen gegen den jüdischen Staat und das jüdische Volk", so Netanyahu.

Der örtliche Polizeichef Steve Redfearn sagte in einer ersten Pressekonferenz zunächst, die Ermittler prüften, ob der Angriff einer friedlich demonstrierenden, proisraelischen Gruppe gegolten habe oder anderen Personen. Es sei noch viel zu früh, um über das Motiv zu spekulieren, sagte er. "Wir sprechen zum jetzigen Zeitpunkt nicht von einem Terrorangriff."

Trump informiert

Das Weiße Haus erklärte, Präsident Donald Trump sei über den Vorfall informiert worden. Außenminister Rubio bezeichnete den Angriff als "gezielten Terroranschlag". "Terror hat keinen Platz in unserem großartigen Land", erklärte Rubio.

Colorados demokratischer Gouverneur Jared Polis sprach den Betroffenen und Verletzten seine Anteilnahme aus. Seine Gedanken seien bei den Menschen, "die bei diesem hasserfüllten Terrorakt verletzt" worden seien, schrieb er bei X.

Israels Botschafter bei den Vereinten Nationen, Danny Danon, äußerte sich nach dem Vorfall empört. Der "Terrorismus gegen Juden" mache nicht "an der Grenze zum Gazastreifen Halt", erklärte er. "Er brennt bereits in den Straßen Amerikas.

"Heute haben jüdische Menschen in Boulder mit einer moralischen und humanen Forderung demonstriert: die Rückgabe der Geiseln. Daraufhin wurden die jüdischen Demonstranten brutal angegriffen, wobei ein Angreifer einen Molotow-Cocktail auf sie warf", erklärte er und fügte hinzu: "Das ist kein politischer Protest, das ist Terrorismus".

"Angriff auf uns alle"

Die Organisation Israeli American Council verurteilte die Tat als "Angriff auf uns alle". Während eines friedlichen Marsches zur Unterstützung der Geiseln im Gazastreifen sei die jüdische Gemeinschaft erneut "Ziel eines gewalttätigen, antisemitischen Angriffs" geworden, hieß es in einer Erklärung.

Die Tat in Boulder ereignete sich nur knapp zwei Wochen nach einem tödlichen Angriff vor dem Jüdischen Museum in Washington. Dort hatte ein bewaffneter Angreifer Mitte Mai den Deutsch-Israeli Yaron Lischinsky und die US-Bürgerin Sarah Lynn Milgrim getötet. Die Tat löste international Entsetzen aus. Der mutmaßliche Täter hatte bei seiner Festnahme "Free, free Palestine" skandiert.

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