G wie Grüner Reisen 1/2: Wie das Reisen nachhaltiger werden kann
Reisen beginnt mit dem Wegfahren. Oder eigentlich zuvor, mit dem Nachdenken, womit man ans Ziel kommt – bei An- und Abreise entsteht der größte Teil der Treibhausgas-Emissionen. Axel Halbhuber, Lea Moser und Stefan Hofer widmen sich in der aktuellen Folge der Frage, wie man grüner reisen kann. Welches Verkehrsmittel schneidet wie gut (oder schlecht) ab? Was können Regionen tun? Wo findet man good practice Beispiele? Wie sinnvoll ist CO₂-Kompensation?
CO2-Ausstoß am Beispiel Wien-Hamburg
Wir wollten unter anderem wissen, welches Verkehrsmittel – bei ein und demselben Ziel – wie abschneidet. Sarah Siemers, Co-Leiterin der Kompetenzstelle Klimaneutralität an der Universität für Bodenkultur in Wien, hat das am Beispiel Wien–Hamburg–Wien genau errechnet. Fazit: Empfehlenswert in Sachen -Ausstoß ist die Bahnfahrt, am schlechtesten schneidet die Flugreise ab (siehe Grafik). Für Siemers steht die Reduktion von Emissionen an erster Stelle. „Klimaschutzbeiträge sollten kein Freibrief zum Emittieren sein, sondern eine zusätzliche Form von Verantwortung darstellen.“ Es wird auch der Frage nachgegangen, was es mit -Rechnern auf sich hat und wie sich die Wahl der Unterkunft auf den ökologischen Fußabdruck eines Urlaubs auswirkt.
CO2-Emissionen am Beispiel eine Reise von Wien nach Hamburg (und retour)
Flug (Hin und Retour)
• 0,435 t CO₂-Äquivalente (CO₂e)
Hier wurde mit einer Strecke von 767,5 km pro Richtung gerechnet
Pkw (Hin und Retour)
Für die Berechnung wurde eine Strecke von rund 975 km pro Richtung über Tschechien angenommen. Die Emissionen hängen vom Antrieb beziehungsweise Kraftstofftyp ab.
• Pkw (Verbrenner - Kraftstoff unbekannt): 0,440 t CO₂e
• E-Pkw: 0,206 t CO₂e
Fernbus (Hin und Retour)
• 0,095 t CO₂e
Hier wurde dieselbe Strecke wie für die Pkw Berechnung angenommen.
Bahn (Hin und Retour)
Für die Bahn wurde eine Strecke von Wien über Salzburg und München nach Hamburg mit insgesamt rund 1.237 km pro Richtung angenommen.
• Gesamt: 0,054 t CO₂e pro Person
Die Berechnung basiert auf einer Aufteilung der Bahnstrecke nach Ländern:
• Österreich (624 km Hin und Retour): 0,0056 t CO₂e
• Deutschland (ca. 1.850 km Hin und Retour): 0,0481 t CO₂e
Mit Ausnahme des deutschen Bahnabschnitts wurden für die Berechnungen die Emissionsfaktoren des Umweltbundesamts Österreich herangezogen.
Zur Einordnung der Ergebnisse liefert Sarah Siemers folgende Hintergrundinformationen: Die Emissionen einer Flugreise und einer Pkw Fahrt mit nur einer Person liegen auf dieser Strecke in einer ähnlichen Größenordnung. Das liegt nicht daran, dass Fliegen besonders klimafreundlich wäre, sondern an zwei gegenläufigen Effekten: Einerseits ist die mit dem Pkw zurückgelegte Strecke mit rund 975 km pro Richtung deutlich länger als die angenommene Flugdistanz von rund 767 km pro Richtung. Andererseits liegt der verwendete Emissionsfaktor für den Flugverkehr mit 0,283 kg CO₂e pro Personenkilometer rund 23 % über dem Faktor eines Pkw mit Verbrennungsmotor. Diese beiden Effekte gleichen sich in der Beispielrechnung weitgehend aus. Zu beachten ist außerdem, dass die Berechnung von einem Direktflug ausgeht. Bei einem Flug mit Umstieg würden die Emissionen aufgrund der zusätzlichen Flugstrecke und insbesondere der energieintensiven Start und Landevorgänge höher ausfallen. Besonders deutlich wird der Unterschied im Vergleich zur Bahn. Die Bahn verursacht auf dieser Strecke lediglich rund 0,054 t CO₂e und damit nur etwa ein Achtel der Emissionen einer Flugreise beziehungsweise einer Pkw Fahrt mit einer Person.
Quellen:
• Umweltbundesamt Österreich. Emissionskennzahlen Verkehrsmittel: https://www.umweltbundesamt.at/fileadmin/site/themen/mobilitaet/daten/ekz_pkm_tkm_verkehrsmittel.pdf
• Umweltbundesamt Österreich. Emissionsfaktoren Verkehrsmittel: https://www.umweltbundesamt.at/umweltthemen/mobilitaet/mobilitaetsdaten/emissionsfaktoren-verkehrsmittel
• Umweltbundesamt Deutschland. Treibhausgasemissionen im Personenverkehr: https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/366/bilder/dateien/vtv_2024_pv_tab_pdf.pdf
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