Spritpreisbremse: Das Imagedesaster der OMV

Trotz strikter Anordnung von Noch-Konzernchef Stern nicht eingehalten – Alleingang eines Vorstands, auch Belegschaft empört.
Andrea Hodoschek
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Gäbe es ein Ranking der unbeliebtesten Unternehmen in Österreich, wäre die OMV unangefochten auf dem Spitzenplatz. Der teilstaatliche Öl- und Gaskonzern manövrierte sich mit dem Reizthema Spritpreisbremse in ein beispielloses Imagedesaster. Das halbe Land fiel über das Unternehmen her, Kunden, Politik und Interessensvertretungen überboten einander im OMV-Bashing.

Am Donnerstag erklärte die OMV, die Spritpreisbremse wieder voll umzusetzen, aber da war der Schaden schon längst passiert. Gierig, unsympathisch, die Energiekrise ausnutzen, den Konsumenten auf der Nase herumtanzen, Abmachungen nicht einhalten, um weiter Milliardengewinne zu scheffeln – alle gängigen Vorurteile gegenüber der Mineralölindustrie wurden strapaziert.

Die Empörung ist allerdings nicht ganz unverständlich. Wegen des Iran-Kriegs galoppieren die Treibstoffkosten davon, Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) verordnete eine Spritpreisbremse, gültig seit 1. April. Die Bremse soll Treibstoff an den Tankstellen um zehn Cent verbilligen. Der Staat reduziert die Mineralölsteuer um fünf Cent je Liter, die Konzerne sollten auf fünf Cent ihrer Gewinnmarge verzichten.

Erst als ein angefressener Kunde das Schreiben einer OMV-Verkaufsmanagerin an den ORF weiter gab, wurde publik, dass sich ausgerechnet der Marktführer nicht an die Verordnung hielt. Ab 13. April wurde der Abzug von fünf Cent für Diesel auf 2,84 Cent „angepasst“.

Mehr brauchte es nicht. Ein sehr verärgerter Hattmannsdorfer kündigte eine Sonderprüfung der Regulierungsbehörde E-Control an, Vizekanzler und SPÖ-Chef Andras Babler richtete der OMV aus, der Konzern „muss sich an Gesetze halten“, ÖGB und AK schossen scharf gegen die OMV. SPÖ-Vertreter forderten die Staatsholding ÖBAG zum Handeln auf, doch diese hielt still.

Alfred Stern

Noch-OMV-Chef Alfred Stern

Wie konnte Österreichs größtem Industrieunternehmen so ein Malheur überhaupt passieren? Wo doch Noch-OMV-Chef Alfred Stern als absolut korrekter Manager gilt, der sich an Vereinbarungen zu halten pflegt.

Stern hatte intern auch vorgegeben, dass die Verordnung akribisch einzuhalten sei. Diese Botschaft dürfte jedoch beim für den Bereich Fuel zuständigen Vorstand Martijn Arjen van Koten nicht angekommen sein. Oder wurde übersehen. Jedenfalls passierte das Missgeschick in dieser Abteilung. Der Brief an die Kunden ging unabgestimmt hinaus.

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Fuel-Vorstand Martijn Arjen van Koten 

Die anderen Vorstände und vor allem der CEO waren über diesen Alleingang nicht informiert. Wie man aus dem Unternehmen hört, soll der sonst als ruhig und besonnen bekannte Stern sehr verärgert gewesen sein. Es wurde sofort eine außerordentliche Vorstandssitzung einberufen. Auch die Belegschaft der OMV ist durchwegs empört. „Das ist ein Skandal, so sind wir doch nicht, dass wir tricksen“, regen sich verärgerte Mitarbeiter auf.

Eine interne Intrige?

Oder handelte es sich womöglich gar um eine weitere Intrige? Grabenkämpfe sind in der OMV schließlich seit jeher an der Tagesordnung. Dass man Stern kurz vor seinem Abgang als OMV-Chef ein derart schweres Foul verpasste, an so viel Bösartigkeit will im Unternehmen aber dann doch keiner glauben.

Van Koten ist freilich nicht erst jetzt angeschlagen. Er leitet neben Fuel als einziger Vorstand einen zweiten Bereich, Chemicals.

Könnte vielleicht etwas zu viel sein, wie man hört. Beide seiner Teams sollen ziemlich frustriert sein. Van Koten musste in den vergangenen Monaten mit Adnoc den milliardenschweren Borouge-Deal mitverhandeln.abei ging es oft hart her. Er soll sich auch um die Nachfolge von Stern beworben haben.

Das Rennen machte bekanntlich die BP-Top-Managerin Emma Delaney. Sie leitete bei BP den Bereich Fuel. Anzunehmen, dass sie bei der OMV ein strenges Auge darauf haben wird.

Eine OMV-Sprecherin betont auf KURIER-Anfrage das „inzwischen gemeinsame Verständnis über die Details der aktuellen Verordnung“. Diese Klarheit ermögliche nun eine „konsistente Umsetzung der geltenden Vorgaben für alle Marktteilnehmer“.

Andrea Hodoschek

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