Polly Adlers "Chaos de luxe": Alles in Budha
Vorstellig in der Sektion für Wiedergeburten
Ich wurde vorstellig in der Sektion für Wiedergeburten. Man kann sich in einem kleinen Tempel ein Segnungsgebet bei einem Mönch buchen. Der Verlust wichtiger Menschen machte mir zu schaffen.
Die Trauer hing wie in bleiernen Satteltaschen an mir. Vielleicht konnte man dort den Wunsch deponieren, dass die so schmerzlich vermissten Abgereisten als sympathische Kreaturen wieder auftauchen. Und hoffentlich war im Arrangement auch Gesundheit für die liebsten Lebenden inkludiert. Was ich lernen musste: das Segen-Catering unterlag strengen Vorschriften. Ich wollte mich als Neo-Hobbybuddhistin natürlich nicht blamieren. Der Mönch nahm kein Geld, aber er erwartete Naturalien.
Also mit dem Tuk-Tuk-Driver in den Supermarkt: Frivoles wie Schokolade oder Vanille warf der sofort herrisch aus dem Wagen. Der Mönch wünsche Kristallzucker, Milchpulver und Mandelseife, erklärte er unter pantomimischen Großeinsatz. Der Mönch würdigte uns später kaum eines Blickes, sondern blieb in sein iPhone vertieft.
Dann drückte er mich sanft in den Lotus-Sitz und mir einen Faden in die Hand. Mit tiefer Stimme begann er zu singen. Der Haken: er wollte, dass ich ihm diese endlosen, sehr poetischen Lobesverse nachsang. Er lächelte, meine Hilflosigkeit gefiel ihm. Wir einigten uns auf ein gemeinsames Mantra „Saru, Saru“ nach jeder Strophe.
Was immer es bedeutete, es klang sehr tröstlich. Keine Angst, ich mutiere jetzt nicht zu so einer Klangschalen-Karin, aber als sich die Pforten hinter mir schlossen, war mir plötzlich leichter. „Alles in Buddha“, flüsterte ich mir und bat um eine doppelte Segnung, als wir durch den irrwitzigen Nachtverkehr tukerten.
Pollys Krimiperformance mit S. Reinsperger, S. MacDonald & S. Wendelin am 1. & 8. 2 im Rabenhof, 11 Uhr.
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