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07/09/2019

Hongkong: Außenposten des Westens

Hongkong.Um den Sonderstatus der ehemaligen britischen Kronkolonie sind gerade erst neue heftige Konflikte entbrannt. Einst Raubgut im Opiumkrieg, ist Hongkong bis heute das Mekka der Marktwirtschaft in Ostasien.

Tee, Porzellan, Luxus-Nippes aller Art: Die Engländer konnten von Waren aller Art aus China einfach nicht genug bekommen. Schließlich hatte der Ostasien-Fimmel ja selbst König George IV. (1820-1830) erfasst, so, dass er seinen Pavillon im Seebad Brighton ganz im chinesischen Stil einrichten ließ. Doch die Begeisterung für China verschaffte dem Königreich ein Problem, das sich überraschend gegenwärtig anhört: Ein ständig anwachsendes Handelsdefizit. Peking ließ sich für seine Exportgüter nämlich ausschließlich in Silber bezahlen. An Waren aus Großbritannien war man einfach nicht interessiert.

Die Krone aber fand einen Weg, um lukrative Exportgeschäfte mit China abzuwickeln, und sie fand eine Ware, die ständig steigenden Absatz garantierte: Opium. Hauptanbaugebiet war Indien. Und dort hatte ein britisches Handelshaus das Sagen: die East India Company.

Ausgestattet mit einer eigenen Armee, eigener Währung und Handelsmonopolen von Indien bis Singapur nützte die Company ihre Macht, um Opium mit allen Mitteln in den chinesischen Markt zu drücken. Die Folgen waren verheerend, Millionen von Chinesen wurden von der Droge abhängig. Während Großbritannien erfolgreich seine Handelsbilanz aufpolierte, waren die sozialen und gesellschaftlichen Folgen in China katastrophal.

Als das Kaiserreich sich gegen den Opiumimport zur Wehr setzte, die Droge verbot und in Verhandlungen trat, um den Handel einzuschränken, reagierte man in London mit Gewalt. Nicht nur stationierte die East India Company immer mehr Bewaffnete, um ihre Handelsniederlassungen in China zu sichern, auch die Krone selbst schickte ihre Marine nach China. Auf eine formale Kriegserklärung wurde verzichtet. Man wolle lediglich „Genugtuung und Wiedergutmachung“. Denn die chinesischen Behörden hatten große Mengen Opium konfisziert und ins Meer geschüttet.

Schließlich reichte ein kleiner Zwischenfall mit ein paar betrunkenen britischen Seeleuten, um endgültig den Ersten Opiumkrieg vom Zaum zu brechen.

Die überlegenen britischen Streitkräfte fügen der chinesischen Armee eine vernichtende Niederlage nach der anderen zu. China, ohnehin von internen Aufständen und Rebellionen zerrissen und geschwächt, hatte keine andere Chance, als in einen demütigenden Friedensvertrag einzuwilligen. Der lieferte das bislang abgeschirmte China völlig den wirtschaftlichen Interessen Großbritanniens und anderer westlicher Mächte aus. Dazu wurde das Kaiserhaus zu massiven Reparationszahlungen verpflichtet und musste außerdem Territorium abtreten. Hongkong wurde 1842 zur britischen Kolonie. Innerhalb der nächsten Jahrzehnte folgten die umliegenden Territorien auf dem Festland. Das Reich der Mitte, das sich seit Jahrhunderten als Zentrum der Welt begriff, wurde de facto zur Kolonie westlicher Mächte. Der Kaiser, der von jedem europäischen Abgesandten den „kowtow“, also den Fall auf die Knie verlangt hatte, musste sein Reich den neuen Herren überlassen. Für China begann eine Epoche, die man später das „Jahrhundert der Erniedrigung“ bezeichnen wird. Ein Trauma, das die Politik des Landes bis in die Gegenwart überschattet. Als Chinas Präsident Xi Jinping vor zwei Jahren Chinas „nationale Erneuerung“, also den Weg zur globalen Supermacht präsentierte, sprach er ausführlich über diese Erniedrigung, die sich „nie wiederholen“ dürfe. Die Rückkehr Hongkongs jedenfalls, habe „hundert Jahre der Schande weggewaschen“.