Eine kleine Geschichte des Kunstvandalismus

Eine kleine Geschichte des Kunstvandalismus
Klimaproteste gegen Bilder in Museen stehen in einer langen Reihe von Attacken, die Kunstwerke als Ziel hatten.

Zur Zeit der Französischen Revolution sollte die Kathedrale Notre Dame in Paris zu einem „Tempel der Vernunft“ umgestaltet werden. Im Altarraum wurde 1793 ein griechischer Tempel „für die Philosophie“ errichtet, die gotischen Skulpturen an der Außenfassade wurden (wie auch in anderen französischen Kathedralen) geköpft: Dass auf der sogenannten „Königsgalerie“ die in der Bibel genannten Könige dargestellt waren – und nicht die entmachteten Könige Frankreichs – war den Revolutionären entgangen.

Mit „Vernunft“ hat das in der Rückschau wenig zu tun. Doch es ist ein unausweichlicher Umstand, dass jede Gesellschaftsform in einer eigenen Logik operiert – und dass bei der Ablöse eines Systems durch ein anderes die vorangegangenen Hervorbringungen attackiert, umgewertet und oft auch zerstört wurden.

Dabei gilt es zu unterscheiden zwischen jenen Kulturen, in denen Bildwerke eine kultische Funktion und womöglich sogar eine „Seele“ haben, und jenen, die eine von religiösen und politischen Funktionen abgekoppelte „Kunst“ kennen: Wenn Aktivisten der „Letzten Generation“ und anderer radikaler Klimaschutz-Gruppen Püree auf ein Monet-Bild leeren, ist das doch etwas anderes als der religiöse Bildersturm des 8. Jahrhunderts oder die Sprengung der Buddha-Statuen durch die Taliban 2001.

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