Vespa-Importeur Faber: „Es ist speziell mit den Italienern“
1948 von Josef Faber senior gegründet, wurde aus einem kleinen Zweiradgeschäft eine feste Größe der Branche.
KURIER: Sie sind seit 1964 Generalimporteur der Vespa in Österreich. Wie das?
Josef Faber: Mein Vater hat unser Unternehmen 1948 gegründet. Mit einem ähnlichen Ansatz wie Enrico Piaggio: er wollte die Menschen mobil machen. In der Nachkriegszeit war das Zweirad das Fortbewegungsmittel für die breite Masse. Dafür wurde die Vespa konstruiert. Jetzt sind wir schon 62 Jahre mit Piaggio verbunden.
Also quasi Teil der Familie.
Irgendwie schon. Wir gehen dort sicher anders rein als andere Generalimporteure. Ich habe auch schon viele kommen und gehen gesehen. Es ist eigentlich eine Geschäftsfreundschaft.
Und typisch italienisch?
In allen Aspekten. Man muss wissen, worauf man sich einlässt. Es ist schon sehr speziell mit den Italienern. Mir wird immer wieder gesagt: Wir Italiener leben nicht, um zu arbeiten, wir arbeiten, um zu leben. Manchmal dauert alles ein bisschen länger, aber meist geht es gut aus.
Die Vespa feiert heuer 80 Jahre Jubiläum. Warum ist dieses Kultobjekt immer noch so präsent?
Vorrangig ist die Vespa ein sehr praktisches Fortbewegungsmittel. Die Konstruktion ist einzigartig, damit wurde damals eine eigene Fahrzeuggattung gegründet, die es vorher nicht gegeben hat: Mit dem Motor unten und hinten. Dadurch spürt man die Hitze des Motors nicht und der niedere Schwerpunkt macht die Vespa wendig. Die Schürze, der Durchstieg – da konnte man auch als Frau mit Rock gut fahren. Der Konstrukteur war genial, das wirkt bis heute.
Seit 1946 gab es bereits 160 Modelle.
Die Vespa ist mit der Zeit gegangen. Das sieht man, wenn man sich die Dekaden anschaut. Sie ist generell größer und massiver geworden. Heute gibt es zwei unterschiedliche Karosserien, aber auch wesentlich mehr Motorkraft, Sicherheitsfeatures und Komfortelemente. Der Mythos ist heute immer noch da. Es geht ums Mobil-Sein, ums Frei-Sein.
Wie viele Vespas haben Sie schon nach Österreich importiert?
Knapp 300.000 Stück. Aktuell sind 150.000 Vespas in Österreich auf der Straße unterwegs. Im vergangenen Jahr haben wir 8.000 Einheiten verkauft – das liegt im normalen Durchschnitt. In Coronazeiten waren es 10.000 im Jahr – weil die Menschen nicht Öffis fahren wollten. Davon haben wir profitiert.
Warum mögen die Österreicher die Vespa?
Nur Italien hat diese Leichtigkeit des Seins und nur die Vespa liefert das Dolce Vita gleich mit. Wir positionieren Vespa seit vielen Jahren mit genau diesem italienischen Lebensgefühl.
Gibt es den typischen Vespa-Käufer?
Nein, wir verkaufen an 15- bis 70-Jährige. Aber wir bemerken in den vergangenen Jahren, dass immer mehr Frauen Vespa fahren. Und die 125er-Regelung, die 1998 gekommen ist, hat damals auf jeden Fall einen ordentlichen Schub ausgelöst.
Und es sind vor allem Städter, die Roller fahren.
Das merken wir schon. Gerade in Wien mit der Kurzparkzone und dem Parkpickerl ist das sehr praktisch. Da darf man auch nicht auf Ideen kommen. Ich hoffe, dass da alles so bleibt. Infrastrukturminister Hanke fährt selbst Vespa und Bundeskanzler Stocker auch. Das stimmt mich einmal positiv.
Vespa und E-Mobilität ist ein eigenes Thema: Die bisherigen Modelle waren kein durchschlagender Erfolg.
Es ist nicht so einfach, weil man für die Batterien nur wenig Platz in einem Zweirad hat. Grundsätzlich gehe ich davon aus, dass die Elektromobilität gerade im Nahverkehrsbereich in Zukunft stark zulegen wird. Aber dafür muss sich noch einiges ändern, auch bei der Ladeinfrastruktur für Zweiräder. Vor ein paar Jahren haben die global größten Zweiradhersteller ein Swappable Battery Consortium gegründet. Da soll ein System entwickelt werden, bei dem man Akkus tauscht, wenn sie leer sind. Piaggio-Vespa ist einer der Hauptakteure, gemeinsam mit Honda, Yamaha, BMW und KTM. Ich erwarte da ein komplett neu gedachtes System.
Gibt es demnächst eine bessere, rein elektrische Vespa?
Die Fahrzeuge werden permanent weiterentwickelt. Ich glaube aber, dass die Zukunft kein Entweder-Oder sein wird, sondern dass beide Motorvarianten ihre Berechtigung haben. Man ist schon jetzt mit einem Zweirad mit Verbrennermotor sehr umweltbewusst unterwegs. Der Spritverbrauch liegt bei zwei Liter auf 100 Kilometer und das wird sicher noch besser. Der CO2-Ausstoß ist also jetzt schon sehr gering.
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